Hertha-Coach Babbel

"Ich würde wahnsinnig gern bei Bayern arbeiten"

Hertha-Trainer Markus Babbel spricht mit Morgenpost Online über den Anspruch der Hauptstadt, seine Ziele für die neue Saison und einen großen Traum.

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Nach der Mission ist vor der Mission für Markus Babbel (38). Erst schaffte der Trainer von Hertha BSC mit dem Hauptstadtklub den Wiederaufstieg in die Bundesliga, nun muss er die Klasse halten. Für dieses Ziel lässt er seine Spieler derzeit im Trainingslager in der Schweiz schwitzen.

Morgenpost Online: Herr Babbel, Ihre Mannschaft hat fünf Vorbereitungsspiele bestritten, davon zwei verloren: Wie weit ist Ihr Team?

Markus Babbel: Da, wo ich es erwartet habe. Die Mannschaft hat 14 Tage sehr hart trainieren müssen. Wir ziehen das Programm durch, von dem wir überzeugt sind, dass wir es für die Bundesliga brauchen. Dabei nehme ich auf Vorbereitungsspiele wenig Rücksicht. Vom Kaliber her sind Young Boys Bern, Grasshopper Zürich und der FC Basel (0:3) eigentlich zu früh. Aber so haben alle 90 Minuten Wettkampf-Power reinbekommen. Ich weiß, dass nach 50, 60 Minuten alle beißen mussten. Das hat die Mannschaft sehr gut gemacht, ungeachtet der Resultate.

Morgenpost Online: Sie haben auf die Frage nach den Saisonzielen gesagt, dass Sie den DFB-Pokal gewinnen und aus den ersten drei Bundesliga-Spielen neun Punkte holen wollen. Bundesweit ist das übersetzt worden mit: Kaum aufgestiegen, spucken die Berliner schon wieder große Töne.

Babbel: Nein, die Frage war ja anders. Ich kann doch nicht zum ersten Auswärtsspiel nach Hamburg fahren mit der Prämisse: Mit einem Punkt oder einer knappen Niederlage könnte ich leben. Wir sind Sportler und ich erwarte von meinen Jungs, dass wir dort gewinnen wollen. Das sehe ich auch im Pokal so. Was schlussendlich dabei rauskommt, werden wir sehen.

Morgenpost Online: Die Bundesliga war in der Vorsaison sehr ausgeglichen...

Babbel: ...eben drum. Wir wissen, dass es extrem schwer wird, Spiele zu gewinnen und die Punkte zu sammeln, um am Ende die Klasse zu halten.. Aber egal, ob der erste Gegner Meuselwitz heißt, wie im Pokal, oder Bayern München – diese Spiele wollen wir gewinnen.

Morgenpost Online: Hertha hat vier Neue geholt . Im Tor kämpfen Maikel Aerts, Sascha Burchert und Zugang Thomas Kraft . Ist das Rennen um die Nr. 1 schon entschieden?

Babbel: Nein. Alle drei machen einen sehr guten Eindruck. Maikel und Sascha merkt man an, dass sie sich sehr gut vorbereitet haben. Die wussten, da kommt einer. Das hat auch Thomas gemacht. Mir gefällt, was bei den Torhütern passiert.

Morgenpost Online: Im Vorjahr kam rund die Hälfte des Kaders außer Form ins Training zurück.

Babbel: Die Jungs haben kapiert, dass sie im letzten Jahr Bockmist gebaut haben. Alle haben gearbeitet im Urlaub, auch Ronny und Raffael. Auf jeder Positionen wussten die Spieler, dass da Neue kommen. Sie sind diesmal viel besser vorbereitet angetreten. Deshalb konnten wir jetzt härter trainieren, weil die Fitness entscheidend sein wird, um in der Bundesliga zu bestehen.

Morgenpost Online: Sie haben für die Abwehrzentrale Maik Franz geholt, aber gleich am ersten Trainingstag gesagt, dass Innenverteidiger Andre Mijatovic Kapitän bleibt. Haben Sie Bedenken, dass das Thema ‚Spielt der Kapitän oder sitzt er auf der Bank’ ein Dauerbrenner wird?

Babbel: Überhaupt nicht. So wie Andre sich hier präsentiert, hat er allergrößte Chancen zu spielen. Er trainiert gut, macht einen unglaublichen positiven Eindruck. Das, was er im Vorjahr angefangen hat, setzt er nahtlos fort. Er spricht viel mit den Jungs und hilft den Neuen. Mein Eindruck ist: Andre ist 31 Jahre und genießt jede Minute, die er in der Bundesliga dabei ist.

Morgenpost Online: Sie sind ein junger Trainer und gehen jetzt bei Hertha zum ersten Mal in ein zweites Jahr. Erweitern sich dadurch, die Möglichkeiten, Einfluß zu nehmen, eine Mannschaft zu entwickeln?

Babbel: Michael Preetz und ich arbeiten sehr eng zusammen. Das Schöne ist, ich habe einen Sportdirektor, der selbst gespielt hat. Er kommt nicht nur von der kaufmännischen Seite. Wir tauschen uns offen aus. Wenn man, wie ich tagtäglich mit der Mannschaft arbeitet, kommt er mal und schaut mit einer gewissen Distanz und sagt, wo es noch hakt. Das hilft mir, damit ich nicht betriebsblind werde und das eine oder andere überdenken kann. Wir würden gern langfristig arbeiten, aber wir wissen beide, dass in diesem Geschäft der Erfolg zählt. Es ist ein Wunschdenken, eine Ära wie Thomas Schaaf oder Otto Rehhagel hinzubekommen. Michael und ich wissen, dass die Bundesliga schwierig wird. Wir haben den Aufstieg geschafft. Aber das ist vorbei. Jetzt werden wir am Neuen gemessen.

Morgenpost Online: Wo braucht Hertha noch mehr Qualität, um in der Bundesliga zu bestehen?

Babbel: Das ist schwer zu beantworten. Weil die letzte Saison gezeigt hat, dass es keine Sicherheiten gibt. Als Außenstehender fand ich im vergangenen Sommer, dass Mönchengladbach vieles richtig gemacht hat – dann wären sie beinahe abgestiegen. Bei Hannover war der Eindruck, dass es schwierig werden könnte – dann spielen die bis zum Ende um die Champions-League-Plätze. Auch Nürnberg, Mainz und Freiburg haben eine herausragende Saison gespielt. Das muss uns Mut geben. Nehmen wir uns das als Vorbild, was möglich ist, wenn wir es schaffen, als Team aufzutreten, konzentriert zu sein und die Disziplin hochzuhalten. Andrerseits gibt es warnende Beispiele: Was dem VfB Stuttgart passiert ist, Schalke, Wolfsburg und auch Frankfurt. Felix Magath sagt ja nicht umsonst, dass die Bundesliga die stärkste Liga der Welt ist. Weil sie so ausgeglichen ist.

Morgenpost Online: Nicht alle Spieler, die bei anderen Vereinen gut waren, bestehen in Berlin.

Babbel: Wir sind halt nicht irgendein Klub. Wir sind der Hauptstadt-Klub. Wir sind Hertha BSC. Das war einer der Gründe, warum der Verein 2010 abgestiegen ist. Weil die Erwartungen, der Druck größer sind als in Nürnberg, Mainz oder Freiburg. Es gibt positiven und negativen Druck. Einen, der beflügeln kann – oder eben blockieren. Ich bin selbst gespannt.

Morgenpost Online: Ihnen ist es als Trainer wichtig, die Mannschaft nicht zu verlieren. Aber am Ende des Tages sind Sie Vorgesetzer und entscheiden, wer spielt und wer nicht.

Babbel: Entscheidend ist, wie wir miteinander umgehen. Im letzten Jahr war ich sehr offen und ehrlich. Ich habe immer klar gesagt, wo ich einen Spieler gerade sehe. Weil mir früher die Trainer gefallen haben, die ehrlich waren. Was bringt es mir, wenn der Vorgesetzte sagt: Super trainiert, bist ein Klassetyp – und dann sitze ich auf der Tribüne. Damit kann ich nichts anfangen. Ich sage, wo sich die Spieler verbessern können, damit sie daran arbeiten. Davon abgesehen bin ich Profi – und das erwarte ich auch von den Jungs. Jeder von uns hat einen Vertrag bei Hertha BSC unterschrieben. Der gilt nicht nur, wenn es läuft, wenn du Stammspieler ist und alles wunderbar ist. Der Vertrag gilt auch für den Fall, dass es mal nicht so läuft. Dann muss ich auch Profi sein. Letzte Saison haben wir das gut hinbekommen. Es haben auch namhafte Spieler wie Raffael mal auf der Bank gesessen und trotzdem die Mannschaft unterstützt.

Morgenpost Online: Seit Franz Beckenbauer gesagt hat, der Babbel Markus ist einer, der das Zeug für einen Bayern-Trainer hat, gibt es kein Interview, in dem Sie darauf nicht angesprochen werden. Amüsiert Sie das?

Babbel: Wenn Franz Beckenbauer so etwas sagt, schmeichelt das natürlich. Um zu den Bayern zu kommen, muss man was vorweisen. Daran arbeite ich. Und mache kein Hehl daraus: Ich habe 16 Jahre für den Verein gespielt, Bayern ist einer der am besten geführte Vereine in Europa, da würde ich wahnsinnig gern mal arbeiten. Aber Fakt ist: Ich habe Vertrag in Berlin, ich fühle mich wohl bei Hertha. Wir wollen diesen Verein dahin entwickeln, wo sich jeder sieht: nach oben.