Strecken macht schlank, und wenn sich Dirk Nowitzki zum Korb hochschraubt, dann streckt er seine 2,13 Meter weit über ihre Maße. Nein, beim besten Willen – man sieht es ihm nicht an. Gut, er trägt beim Training zwei Shirts übereinander, das macht nicht jeder. Aber sieben Kilo weniger, das sollte man doch eigentlich sehen.

Nicht, dass er es nötig hätte, aber Deutschlands berühmtester Basketballer hat abgespeckt. Am Dienstag startet Nowitzki, 31, mit den Dallas Mavericks gegen Washington in seine zwölfte NBA-Saison. Nach einem Sommer, in dem er erstmals seit 2001 nicht für die Nationalmannschaft spielte, ist er so ausgeruht und fit wie nie zuvor. Und um sieben Kilo leichter. Er will noch schneller sein, wenn er nach der NBA-Championship greift.

„Wir haben den ganzen Sommer über an Dirks Gewicht gearbeitet“, sagt sein privater Trainer Holger Geschwindner, mit dem sich Nowitzki seit Anfang Juli auf die Saison vorbereitete. „Die Philosophie in der NBA ist, die großen Spieler für die Kämpfe unterm Korb stärker und stärker zu machen. Aber Dirk lebt von der Finesse und seinen technischen Fähigkeiten. Ich bin überzeugt: Der Basketball wird in den nächsten Jahren schneller und schneller. Da hilft jedes Kilo weniger.“

Mit der Verpflichtung von Forward Shawn Marion (31/2,01?m), der im Sommer einen mit 39 Millionen Dollar dotierten 5-Jahres-Vertrag in Dallas unterschrieb, haben die Mavericks diesen Trend zu mehr Speed vorweggenommen. Mit ihm, einem schlankeren Nowitzki, Spielmacher Jason Kidd und dem extrem vielseitigen Josh Howard, der sich noch von einer Fuß-OP erholt, werden die Mavericks so schnell sein wie nie zuvor. „Wie Shawn das Feld rauf und runter läuft, ist wirklich unglaublich“, sagt Geschwindner, der seit vergangenen Dienstag in Dallas ist. „Jason Kidd hat jetzt für seinen ersten Pass immer eine Option.“ Kidd selbst sagt: „Shawn wird Dirk helfen. Dirk werden sich viele Freiräume bieten, wenn Shawn mit auf dem Feld steht.“


Darauf freut sich Nowitzki schon jetzt: „Mit ihm zusammen zu spielen, macht Spaß. Mit Shawn werden wir mehr schnelle Punkte machen, Körbe, für die wir nicht so hart arbeiten müssen.“ Mit Marion und ohne erhebliche Verletzungen könnten die Mavericks, nachdem sie in den letzten drei Jahren in den Play-offs jeweils frühzeitig scheiterten, diese Saison ähnlich stark aufspielen wie 2005/2006, als sich Nowitzkis Team erst im Finale Miami geschlagen geben musste.

Allerdings haben sich nicht nur die Mavericks verstärkt. Gerade jene Teams, die vergangene Saison um den Titel spielten, sorgten im Sommer mit spektakulären Transfers für Aufsehen. Meister Los Angeles Lakers verpflichtete „Bad Boy“ Ron Artest. Der Forward, 29, war 2004 der beste Verteidiger der NBA, wurde in der folgenden Saison aber nach einer wüsten Schlägerei auf dem Feld, an der auch Zuschauer beteiligt waren, für 73 Spiele und die Play-offs gesperrt. Artest unterschrieb bei den Lakers einen 5-Jahres-Vertrag über 33 Millionen Dollar.

Weit tiefer griffen die Orlando Magic in die Tasche, die letzte Saison im Finale den Lakers unterlagen. Vince Carter, 32, seit seiner Zeit bei den Toronto Raptors besser bekannt als „Air Canada“, wird in Florida in den nächsten drei Jahren 51,6 Millionen Dollar verdienen.

Der Liga-Koloss aber stellt sie alle in den Schatten. Shaquille O’Neal, 2,16 Meter groß und offiziell 147 Kilo schwer, der schon mit den Lakers (2000 bis 2002) und Miami (2006) viermal Meister war, bekommt nächste Saison in Cleveland 20 Millionen Dollar. Die Cavaliers erhoffen sich durch O’Neal trotz seiner 37 Jahre mehr Präsenz unter dem Korb. Die soll Superstar LeBron James, 24, helfen, Cleveland endlich zum Titel zu führen.

Cleveland und Dallas trafen während der Vorbereitung bereits zweimal aufeinander. Dirk Nowitzki (Jahresgehalt 19.795.714 Dollar) und LeBron James (15.779.912 Dollar) begegneten sich dabei allerdings nicht. Einmal gewann Dallas (93:82), einmal Cleveland (96:66). Dallas trat ohne Nowitzki, Kidd, Howard und Marion an. Kleine Poker-Spielchen, schon lange vor dem offiziellen Saisonstart am Dienstag. Entscheiden werden sie über Erfolg und Misserfolg in der kommenden Saison nicht.

Nowitzki ist schlank, ausgeruht und ehrgeizig. „Wir sind größer, schneller und athletischer geworden“, sagt er über seine Mavericks. Und über sich selbst: „Ich habe hart trainiert, um mir den Traum von der Meisterschaft zu erfüllen. Aber das Traurige ist: Du kannst Titel nicht planen. Entweder es passiert oder nicht. Am Ende brauchst du auch Glück. Alles was ich jetzt sagen kann, ist, dass wir eine gute Mannschaft haben. Wie weit es am Ende für diese Mannschaft ausgeht, werden wir sehen.“