Bayerns Heimniederlage

Trainer Heynckes attackiert Neuer und Boateng

Nach der Heimniederlage gegen Gladbach hat Bayern-Trainer Jupp Heynckes die Schuldigen ausgemacht: Manuel Neuer und Jerome Boateng.

Manuel Neuer feuerte frustriert die Wasserflasche neben sein Tor – sein Patzer war der Tiefpunkt beim Schockstart des FC Bayern. Nach der 0:1 (0:0)-Heimpleite im Bundesliga-Klassiker gegen Borussia Mönchengladbach müssen die hoch gewetteten Münchener dem furios gestarteten deutschen Meister Borussia Dortmund gleich zu Saisonbeginn wieder hinterlaufen. „Alle guten Vorsätze sind wieder beim Teufel. Ich bin sauer“, meckerte Nationalspieler Thomas Müller.

Matchwinner für die aufopferungsvoll kämpfende Borussia war Stürmer Igor de Camargo, der in der 62. Minute nach einem langen Ball von Roel Brouwers mit dem Kopf vor dem zögerlichen Neuer am Ball war. Der Nationaltorhüter hatte sich beim Herauslaufen verschätzt, suchte aber nicht nach Entschuldigungen: „Da sehe ich natürlich blöd aus. Ich dachte, der Ball kommt in den Sechzehner. Ich wollte kein Handspiel und keine Rote Karte kassieren. Ich nehme das Tor auf meine Kappe“, schilderte der 25-Jährige die spielentscheidende Szene.

Beim erst zweiten Sieg in München war dagegen auf Gladbacher Seite der 19 Jahre junge Torwart Marc-André ter Stegen der entscheidende Rückhalt. Zuletzt war den Borussen im Oktober 1995 ein solcher Coup in München gelungen. „Wir haben das Glück provoziert“, lobte Trainer Lucien Favre seine diszipliniert arbeitende Mannschaft.

„Wir müssen leider jetzt schon wieder nach dem ersten Spieltag feststellen, dass wir der Spitze hinterherlaufen müssen“, erklärte Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge, der für den „Fehlstart“ die ganze Mannschaft verantwortlich machte: „Wir haben zu wenig getan.“

Trainer Jupp Heynckes nannte die Situation beim Gegentor ein Missverständnis zwischen Neuer und Abwehrchef Jérome Boateng. „Manuel hätte da nicht rausgemusst. Das war ein völlig unnötiger Gegentreffer aus dem Nichts. Das rundet die Enttäuschung ab“, erklärte Heynckes.

Bayern kassierte die erste Auftaktniederlage in der Bundesliga seit 2001 – aber nicht allein wegen Neuers Fehler. Beinahe 90 Minuten berannten die Münchner vor 69 000 Zuschauern, darunter Bundestrainer Joachim Löw, in der Allianz Arena das Tor der Gladbacher. Doch zumeist agierten sie zu kopflos. „Gladbach hat ein Spinnennetz aufgebaut, in dem wir uns immer wieder verfangen haben“, klagte Heynckes. Ihm fehlte besonders das Tempo im Offensivspiel.

Hinzu kam auch noch Pech. So traf Torschützenkönig Mario Gomez in der 54. Minute per Kopf nur den Pfosten. Und in der 77. Minute wurde den Münchnern das vermeintliche Ausgleichstor von Müller wegen angeblicher Abseitsposition zu Unrecht aberkannt. „Da hätte der Linienrichter die Fahne auch unten lassen können, das wäre geschickter gewesen“, klagte Müller. Aber entscheidend sei das nicht gewesen: „Wir können vorher ein Tor machen – und danach auch.“

Von Beginn an war es nur in Richtung Gladbacher Tor gegangen. Die Bayern waren optisch klar überlegen, doch es fehlten die genialen, überraschenden Aktionen. Die Gäste standen mit zehn Spielern kompakt um den eigenen Strafraum herum und machten die Räume eng. Immerhin stand auch die umformierte Bayern-Deckung mit ihrem neuen Abwehrchef Boateng, der später mit einer Sprunggelenksverletzung vom Platz musste, lange sicher. Die Gäste warteten auf den Lucky Punch.

Auch der nach einer Stunde eingewechselte Franck Ribery konnte dem Spiel keine Wende geben – Arjen Robben war zudem die Verletzungspause anzumerken. Der vermeintliche Titelfavorit ist gleich zum Start böse gestrauchelt: „Eins ist klar, die Meisterschaft wird nicht vorher verteilt“, dozierte Heynckes nach dem ersten Rückschlag. Und Ribéry stellte fest: „Das ist eine sehr schwere Situation.“ Der nächste Gegner ist der VfL Wolfsburg mit Ex-Bayern-Trainer Felix Magath.