Fussball-WM 2011

England schlägt Japan und steht im Viertelfinale

Die Engländerinnen finden immer besser ins WM-Turnier. Zum Abschluss der Vorrunde bezwang das Team von Trainerin Hope Powell die Japanerinnen.

Foto: Getty Images/Getty

Ayumi Kaihori, die Torfrau von Japans Nationalmannschaft, ist die zweitlängste Spielerin ihres Teams. Doch das nützte ihr am Dienstag im Duell mit England auch nichts mehr, denn diesen Platz erreicht man im Kader des Olympia-Vierten schon mit einer Körpergröße von 1,70 Metern.

Die 24-Jährige segelte in der 15. Spielminute zwar höchst elegant, aber vergeblich durch die Augsburger Luft, nachdem Ellen White den Ball von der Strafraumkante in Richtung japanisches Gehäuse getreten hatte.

Der Schuss war weder besonders platziert, noch bemerkenswert hart – dennoch flog er zum 1:0 über die Keeperin hinweg ins Netz. Er war einfach zu hoch für Ayumi Kaihori. Mit dem 2:0 (1:0)-Sieg sicherte sich England den Gruppensieg vor Japan , Mexikos 2:2 gegen Neuseeland interessierte allenfalls noch die Statistiker der Fußball-WM 2011 .

„Wir haben das japanische Spiel erstickt. Die Spielerinnen haben sich die Lunge aus dem Leib gerannt“, sagte Englands Trainerin Hope Powell. „Das war eine Lektion für meine Spielerinnen“, sagte Japans Trainer Norio Sasaki, betonte aber: „Wir wollen immer noch ins Finale dieser WM kommen.“

Sasaki hatte die Partie im Vorfeld zur Generalprobe für das Viertelfinale am Sonnabend erklärt. Die Asiatinnen waren mit zwei Siegen aus den ersten beiden Partien schon vor dem abschließenden Gruppenspiel für die K.o.-Runde qualifiziert.

Man wolle daher gegen das englische Team testen, wie man sich mit der eigenen, technisch anspruchsvollen Spielweise gegen athletische Mannschaften aus Europa behaupten könne: „Schließlich treffen wir im Viertelfinale auf jeden Fall wieder auf einen Konkurrenten aus Europa.“ Unter diesem Gesichtspunkt ist die Generalprobe am Dienstag gründlich misslungen.

Japan war zwar die meiste Spielzeit in Ballbesitz und erspielte sich die Mehrzahl der Chancen – in den entscheidenden Zweikämpfen fehlte ihnen jedoch oft die Robustheit in der Auseinandersetzung mit den Engländerinnen.

Nach diesem Muster fiel auch das 2:0 für die Britinnen: White machte der eingewechselten Rachel Yankey den Weg zum Tor frei, indem sie mit ihrem Körper gleich zwei japanische Verteidigerinnen blockte. Die Stürmerin vom FC Arsenal hatte aus kurzer Distanz wenig Mühe (66.).

Ausgerechnet ein japanischer Journalist hatte Englands Trainerin Hope Powell bei der Pressekonferenz vor dem Spiel den Weg zur siegbringenden Taktik gewiesen. „Wenn ich Sie wäre, würde ich meine Spielerinnen die ganze Zeit hohe Flanken schlagen lassen, um die körperlichen Vorteile auszunutzen“, hatte der Kollege aus Japan gesagt. Powell hatte anerkennend genickt: „Vielen Dank. Genauso machen wir es.“

Offenbar fand die Taktikbesprechung im englischen Team erst nach besagter Pressekonferenz statt, denn genau diese Strategie schien Powell ihren Spielerinnen vorgegeben zu haben: Die meisten Angriffe der Engländerinnen, die bei der Europameisterschaft im vergangenen Jahr erst im Finale der deutschen Mannschaft unterlegen waren, begannen mit weiten Bällen aus der Defensive.

Vorne lauerten mit White und Rekordtorjägerin Kelly Smith (43 Treffer für England) zwei gefährliche Angreiferinnen. White scheiterte kurz vor der Pause mit einem sehenswerten Fallrückzieher; in dem Fall reichten Torhüterin Kaihori ihre 170 Zentimeter, um den Ball mit den Fingerspitzen an die Latte zu lenken.

Warum Gruppensieger England vor dem Spiel noch um die Qualifikation für das Viertelfinale hatte bangen müssen, veranschaulichte die Arbeit der eigenen Viererkette. Obwohl alle vier Spielerinnen die japanischen Angreiferinnen mindestens um einen Kopf überragten, brach nach Ecken und hohen Flanken stets Chaos im englischen Strafraum aus.

Die größte Chance war ein Kopfball von Kozue Ando (35.), die das Luftduell aus mysteriösen Gründen für sich entscheiden konnte –sie misst nur 1,65 Meter. Yuki Nagasato, die seit einem Jahr beim deutschen Meister Turbine Potsdam spielt, verpasste kurz nach der Pause völlig freistehend den Ausgleich (48.).

Diejenigen der 20.777 Zuschauer, die in Erwartung der nächsten kapitalen Fehlentscheidung der Schiedsrichterin in die Augsburger WM-Arena gekommen waren, gingen enttäuscht nach Hause. Nachdem am Sonntag die ungarische Unparteiische Gyoengyi Gaal ein drei Sekunden währendes Handspiel einer Abwehrspielerin aus Äquatorial-Guinea übersehen hatte, war eine heftige Debatte über die Qualität der Leistungen der Schiedsrichterinnen bei dieser WM losgebrochen.

Von Hellmut Krug („Frage des Niveaus“) dem Schiedsrichter-Beauftragten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) bis hin zu Mario Basler („Besser als Verstehen Sie Spaß?“) hatten alle vermeintlichen Experten ihre Meinung zu dem Thema kundgetan. Die Kanadierin Carol Anne Chenard steuerte gestern ihren ganz eigenen Beitrag zur Diskussion bei: Sie leistete sich abgesehen von einer Fehlentscheidung bei einem Eckball keinen gravierenden Fehler.