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Bad Boy Maik Franz – "Ich spiele fast foulfrei"

Verteidiger Maik Franz spricht im Interview mit Morgenpost Online über Härte im Fußball, sein schlechtes Image, Fehler und die Ziele von Hertha BSC.

Foto: Bongarts/Getty Images / Bongarts/Getty Images/Getty

Maik Franz gehört zu den eher seltenen Profis der Fußball-Bundesliga, denen ihr Ruf vorauseilt, noch ehe sie irgendwo angekommen sind. Der „Bad Boy“, der „Iron-Maik“, der Mann, der „die Fairness mit großen Schuhen tritt“, wie jüngst Thomas Schaaf, Werder Bremens Trainer, über den kompromisslosen Innenverteidiger schimpfte.

Bundesligaaufsteiger Hertha BSC hat den 29 Jahre alten Franz für drei Jahre verpflichtet, nach dem Motto: „So einen Typ hast du lieber bei dir in der Mannschaft, als dass du gegen ihn spielst.“ Franz, der ablösefrei von Bundesligaabsteiger Eintracht Frankfurt nach Berlin gekommen ist, weiß um seinen Ruf. Aber er geht damit ziemlich entspannt um, wie er im Trainingslager in Oberstaufen/Allgäu erzählt.

Morgenpost Online: Herr Franz, können Sie das Wort „polarisieren“ noch hören?

Maik Franz: Es wird oft mit mir in Verbindung gebracht. Ich habe mich damit abgefunden, positiv wie negativ. Ich mache das, wofür ich da bin, und versuche meine Aufgaben zu erfüllen. Ich war in den vergangenen Jahren beim Karlsruher SC und bei Eintracht Frankfurt. Dort waren sie mit meiner Arbeit im Großen und Ganzen zufrieden. Die Fans auch. Aber ich weiß um die negative Seite. Deshalb glaube ich, dass das Bild, das sich von mir gemacht wird, vor allem im Auge des Betrachters liegt.

Morgenpost Online: Wie viel haben Sie zu dem Image des Bad Boy beigetragen, wie viel die Medien und wie viel die Schiedsrichter?

Franz: Die Schiedsrichter gar nichts, die sind immer objektiv. Irgendwie hat sich das innerhalb weniger Wochen entwickelt. Wir hatten 2006/2007 ein sehr gutes Jahr mit Karlsruhe, wo wir aufgestiegen sind. Wir waren selbstbewusst. 2008 gab es dieses extrem aufgeheizte Spiel gegen den VfB Stuttgart, wo mich Mario Gomez, der das heute wahrscheinlich auch nicht mehr hören kann, hinterher als „Arschloch“ bezeichnet hat. Direkt danach war das Frankfurt-Spiel mit Ioannis Amanatidis und Markus Weissenberger. Als dann noch Felix Magath kam mit Grafite und dem VfL Wolfsburg – von da an war das ein Selbstläufer. Seither stecke ich in den Medien in der Schublade als Rüpel und Rowdy.

Morgenpost Online: Zu Recht?

Franz: Es klingt vielleicht kurios: Aber ich spiele fast foulfrei. Ich mache im Schnitt zwei oder drei Fouls. In der Foulstatistik liege ich im unteren Mittelfeld.

Morgenpost Online: In der vergangenen Saison haben Sie bei 25 Einsätzen 13 Verwarnungen kassiert. Wie stellen Sie Ihr Spiel darauf ein?

Franz: Ja, bei mir kommt die Gelbe Karte mal schneller. Das ist aber nicht schlimm, weil ich weiß, dass ich insgesamt ohne Fouls auskommen sollte. Wer genau hinschaut, sieht, dass ich niemand bin, der kreuz und quer über den Platz grätscht, um Leute umzutreten. Ich spiele wenig foul, aber manchmal lässt sich das nicht vermeiden. Machen wir uns nichts vor: Als Verteidiger musst du auch mal Zeichen setzen und – wenn es nicht läuft – dazwischen fegen.

Morgenpost Online: Sie sind aber öfter dabei, wenn rabiat diskutiert wird.

Franz: Ich habe einen Gerechtigkeitssinn. Wenn mein Kollege von einem Gegenspieler den Ellenbogen absichtlich ins Gesicht bekommt, dann regt mich das auf. Das sage ich dem Gegner und auch dem Schiedsrichter, weil ich meinen Mitspieler schützen will. Aber ich lerne dazu und weiß, dass das nicht meine Aufgabe ist.

Morgenpost Online: Wie sehr nervt Sie Ihr Ruf?

Franz: Ich habe das ins Positive gewendet. Die Fans in Karlsruhe haben mal ein riesiges Transparent in der hektischen Phase entrollt „Bleib bei deiner Linie – ‚Iron Maik’“. Seither habe ich diesen Spitznamen. Mittlerweile heißt meine Homepage auch so. Und ich sage mir: Besser du hast ein Image, als dass du als farbloser Profi durch die Bundesliga gehst.

Morgenpost Online: Sie hatten nach Eintracht Frankfurts Abstieg andere Angebote – etwa vom 1. FC Köln und vom VfL Wolfsburg. Warum haben Sie sich für Hertha BSC entschieden?

Franz: Ich wollte unbedingt zu einem Traditionsklub. Hertha ist ein großer Verein. Die Verantwortlichen mit Manager Michael Preetz und Trainer Markus Babbel haben sich sehr bemüht. Und Berlin fühlt sich für mich einfach gut an.

Morgenpost Online: Einer der Gründe, warum die Berliner Sie haben wollten, war: Der Franz ist ein Typ. Davon gibt es nicht so viele in der Bundesliga. Was ist für Sie ein Typ? Und: Zählen Sie sich zu dieser Kategorie?

Franz: Ein Typ wirst du nicht durch große Sprüche. Ein Typ wirst du auf dem Platz, wenn du deine Aufgabe erfüllst und Verantwortung übernimmst. Ich finde es wichtig, sich in schwierigen Situationen zu wehren oder unangenehme Sachen mal anzusprechen. Ich will das bei Hertha aber so halten wie in Karlsruhe und Frankfurt: Ich will am Anfang den Ball flach halten und mit Leistung überzeugen. Aber in so einer Medienstadt wie Berlin ist das nicht ganz so einfach. Trotzdem: Auch bei Hertha BSC wird niemand Führungsspieler, indem er kommt, die Hand hebt und sagt: „Ich bin jetzt da, und von jetzt an läuft das so, wie ich das sage!“

Morgenpost Online: Zumal die Spieler bei Hertha ebenfalls selbstbewusst sind, sie sind Zweitliga-Meister geworden.

Franz: Hertha hat eine sehr erfolgreiche Saison gespielt, hier sind gute Spieler. Ich muss mir mein Standing erst noch erarbeiten.

Morgenpost Online: Ein anderes Klischee über Sie lautet: Der Franz kann sich zwar Respekt verschaffen, aber gar nicht Fußball spielen.

Franz: Ich weiß, dass mir das manche absprechen. Aber ich bin beidfüßig. Ich kann den Ball auch mit dem linken Fuß über 30 Meter passen, und er kommt an, wo er hin soll. Ich habe eine hohe Passsicherheit. Aber klar mache ich auch mal einen Fehler. Wäre das nicht so, würde ich für Real Madrid oder den FC Barcelona spielen.

Morgenpost Online: Gleich zum Trainingsstart hat Trainer Markus Babbel bekanntgegeben, dass Andre Mijatovic Hertha-Kapitän bleibt. Er ist neben Roman Hubnik Innenverteidiger und spielt auf exakt Ihrer Position. Ist der Weg in die Startelf für Sie als Neuen dadurch länger geworden?

Franz: Ich war nach einem Fußbruch elf Wochen verletzt, bin erst seit einer Woche im Training. Wir haben noch vier Wochen Vorbereitung. Und wir brauchen einen sehr guten Kader, um in der Bundesliga zu bestehen. Es reicht nicht, wenn du zwei oder drei Innenverteidiger hast. In Frankfurt vergangene Saison waren drei Manndecker gleichzeitig verletzt - das war am Ende nicht aufzufangen. Klar haben wir hier einen Konkurrenzkampf. Ja, ich will spielen. Aber wir sind hier keine Konkurrenten, die kein Wort miteinander reden. Wir sind eine Mannschaft. Andre und Roman waren brutal wichtige Spieler vergangene Saison. Deshalb glaube ich nicht, dass es Probleme geben wird. Wir wollen den Erfolg – und da sind wir Kollegen.