EM-Qualifikation

Matthäus will endlich raus aus den Klatschspalten

Samstag treffen zwei Ikonen des deutschen Fußballs aufeinander. Das Duell mit Lehrmeister Hitzfeld kommt Bulgariens Trainer gelegen, um seinen Ruf aufzupolieren.

Foto: dapd/pa/dpa

Beim Zählen kann man schon mal durcheinander geraten. Hat Lothar Matthäus nun mehr Pleiten als Nationaltrainer oder als Ehemann eingesteckt? Unter der Woche jedenfalls wurde die vierte Scheidung des Rekordnationalspielers offiziell bestätigt, die Staatsanwaltschaft Salzburg stellte Ermittlungen gegen ihn wegen vermeintlicher Urkundenfälschung ein, womit Matthäus nun zumindest der Gang in den Knast erspart bleibt. Der persönliche Schmerz aber ist noch groß: Jede geschiedene Ehe, sagte der 50-Jährige, sei wie eine persönliche Niederlage für ihn.

Dabei ist er ja inzwischen durchaus erprobt in der Verarbeitung gescheiterter Beziehungen. Zu seinem runden Geburtstag erschienen in der Nacht von Sonntag auf Montag immerhin Ex-Frau Nummer eins, Silvia, und Ex-Frau Nummer drei, Marijana, ins Münchner Nobelrestaurant Lenbach. Liliana, jüngster Scheidungsfall, fehlte zwar, sie bereitete sich auf ihr Debüt bei der RTL-Tanzshow „Let's dance“ vor, stattdessen aber präsentierte Matthäus in der 23-jährigen Psychologie-Studentin Ariadne schon die nächste Lebensabschnittspartnerin. Wer soll da noch den Überblick behalten?

Weit mehr aber als über den partiellen Zuspruch der verflossenen und aktuellen Frauen dürfte sich der Jubilar ohnehin über einen Anruf gefreut haben. Ottmar Hitzfeld gratulierte seinem einstigen Spieler und wünschte ihm alles Gute. Nur eines mochte der Trainer der Schweizer Nationalmannschaft im Telefonat nicht übermitteln. Die besten Wünsche für Samstag. Dann treffen Bulgarien und die Schweiz in der EM-Qualifikation aufeinander, der Lehrling, der als Trainer (wie auch als Ehemann) irgendwie einfach nicht erwachsen werden will, fordert seinen Lehrmeister heraus.

Das Duell heute in Sofia ist weit mehr als das Aufeinandertreffen zweier Ikonen des deutschen Fußballs. Es ist auch so etwas wie die Konfrontation zweier Antipoden. Hier Matthäus, der zuletzt mehr Berücksichtigung auf den Klatschspalten der Zeitungen fand als im Sportteil, der sein privates Leben öffentlich zur Schau stellt, der als Trainer schon von Wien bis Curitiba ohne Konstanz gewirkt hat, obwohl er seinem Selbstverständnis nach mindestens doch den FC Bayern trainieren müsste, wenn nicht die Nationalmannschaft.

Dort Hitzfeld, der 62 Jahre alte Souverän der Trainergilde, dem selbst private Eskapaden wie die Liaison zu der Brasilianerin Rosi nichts anhaben konnten, und der sich nun bis zum Renteneintritt den beschaulichen Job als Coach der Schweizer Auswahl gönnt. Übertragen auf die Politik wäre das in etwa so, als würde Ministerpräsident und „Basta“-Mann Stefan Mappus die Kanzlerin Angela Merkel zum Duell auffordern.



Zum ohnehin ungleich erscheinenden Kräftemessen gesellt sich sportliche Brisanz. Die von Matthäus betreuten Bulgaren stehen in der Qualifikationsgruppe G mit drei Punkten aus drei Spielen auf Rang vier, Hitzfelds Schweizer liegen mit derselben Zählerzahl einen Rang davor. Wohl nur der Sieger des Duells in Sofia darf weiter von der erfolgreichen Qualifikation für die EM-Endrunde 2012 in Polen und der Ukraine träumen. „Ottmar Hitzfeld ist ein guter und erfolgreicher Trainer“, meinte Matthäus und kündigte an: „Wir werden versuchen, ihn weniger erfolgreich zu machen.“

Bei diesem Ziel muss Lothar Matthäus aber mit einigen Malaisen kämpfen. Dimitar Berbatov, Star bei Manchester United, vermochte er nicht zu einer Rückkehr ins Nationalteam zu überzeugen. Der Stürmer trat am 13. Mai 2010 zurück und will auch unter dem neuen Coach nicht von seinem Entschluss abrücken. Dabei könnte Matthäus gerade einen wie Berbatov gut gebrauchen. Der Ex-Leverkusener führt die Torschützenliste der Premier League mit 20 Treffern an und ist in der Form seines Lebens. Das Fehlen will der engagierte Nationaltrainer aber nicht voreilig als Nachteil gewertet wissen. „Ich“, so Matthäus, „gehe die Partie optimistisch an.“