Dieter Hoeneß

Der Buhmann der VfL-Fans muss gehen

Dieter Hoeneß ist beim VfL Wolfsburg gescheitert. Nach dem vorzeitigen Abgang bei Hertha BSC in Berlin musste der Manager nun beim VfL Wolfsburg nach nur 15 Monaten gehen.

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Sein Büro will er noch ausräumen und sich von den Mitarbeitern auf der Geschäftsstelle verabschieden. Nach nur 15 Monaten ist Dieter Hoeneß (58) seinen Job als Vorstandsvorsitzender des VfL Wolfsburg wieder los. Geholt hatte der Werksklub aus Niedersachen Hoeneß im Januar 2010 als starken Mann. Er sollte den Verein langfristig aufstellen für den Anschluss an den europäischen Spitzenfußball. Gekommen ist es anders. Der Deutsche Meister von 2009 steht auf einem Abstiegsplatz.

Auf einer Aufsichtsratssitzung in dieser Woche war deutlich geworden, dass Hoeneß die Instrumente ausgegangen waren. Eine Frage lautete, welche Alternative es zu Interimscoach Pierre Littbarski gebe, der bisher vier Niederlagen bei nur einem Sieg vorweisen kann. Hoeneß, so wurde kolportiert, habe versichert, dass diese Mannschaft den Klassenerhalt schaffen werde, definitiv. Aktuell gäbe es keine Alternative zu Littbarski. Aber in der kommenden Saison solle Holger Stanislawski, derzeit beim FC St. Pauli angestellt, den VfL trainieren.

Hoeneß stand mit dem Rücken an der Wand. Alles schien sich gegen ihn verschworen zu haben. Da waren die Fans, die seit Wochen ihren Hauptschuldigen für die Krise ausgemacht hatten: „Hoeneß raus“ lauteten die Sprechchöre. Da waren die Negativschlagzeilen in der Presse. Die „Sportbild“ erschien diese Woche mit einem großen Hoeneß-Porträt und der Überschrift „Der Fehleinkäufer“.

63,1 Millionen Euro hatte der Manager investiert. Mit Armin Veh, Lorenz-Günther Köstner, Steve McClaren und Littbarski durften sich vier Übungsleiter versuchen. Aber Abstiegskampf war nicht der Grund, warum VW-Chef Martin Winterkorn und Francicso Javier Sanz, der Aufsichtsratsvorsitzende des VfL, Hoeneß geholt hatten.

Erwartet hatten sie einen Manager, der gut vernetzt ist und eine Nase für künftige Trends in der Branche hat. Doch Hoeneß brachte einen Pulk von alten Bekannten aus seiner Zeit bei Hertha BSC mit. Jochen Sauer, der als gelernter Jurist in Wolfsburg den „Leiter der Lizenzspielerabteilung“ gab. Rudi Woijtowicz wurde als Chefscout aus Berlin nachgeholt. Der ehemalige Hertha-Ostheopath, Thomas Sennewald, arbeitet nun auf Honorarbasis für den VfL. Als Co-Trainer wurde mit Eyjölfur Sverrisson ein einstiger Hertha-Recke verpflichtet. Sie werden zum Großteil mit Hoeneß gehen müssen.

Richtig in Bredouille kam Hoeneß indessen, als ihm im Abwärtstrend des VfL nur Lösungen einfielen, die er bereits in Berlin angedacht oder durchgeführt hatte. Lucien Favre, so ist zu hören, wurde ein Vertrag bis Saisonende angeboten. Aus Wolfsburg wird das dementiert. Kein Wunder, Favre hat sich für Konkurrent Borussia Mönchengladbach entschieden.

Ralf Rangnick, den Hoeneß zweimal zu Hertha hatte holen wollen, ihm im letzten Moment aber jeweils absagte, drehte diesmal den Spieß um. Hoeneß wähnte sich einig mit Rangnick, bis in die Details sei ein Vertrag ausgehandelt gewesen. Umso bitterer für den Wolfsburger Manager, dass Rangnick in dieser Woche kurzerhand auf Schalke anheuerte. Dass auch Hans Meyer, 2004 Retter bei Hertha, nicht aushelfen wollte, passt ins Bild.

Der Ausflug in die norddeutsche Tiefebene dürfte für den Berg-Liebhaber Hoeneß mehr als eine missratene Karriere-Station gewesen sein. Nachdem er Hertha hoch verschuldet zurückgelassen hatte, konnte er das viele Geld der Wolfsburger nicht in Zählbares ummünzen. In 13 Jahren in Berlin hatte der damalige Manager anfänglich viele richtige Entscheidungen getroffen und den Verein zukunftsfähig aufgestellt. Doch in Wolfsburg hatte er sich erneut nur mit Ja-Sagern umgeben. Die Branche hat sich weiterentwickelt.

Hoeneß hat beim VfL über reichlich Mittel verfügt. Allein hat er nicht den Eindruck vermittelt, als hätte er zeitgemäße Ideen. Nach dem schwachen Abgang in Berlin 2009 und dem Kurzausflug nach Wolfsburg ist fraglich, ob in Zukunft ein hochklassiger Verein sein Budget Dieter Hoeneß anvertrauen wird.