Ilkay Gündogan

"Es wäre fatal, mich mit Sahin zu vergleichen"

Dortmunds Zugang Gündogan verrät im Interview bei Morgenpost Online, warum er nicht beim HSV gelandet ist, und erklärt seine schwierige Rolle als Sahin-Nachfolger.

Foto: dapd/DAPD

Dortmunds Ilkay Gündogan redet, wie er Fußball spielt: schnell, direkt und dabei nie die Balance zwischen Offensive und Defensive vernachlässigend. Vor dem Duell zum Bundesligaauftakt am Freitag (20.30 Uhr, ARD/Sky) zwischen seinem neuen Verein Borussia Dortmund und seinem Fast-Klub Hamburger SV spricht der Deutschtürke über seine Ziele beim BVB, Trainer Jürgen Klopp und seine schwierige Rolle als Nachfolger von Chefstratege Nuri Sahin.

Morgenpost Online: Herr Gündogan, warum spielen Sie am Freitag für Dortmund gegen den HSV und nicht umgekehrt?

Ilkay Gündogan: Ich weiß natürlich, worauf Sie anspielen. Es ist ja kein Geheimnis, dass sich sowohl der BVB als auch der HSV in der vergangenen Saison um mich bemüht haben, der HSV sogar deutlich früher als der BVB. Ich habe mir damals bewusst sehr lange Zeit gelassen, um für mich die bestmögliche Entscheidung zu treffen. Als es dann aber tatsächlich ernst wurde mit Borussia Dortmund, gab es letztendlich nur eine richtige Entscheidung.

Morgenpost Online: Dem Vernehmen nach war Ihr Wechsel von Nürnberg zum HSV Ende April so gut wie perfekt. Warum haben Sie sich schließlich doch noch für Borussia Dortmund entschieden?

Gündogan: Für mich war die sportliche Perspektive der Mannschaft entscheidend. Der BVB wurde gerade Deutscher Meister, das Team ist gefestigt, der Kader ist ausgeglichen. Mit so einer Mannschaft muss man auch in dieser Saison den Anspruch haben, um die Qualifikation für den Europapokal mitzuspielen. Der HSV ist für mich dagegen ein Überraschungspaket in der Liga. Der Verein hat nach der vergangenen Saison einen Schnitt gemacht, und keiner weiß so genau, ob es nun richtig gut oder eben doch nicht so gut laufen wird. Zudem war ich beeindruckt, wie der BVB um mich gekämpft hat .

Morgenpost Online: Hat der HSV nicht genügend um Sie gekämpft?

Gündogan: So war das nicht gemeint. Ich hatte mit beiden Trainern, mit Jürgen Klopp und mit Michael Oenning, sehr lange und sehr gute Gespräche. Aber als 20-Jähriger ist es nun mal ein Traum, mit und gegen die ganz Großen in der Champions League zu spielen. Das kann mir im Moment nur der BVB bieten. Und was für mich auch noch eine wichtige Rolle gespielt hat, ist, dass ich nicht weit von Dortmund entfernt aufgewachsen bin. Ich habe hier viele Freunde, kenne mich aus und fühle mich heimisch.

Morgenpost Online: Es wurde berichtet, dass auch Ihre Entscheidung, sich zukünftig von Ihrem Vater beraten zu lassen, ein gewichtiger Faktor gewesen sei.

Gündogan: Ich habe das auch gelesen, aber es stimmt trotzdem nicht. Die Entscheidung, den Berater zu wechseln, war mein persönlicher Wunsch, hat aber nichts mit dem Transfer zum BVB zu tun.

Morgenpost Online: Warum haben Sie sich für Ihren Vater und gegen Thies Bliemeister, der neben anderen auch den HSV-Youngster Heung Min Son vertritt, als Berater entschieden?

Gündogan: Privat habe ich mich mit Thies sehr gut verstanden, es wuchs sogar eine echte Freundschaft zwischen uns. Aber trotzdem habe ich mich schließlich für meinen Vater entschieden, der mich zusammen mit meinem Onkel unterstützt, und bei dem ich weiß, dass ich mir definitiv keine großen Gedanken machen muss.

Morgenpost Online: Auch Mesut Özil lässt sich seit Kurzem von seinem Vater vertreten. Besteht nicht das Risiko, familiäre und geschäftliche Dinge zu vermischen?

Gündogan: Diese Gefahr sehe ich überhaupt nicht. Ich weiß, dass sie immer hinter mir stehen, egal, was ich auch mache. Außerdem reden wir nicht den ganzen Tag über Fußball und Vertragsangelegenheiten. Eigentlich spielt das im Alltag gar keine Rolle.

Morgenpost Online: Just Moting, der Vater des Mainzer Profis Maxim Choupo-Moting, bestand darauf, in den Medien als Berater und Vater bezeichnet zu werden – nicht umgekehrt. Wie hält das Ihr Vater?

Gündogan: Darüber haben wir uns keine ernsthaften Gedanken gemacht. Ich bezeichne meinen Vater auch gar nicht als meinen Berater. Mein Vater ist mein Vater, da ist es doch ganz normal, dass er mir den einen oder anderen Rat gibt. Vielleicht kennen mein Vater und mein Onkel das Geschäft noch nicht ganz so perfekt wie der eine oder andere, der schon länger dabei ist. Und trotzdem kann niemand meine Bedürfnisse besser regeln als mein eigener Vater. Außerdem muss das ja keine Lösung für immer sein. Für den Moment ist es das richtige, mal sehen, was in der Zukunft passiert.

Morgenpost Online: Haben Sie Michael Oenning, der seit Ihrer gemeinsamen Zeit in Bochum und in Nürnberg als Ihr Ziehvater gilt, von Ihrer Entscheidung gegen den HSV persönlich informiert?

Gündogan: Klar habe ich ihn angerufen. Er war natürlich etwas enttäuscht, hat meine Entscheidung aber respektiert. Er hat mir dann viel Glück für die Saison gewünscht und mir versichert, dass ich ihn trotzdem jederzeit anrufen könnte, wenn ich mal einen Rat brauche. Er ist ein sehr angenehmer Zeitgenosse. Wer weiß, wie meine Profikarriere verlaufen würde, wenn er nicht mein erster Trainer gewesen wäre. Als er damals von Bochum nach Nürnberg wechselte, hat er mich nur wenige Monate später nachgeholt. Er hat mich zum Profi gemacht, und dafür bin ich ihm noch heute dankbar.

Morgenpost Online: In Dortmund sollen Sie mit Nuri Sahin, der zu Real Madrid gewechselt ist , den entscheidenden Spieler der Meistermannschaft ersetzen. Bedeutet das zusätzlichen Druck?

Gündogan: Entscheidend ist doch, wie man mit so einer Situation umgeht. Ich kann zwar die Medien verstehen, dass sie uns immer wieder gegenüberstellen, schließlich spielen wir beide auf einer ähnlichen Position und sind beides ähnliche Typen. Aber trotzdem wäre es fatal, wenn auch ich den Fehler machen würde, mich mit Nuri zu vergleichen. Ich will hier mein Ding durchziehen und nicht irgendjemanden kopieren. Nuri ist Nuri, ich bin Ilkay Gündogan.

Hier geht es zum großen Bundesliga-Tippspiel von „Metal Hammer“.

Morgenpost Online: Vor Ihrem Wechsel nach Dortmund mussten Sie Ihre medizinische Untersuchung wegen Ihres linken Fußes wiederholen. Ist der Haarriss im Mittelfuß mittlerweile ausgeheilt?

Gündogan: Es bleibt immer ein Restrisiko, aber das hat jeder Fußballer. Anfang der Vorbereitung hatte ich noch leichte Schmerzen im Fuß, aber seit mehreren Wochen kann ich jetzt absolut schmerzfrei trainieren. Das war in der Rückrunde in Nürnberg leider nicht der Fall. Herr Klopp hatte zum Ende der vergangenen Saison deswegen meinen damaligen Trainer Dieter Hecking gebeten, mich nicht mehr in den letzten beiden Saisonspielen einzusetzen, damit ich die Verletzung richtig auskurieren kann. Jetzt fühle ich mich hundertprozentig fit und freue mich auf den Saisonstart am Freitagabend.

Morgenpost Online: Wer gewinnt?

Gündogan: Das wird Michael Oenning jetzt vielleicht nicht so gerne lesen, aber natürlich gehe ich davon aus, dass wir unser erstes Spiel zu Hause gewinnen. Sorry!