Pleite in Leipzig

"Wölfe"-Trainer Magath hat Angst nach dem Pokal-Aus

Magath war wütend und ratlos nach der peinlichen Pleite der Wolfsburger bei Viertligist Leipzig. "Ich muss meine Ansprüche überdenken", so der VfL-Trainer.

Felix Magath stampfte wütend über den Rasen und verschwand wortlos in den Katakomben der Leipziger WM-Arena. Der 58-Jährige war total angefressen. Das Leipziger Allerlei mit dem Dreierpack von Nobody Daniel Frahn und die katastrophale Leistung seiner Elf waren dem Meistertrainer gehörig auf den Magen geschlagen.

Vor allem die Abwehr der „Wölfe“ bot beim 2:3 (2:3) in Runde eins des DFB-Pokals gegen den Viertligisten RB Leipzig ein Bild des Schreckens und übertraf sogar noch den Grusel-Fußball unter Magaths Vorgänger Steve McClaren.

„Ich habe Angst“, sagte Magath, angesprochen auf die Vorstellung seiner Defensive mit Blick auf den Bundesliga-Start am Samstag gegen den 1. FC Köln. „Ich habe keine Abwehr gesehen. Der Gegner hatte noch zwei, drei weitere Großchancen“, schimpfte der Meistertrainer, der plötzlich seine komplette Vorbereitung in Frage stellte: „Ich muss meine Ansprüche überdenken. Ich habe angenommen, dass wir schon wieder eine Einheit sind.“

Was die Innenverteidiger Simon Kjaer und Marco Russ, aber auch Nationalspieler Marcel Schäfer auf der linken Seite boten, hatte nichts mit Bundesliga-Niveau zu tun. Torwart Diego Benaglio strahlte 90 Minuten Unsicherheit aus, und Leipzigs Dreifach-Torschütze Frahn dürfte selbst in der Regionalliga selten so oft zum Torschuss kommen.

„Wir wussten, dass wir gegen die kantigen Wolfsburger Abwehrspieler in der Luft keine Chance haben. Deshalb haben wir auf Fehler am Boden spekuliert. Und die sind dann auch passiert“, sagte Frahn.

Doch auch Magath trug zur Unsicherheit seiner Elf bei. Als sein Team nach 30 Minuten das Spiel einigermaßen in den Griff bekam und durch Srdjan Lakic und Hasan Salihamidzic zum 2:2 ausgeglichen hatte, nahm er Abräumer Josue vom Feld und brachte Tuncay Sanli.

Der Türke konnte nicht überzeugen und musste in der 62. Minute Patrick Helmes Platz machen. Am Ende blieb die Erkenntnis: Es fehlt ein Spielmacher. Der ausgebootete Diego gehört zum Kader, soll aber gehen. „Wir müssen auch ohne Diego so ein Spiel beherrschen“, meinte Magath.

Völlig losgelöst feierten derweil die Leipziger ihren Sensationserfolg und ließen ihren Dreifach-Torschützen hochleben. Kurz vor Schluss hätte der 24-Jährige, der in den vergangenen drei Regionalliga-Spielzeiten 56 Tore erzielte, per Seitfallzieher fast noch sein viertes Tor erzielt.

„Drei Tore habe ich in einem Spiel noch nie geschossen, dafür zwei oder vier“, sagte der gebürtige Potsdamer, der schon vor dem Spiel ein gutes Gefühl hatte: „Ich habe davon geträumt, ein Tor zu schießen.“

„Er ist ein guter Stürmer. Die Kapitänsbinde hat ihm noch Auftrieb gegeben“, sagte Red-Bull-Trainer Peter Pacult , der den Triumph sichtlich genoss. Gleich in seinem ersten Pflichtspiel als Leipziger Cheftrainer hat der frühere Coach von 1860 München und Rapd Wien für den Paukenschlag gesorgt, den sich Großsponsor Dietrich Mateschitz vom Milliardenkonzern Red Bull so gewünscht hat.

Der Unternehmer will RB möglichst schnell in die Bundesliga hieven und konnte sich freuen, dass sein Klub zumindest für einen Tag den großen Fußball in die Messestadt holte. Den Leipzigern, die die Entwicklung des traditionslosen Klubs durchaus auch mit Skepsis verfolgen, schien es zu gefallen.

31.212 Zuschauer sorgten in der WM-Arena 2006 für einen Klubrekord. Ein weiterer könnte folgen, wenn die Roten Bullen in Runde zwei einen ähnlich attraktiven Gegner zugelost bekommen.