Heidenheim

Bremen spielt wie ein Absteiger beim Pokal-Aus

Erschreckender Auftritt von Werder im DFB-Pokal. Aus in Runde eins beim Drittligisten Heidenheim. Trainer Schaaf ist entsetzt: "Die Niederlage tut weh."

Die Fans wollten nicht einfach so gehen. Sie wollten Antworten von den Spielern. Auf die Frage: Warum habt ihr so schlecht gespielt? Also bildeten die Anhänger von Werder Bremen Samstagabend eine Sitzblockade und hinderten den Teambus der Hanseaten bei der Abfahrt aus dem Stadion des 1. FC Heidenheim. „Aussteigen, Aussteigen!“, riefen sie immer wieder. Erst als die Polizei einschritt und den Weg frei machte, konnte der Bus abfahren.

Mit 1:2 (1:0) hatte sich Werder vor 10.000 Zuschauern gegen den Drittligaklub aus Baden-Württemberg blamiert und war in der ersten Runde des DFB-Pokals ausgeschieden. „Wir als Bundesligist hätten hier anders auftreten müssen“, ärgerte sich Torwart Tim Wiese, während die Gastgeber feierten. „Das ist unglaublich. Wir freuen uns sehr, ein super Tag. Die Mannschaft hat super gespielt und sich das verdient“, sagte Torschütze Christian Sauter.

Für die Bremer ist das Pokal-Aus nicht nur peinlich, sondern ein herber Rückschlag. Sie haben ihr erstes Saisonziel verpasst: das Erreichen des Finals in Berlin. Der sechsmalige Titelträger spielte lange Zeit wie ein Absteiger.

„Wir haben unsere Chancen nicht genutzt. Fehler passieren immer und überall. Uns sind sie leider hier passiert das müssen wir unbedingt abstellen. Die Niederlage tut weh und ist sehr ärgerlich“, sagte ein sichtlich mitgenommener Trainer Thomas Schaaf.

Der Klub hat mit dem Ausscheiden auch eine potenzielle Einnahmequelle verloren. In der vergangenen Saison hat Werder lediglich den 13. Platz belegt und sich nicht für einen internationalen Wettbewerb qualifiziert. Die Folge: dem Klub fehlen viele Millionen Euro. Routinier Torsten Frings gab Bremen an Toronto ab, um das Millionen-Gehalt des ehemaligen Nationalspielers zu sparen.

Eine Woche vor dem ersten Spiel der neuen Bundesligasaison gegen den 1. FC Kaiserslautern ist die Stimmung im Klub denkbar schlecht. Trainer Schaaf und Manager Klaus Allofs müssen sich fügen, Aufsichtsratchef Willi Lemke hat einen Sparkurs verordnet. „Wir dürfen nur so viel ausgeben wie wir einnehmen“, sagt er. Dabei hatte sich Schaaf mehr neue Spieler gewünscht.

Warum, wurde in Heidenheim von Beginn an deutlich. Die Gastgeber verteidigten geschickt und versuchten immer wieder, die Bremer Abwehr mit Angriffen über die Außenbahnen unter Druck zu setzen. Marc Schnatterer vergab die erste Chance (20.).

Werder fehlte ohne den verletzten Torjäger Claudio Pizarro der Spielfluss. Umso überraschender die Führung: Nach einem Konter nahm sich Markus Rosenberg ein Herz, schoss auf rund 20 Metern aufs Tor und traf zum 1:0 (33.).

Nach der Halbzeitpause wollte Bremen unbedingt für die Entscheidung sorgen. Marko Marin versuchte es mit einem Dribbling und schoss bei einer Flanke seinen Gegenspieler Florian Tausendfund an, Schiedsrichter Jochen Drees entschied auf Elfmeter.

Marin trat selbst an, schoss aber so unplatziert, dass Torwart Frank Lehmann parieren konnte (52.). Ausgerechnet Marin, der sich für die neue Saison so viel vorgenommen hat. Mit einem privaten Fitnesstrainer hatte er sich in der Sommerpause fit gemacht, um sein großes Ziel zu erreichen. „Das ist ein sehr wichtiges Jahr für mich. Ich will zurück in die Nationalmannschaft und ich will unbedingt zur EM“, sagte der Spielmacher.

Der verschossene Strafstoß war für die Heidenheimer ein Zeichen. Sie spielten jetzt noch mutiger und kamen durch Christian Sauter zum Ausgleich: In der 57. Minute verwandelte er einen Freistoß, Werders Torhüter Tim Wiese war ohne Chance.

Nur eine Minute später ging Heidenheim sogar in Führung. Schnatterer kam im Strafraum völlig frei an den Ball und schob ein. Werders neuer Abwehrchef Andreas Wolf wirkte dabei wie ein Amateur, der verletzte Brasilianer Naldo wird weiter schmerzlich vermisst.

„Wir haben das Spiel aus der Hand gegeben. Das darf nicht sein. Wir hätten die Partie vorher entscheiden müssen und haben den Unterschied zwischen Bundesliga und dritter Liga nicht deutlich genug gemacht“, ärgerte sich Manager Allofs.

Schaaf reagierte, wechselte Marko Arnautovic und Zugang Mehmet Ekici ein. Seine Mannschaft kämpfte, probierte es mit langen Bällen. Doch den Hanseaten fehlte die Cleverness und Genauigkeit. Sogar Torwart Wiese stürmte in der Schlussphase mit nach vorn. Hektisch wurde es in der letzten Minute: Rosenberg traf zum Ausgleich, doch der Schiedsrichter hatte die Partie unterbrochen und erkannte das Tor nicht an.

Völlig geknickt verließen die Bremer das Spielfeld und machten sich auf die Rückfahrt nach Bremen. In Heidenheim ging die Party unterdessen bis in die frühen Morgenstunden.