Wenn andere über Ivan Perisic (22) reden, dann hört sich das so an: „Sein Spiel erinnert mich unweigerlich an Michael Ballack.“, sagt sein Berater, der ehemalige Stürmer Axel Lawaree. „Perisic ist ein Phänomen, eine Vollgranate. Sein Marktwert wird explodieren“, sagt Ivan Rakitic, sein kroatischer Landsmann.
5,5 Millionen Euro hat Borussia Dortmund für den Mittelfeldmann ausgegeben, so viel wie seit der Verpflichtung von Torsten Frings im Jahr 2002 nicht mehr. Perisic’ Leistungsnachweise lesen sich entsprechend: 22 Tore und zehn Vorlagen vergangene Saison beim FC Brügge, kurzum, er war der beste Spieler der belgischen Liga. Seine Ansprüche in Dortmund? „Wir haben diese Saison viele Spiele, und ich bin sicher, dass auch ich meine Chancen erhalten werde.“
Perisic ist eines der neuen Gesichter der Liga, die in den kommenden Wochen ihr Debüt geben werden. Doch nicht alle treten mit so vorsichtig formulierten Ansprüchen an. Takashi Usami etwa, der erste Japaner in Diensten des FC Bayern ist keiner, der als erstes deutsches Wort Danke lernt und sich in zurücknehmenden Statements übt.
Usami sagt, was er denkt, und das ist bei dem 19-Jährigen eine Mischung aus Selbstbewusstsein und Größenwahn: „Ribery und Robben haben ähnliche Anlagen wie ich“, tönte er etwa bei seinem Einstand. Bis zum Saisonende will Usami, die Leihgabe von Gamba, übrigens die Bayern-Hymne „Stern des Südens“ auf Deutsch trällern können. Am liebsten bei Titelfeierlichkeiten auf dem Münchner Rathausbalkon. Und irgendwann soll es für ihn auch zum Weltfußballer reichen, sagt er.
Von derlei Ambitionen weit entfernt ist das interessanteste neue Gesicht des VfB Stuttgart. „Ich bin das Gegenteil von Messi“, sagte William Kvist (26) dem „kicker“, was erst mal ein wenig schnöde klingen mag, aber eine recht charmante Selbsteinschätzung ist.
Der studierte Wirtschaftswissenschaftler – im Mai hat er seinen Abschluss gemacht – ist auch auf dem Platz eher mit bodenständigen Dinge vertraut. Statt auf Zauberfußball soll er den VfB als defensiver Mittelfeldregisseur auf Ordnung trimmen.
Sein Spiel werde die Zuschauer nicht von den Sitzen reißen, hat auch schon Manager Fredi Bobic prophezeit, aber Kvist „wird enorm wichtig sein für uns“. Wie wichtig, das beweisen allein die 3,5 Millionen Euro Ablöse, die Stuttgart in den Nationalspieler vom FC Kopenhagen investiert hat.
Überhaupt hat die Bundesliga gewaltig beim dänischen Dauermeister und letztjährigem Champions-League-Achtelfinalisten gewildert. Trainer Stale Solbakken heuerte in Köln an, Kvist ist nun in Stuttgart, Zdenek Pospech ging nach Mainz.
Und Schwedens Nationalverteidiger Oscar Wendt schlug ein Angebot von Liverpool aus und wechselte nach Mönchengladbach. Dass er bei seiner Ankunft gleich seine Freundin im Schlepptau hatte, hatte einen guten Grund: „Wenn sie mich nicht begleiten würde, würde ich garantiert verhungern. Denn Kochen kann ich gar nicht.“
Kulinarische Gegebenheiten sollen dem Vernehmen nach auch bei der Verpflichtung von Kaiserslauterns teuerstem Neuen eine Rolle gespielt haben. Itay Shechter, Israeli und für 2,5 Millionen Euro von Hapoel Tel Aviv gekommen, hatten die FCK-Oberen beim ersten Treffen mit koscherem Essen bewirtet.
Das habe ihm gefallen, ließ er ausrichten. Ansonsten aber geht es dem Nationalstürmer wie auch seinem ebenfalls in die Pfalz gewechselten Landsmann Gil Vermouth eher um die sportlichen Dinge. „Ich träume von einem Tor gegen Bayern in der 70. Minute nach einem Pass von Gil Vermouth“ sagt Shechter. Da werden sie in Kaiserslautern nicht widersprechen.
Einen Mann, der allein wegen seiner Verwandtschaft in den Blickpunkt rückt, hat Aufsteiger FC Augsburg unter Vertrag genommen. Was verbindet der Fußballfan nicht alles mit dem Namen Davids, den „Pitbull“ einst in Diensten von Ajax Amsterdam und Juventus Turin?
Lorenzo Davids jedenfalls ist der Cousin des prominenten Edgar, dieselbe lange Mähne, derselbe Spitzname. Als Arbeiter mit Einsatzwillen und Spielintelligenz bezeichnet sich der Mittelfeldmann, der ablösefrei aus Nijmegen kam. In Augsburg will der 24-Jährige den nächsten Schritt in Richtung Nationalelf machen: „Ich will mit den großen Jungs spielen.“
Grüppchenbildung gibt es beim Hamburger SV. Sportchef Frank Arnesen hat bei seinem Weggang von Chelsea gleich ein paar ehemalige Angestellte mitgebracht: Jeffrey Bruma, Gökhan Töre, Jacopo Sala und Michael Mancienne – allesamt Transfers mit Perspektive.
Werder setzt auf einen Griechen
Doch der interessanteste Neue dürfte ein Norweger sein: Per Skjelbred (24). Am Mittwochabend noch läuft er für Rosenborg Trondheim in der Champions-League-Qualifikation auf. Am Donnerstag schon wird er in Hamburg erwartet. Als 15-Jähriger gewann Skjelbred eine nationale Castingshow. „Profitraum“ hieß das TV-Format.
Er durfte deshalb bei Liverpool vorspielen, lehnte eine Ausbildung in deren Jugendakademie aber ab und ging lieber nach Trondheim. Mit 16 schon debütierte er in der ersten Mannschaft. Ähnlich furios ging es zwar nicht weiter, die letzten Nationalmannschaftseinsätze des Offensivallrounders liegen schon ein wenig zurück. Doch beim HSV, sagt er, „will ich mich dahin zurückkämpfen“.
Schon einige Jahre Teil der griechischen Nationalmannschaft ist Werders Neuer: Innenverteidiger Sokratis Papastathopoulous. Im Nationalteam bildet er mit Schalkes Kyriakos Papadopoulos ein Duo.
Bremens Mann mit dem wohl längsten Nachnamen der Liga ist ausgeliehen vom FC Genua, er soll die chronische Abwehrschwäche Werders beheben helfen. Immerhin kommt er mit hübschen Referenzen: Bei AEK Athen etwa war er einst jüngster Kapitän der Klubgeschichte.



