WM-Viertelfinale

Frankreich besiegt im Elfmeterschießen England

Im dritten Elfmeterschießen bei einer Frauen-WM haben die Französinnen die besseren Nerven bewiesen. Dabei gelang ihnen erst in der 88. Minute der Ausgleich.

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Frankreichs Fußball-Nationalspielerinnen weinten vor Glück, bei den Engländerinnen flossen dicke Tränen der Enttäuschung. Faye White, der im Elfmeterschießen die Nerven versagt hatten, kauerte wie ein Häufchen Elend auf dem Rasen in Leverkusen, hielt sich die Hände vors Gesicht und haderte mit dem Schicksal.

„Wir sind überglücklich. Wir haben sehr gut gespielt, wurden aber erst in der Schlussphase belohnt. Ich weiß, wie man sich fühlt, wenn man im Elfmeterschießen verliert. Ich habe Mitleid mit meiner englischen Kollegin“, gestand Frankreichs Coach Bruno Bini.

Auf der Gegenseite war Trainerin Hope Powell bitter enttäuscht: „Meine Spielerinnen sind am Boden zerstört. Allerdings hatte Frankreich auch eine größere Qualität. Wir haben uns ins Elfmeterschießen geschleppt und haben dann leider verloren."

Nachdem der Vize-Europameister im Spiel als auch im Elfmeterschießen so gut angefangen hatten, stand am Ende eine 3:4-Niederlage im Shootout. Nach 120 Minuten hatte es 1:1 (1:1, 0:0) gestanden.

Da die englischen Frauen aber ihren männlichen Pendants auf der Insel im Elfmeterschießen in nichts nachstanden, warten die Three Lions weiter seit 37 Jahren auf einen Erfolg gegen die Französinnen. Les Bleues siegten am Ende verdient und treffen am Mittwoch (18.00 Uhr) in Mönchengladbach auf den Gewinner des am Sonntag stattfindenden Duells zwischen Vize-Weltmeister Brasilien und Olympiasieger USA.

Jill Scott (59.) hatte England überraschend in Führung gebracht, Elise Bussaglia traf zum Ausgleich (88.). Die Equipe Tricolore, die am Dienstag in Mönchengladbach gegen die deutschen Weltmeisterinnen 2:4 den Kürzeren gezogen hatte, dürfte allerdings in der Verfassung des Spiels gegen die Britinnen nicht chancenlos in der Vorschlussrunde sein.

Das Team zeigte große Moral und hätte vor dem Elfmeterscheißen schon für die Entscheidung sorgen müssen. Die Französsinnen waren über weite Strecken spielbestimmend, gingen allerdings mit ihren Chancen zu leichtfertig um.

Für die erste Aufregung im Viertelfinale sorgten vor 26.395 Zuschauern in der Leverkusener WM-Arena die Engländerinnen. Nach 15 Sekunden wurde Torjägerin Kelly Smith steil geschickt, sie spielte Torhüterin Celine Deville aus und schoss auf das leere Tor, doch wurde ihr Versuch von Innenverteidigerin Laura Georges noch abgeblockt.

Danach nahmen die Französinnen, die mit fünf Spielerinnen von Champions-League-Sieger Olympique Lyon in der Anfangsformation angetreten waren, allerdings das Heft in die Hand. Die Spielerinnen von Trainer Bruno Bini war technisch weit überlegen. Angetrieben von den Spielmacherinnen Camille Abily und Louisa Necib wurde ein Angriff nach dem anderen von Frankreich initiiert.

Die Britinnen wirkten hölzern und statisch, die Abwehr hatte vor allem mit der quirligen Angreiferin Marie-Laure Delie ihre liebe Mühe. Die 23-Jährige aus Montpellier stellte die englische Elf immer wieder vor große Probleme. Sie war ein steter Unruheherd.

Zudem versuchte Frankreich immer wieder durch Fernschüsse zum Erfolg zu kommen. Abily (4.) schoss aus 25 Metern über das Tor, Gaetane Thiney (25.) fand aus 17 Metern in Keeperin Karen Bardsley ihre Meisterin. Necib (30./37./65.) versuchte es ebenfalls aus der Distanz, allerdings ohne Erfolg. Delie (48.) vergab freistehend.

Die Offensivaktionen der Three Lions waren lange ohne Überraschungsmoment vorgetragen. Mit „kick and rush“ wurde operiert, dabei mit Pässen in die Tiefe immer wieder Kelly Smith gesucht. Die Abwehr Frankreichs stand allerdings sicher. Das Gros der englischen Elf bildeten Spielerinnen aus Everton und Arsenal. Jill Scott erlöste ihre Mannschaft zunächst mit dem Tor zum 1:0, ehe die Französinnen kurz vor Schluss der regulären Spielzeit der Ausgleich gelang.

Die Mannschaft von der Insel war sehr mäßig ins Turnier gestartet und hatte sich erst am letzten Vorrundenspieltag durch ein 2:0 gegen Japan aufhorchen lassen.