DFB-Frauen

So wird Birgit Prinz zum Problem für Silvia Neid

214 Länderspiele, 128 Tore – aber bei der WM läuft es nicht. Stürmerin Birgit Prinz hinkt ihrer Form weiter hinterher. Viele Chancen wird sie nicht mehr bekommen.

Zwei Spiele haben Deutschlands Fußballfrauen bei dieser WM nun bestritten, zwei Siege haben sie gefeiert und sind so schon vorzeitig für das Viertelfinale qualifiziert – die Mission Titelhattrick ist also voll auf Kurs. Entsprechend zufrieden könnten alle sein.

Eine ist das aber ganz und gar nicht: Die ewig muffelige Birgit Prinz kommt dieser Tage noch eine Spur nörgeliger daher, und mit ihrer Unzufriedenheit gerät sie in erster Linie zum Problem für Bundestrainerin Silvia Neid .

Es ist alles an sich ja nur allzu verständlich: Da ist diese über ein Jahrzehnt hinweg weltbeste Stürmerin, die in ihren nun 214 Länderspielen stolze 128 Tore erzielt hat. Aber nun will sie das Tor einfach nicht mehr treffen, längst hat die Misere dramatische Ausmaße angenommen.

Im November 2010 hat Prinz letztmals eigene Tore bejubeln dürfen, gleich deren zwei waren es beim 8:0 im Freundschaftsspiel gegen – Nigeria. Auf denselben Gegner traf Deutschland nun im zweiten Gruppenspiel der WM-Vorrunde. Wie immer mit Prinz in der Startelf, und mag die auch betonen, dass ihre Rolle ja „schon seit ein paar Jahren eine andere“ sei, ist es so einfach eben doch nicht.

Von einer Prinz erwartet die Öffentlichkeit Tore, Tore und noch mal Tore. Aber de facto hat sie wieder nicht getroffen, die Minuten summieren sich, der Frust nimmt zu. Bei ihr, bei den Fans.

Was aber tun mit einer, deren Verdienste um den deutschen Frauenfußball immens sind? Wie die Bundestrainerin es auch dreht und wendet, sie steht vor einer Entscheidung, die mehrheitlich Verliererrollen bereit hält. Sie weiß, ewig wird sich nicht an Prinz festhalten können.

Es steht bei dieser WM im eigenen Land viel zu viel auf dem Spiel – für Deutschland, auch für Neid. Genauso wenig kann die Bundestrainerin ihre Stoßstürmerin in jedem Spiel als Erste vom Feld holen – und jedes Mal noch ein paar Minuten früher. Auf deren 52 begrenzte sie gegen Nigeria die Einsatzzeit ihrer Nummer 9, und die fand das verständlicherweise gar nicht witzig. Schon gar nicht in Frankfurt, ihrer Heimatstadt.

Wird Prinz von Neid aber erstmals seit einer gefühlten Ewigkeit in einem wichtigen Spiel auf die Bank gesetzt, schlägt die Bundestrainerin damit zwangsläufig einen gewaltigen Klumpen aus dem ohnehin bröckelnden Denkmal von Deutschlands alternder Heldin. Und ein Joker ist Prinz ohnehin nicht.

Was also tun? Gegen Frankreich geht es kommenden Dienstag um den Gruppensieg. Die Konstellation der Tabelle in Gruppe A will es, dass Deutschland für Platz eins nur ein Sieg reicht. Dazu sind Tore nötig. Wenn Neid es Prinz nicht länger zutraut, solche herbeiführen zu können, muss sie reagieren.

Nur wen soll sie stattdessen bringen? Die Alternativen heißen Inka Grings und Alexandra Popp, beide sind gleichfalls noch ohne Tor bei dieser WM. Wie die Bundestrainerin Silvia Neid es also auch dreht und wendet: Ihr erstes großes Problem bei dieser WM heißt Birgit Prinz.