Olympia in Pyeongchang

Entscheidung aus Mitleid und wirtschaftlichem Kalkül

Mit der Wahl des südkoreanischen Pyeongchang anstelle von München wagt sich das IOC auf Neuland. Die Entscheidung birgt Risiken.

Nun darf Südkorea in knapp sieben Jahren also doch endlich e rstmals die olympischen Winterspiele ausrichten . Drei Anläufe in Folge waren dazu nötig – eine weitere Ablehnung der Kampagne Pyeongchangs durch das Internationale Olympische Komitee (IOC) hätte eine Brüskierung sondergleichen bedeutet. Seit rund zehn Jahren finanzieren die Koreaner schließlich das Geschäft mit den fünf bunten Ringen in beispiellosem Volumen mit. Samsung lässt grüßen!

Mit der Entscheidung für Pyeongchang und gegen München sowie Annecy wagt sich das IOC auf Neuland. Das birgt Risiken. Erst zweimal fanden Winterspiele überhaupt in Asien statt, jeweils in Japan. Tradition bietet Pyeongchang wenig, dafür bemühte artifizielle Wintersport-Romantik, die auf Expansion weit über die Region hinaus ausgelegt ist.

Die Herren der Ringe werden mithin dem Vorwurf begegnen müssen, ihr zweites Premiumprodukt nach den Sommerspielen aus wirtschaftlichem Kalkül vergeben zu haben – und vielleicht ein wenig auch aus schlechtem Gewissen gegenüber den beharrlichen Südkoreanern.

München hatte in den vergangenen Monaten nach der Demission des vermeintlich hochgelobten Geschäftsführers Willy Bogner, Disputen um Grundstücke in Garmisch-Partenkirchen und mauen Umfragewerten einen bemerkenswerten Endspurt hingelegt.

Die bajuwarische Kampagne wäre zweifelsohne die berechenbarere gewesen: Unter Athleten ist München äußerst beliebt, auch viele heutige IOCler, die schon die Sommerspiele 1972 in der Stadt als Aktive oder Funktionäre erlebt haben, schwelgen noch immer – trotz des Terrors seinerzeit – in Nostalgie. Die Deutschen, heißt es, die können Olympia. Nun müssen sie weiter darauf warten.