Die Null muss stehen. Knurrte zu Beginn des Jahrtausends Huub Stevens, der den FC Schalke 2001 so nah an den Gewinn der Deutschen Meisterschaft führte wie kein anderer Trainer in den vergangenen 51 Jahren. Aus dem Munde Felix Magaths hat man den eingängigen Slogan des Schalker "Jahrhundertrainers" zwar noch nicht gehört, aber die Resultate seiner Mannschaft sprechen Bände.

In elf ihrer 20 Pflichtspiele (inklusive DFB-Pokal) spielten die Königsblauen zu null. Mit nur 13 Gegentoren stellen sie nach der Hinrunde – gemeinsam mit Herbstmeister Bayer Leverkusen – die erfolgreichste Defensivabteilung der Bundesliga. Seit November musste Torhüter Manuel Neuer lediglich noch zweimal hinter sich greifen.

Die sehr gute Abwehrbilanz greift allerdings zu kurz, um den überraschend starken Aufschwung unter Magath zu erklären. Denn auch am Ende der miserablen Vorsaison, als der Klub unter Fred Rutten und Mike Büskens als Tabellenachter die Teilnahme am internationalen Wettbewerb verfehlte, waren die Schalker in der Kategorie "wenigste Gegentore" führend in der Liga.

Die neue Qualität ist die außergewöhnlich hohe Effizienz in der Chancenverwertung. Magath lässt in Gelsenkirchen keinen schönen Fußball spielen, sondern erfolgreichen Fußball. Es ist die Kraft des Kollektivs, der Disziplin, der Schwerstarbeit, die Selbstsicherheit vor dem Tor gibt – und auch die fanatischen Zuschauer wieder geschlossen als zwölften Mann in die Mannschaft integriert hat.

Dass er die Schalker auf den zweiten Tabellenplatz geführt hat, ist mindestens so bewundernswert wie sein Gewinn der Meisterschaft mit dem VfL Wolfsburg in der Vorsaison. „34 Punkte, das ist etwas, was wir uns nicht einmal erträumt hatten", gab der stets betont realistische Magath nach dem 1:0 gegen Mainz zum Abschluss der Hinserie zu.

Denn anders als beim Spielzeug des Volkswagenkonzerns, muss der Trainer, Manager und Vorstand in Personalunion beim finanziell gefährlich klammen FC Schalke 04 Mangelwirtschaft betreiben. Doch während Fußball-Deutschland aufgeregt über einen eventuellen Lizenzentzug spekulierte, bewahrte Magath im chronisch chaotischen Schalker Umfeld die Ruhe. Er konzentrierte sich auf das Kerngeschäft, das am Saisonende mit dem Ergebnis "Qualifikation für den internationalen Wettbewerb" abgeschlossen werden muss, soll das Untergangsszenario nicht Realität werden.

Mit der Rekrutierung von jungen, der breiten Öffentlichkeit unbekannten Spielern wie Joel Matip (18 Jahre), Christoph Moritz, Levan Kenia, Lewis Holtby (alle 19), Carlos Zambrano, Jan Moravek (beide 20) und Lukas Schmitz (21) hat Magath aus der Not eine Tugend gemacht. Dass das funktionieren kann, weiß der 57-Jährige, seit er 2003 den am Abgrund schlingernden VfB Stuttgart des Gerhard Mayer-Vorfelder auf diese Weise sanierte. Es war Magaths Durchbruch zum Startrainer, kurz darauf folgte das Angebot des FC Bayern.

Dass einer seiner damaligen Stuttgarter Musterschüler genau jetzt zur Führungspersönlichkeit auf Schalke wird, kann kein Zufall sein. Der oft verspottete Torjäger Kevin Kuranyi, bereits seit 2005 in Gelsenkirchen, taugt als Beispiel dafür, dass Magath Spieler besser macht. Nicht nur physisch durch Medizinballtraining und Bergläufe, sondern auch psychisch durch Starkreden und Vertrauenschenken.

Dass Kuranys auslaufender Vertrag verlängert wird, hat Magath jedoch jetzt gerade aus verhandlungstaktischen Gründen öffentlich bezweifelt. Schalke muss sparen, kein Spieler ist unersetzlich. Der Star ist Magath.

Der starke Erfolgswille des Meistertrainers, der erst mittelfristig mit Schalke Titel zu gewinnen plant, hat sich offensichtlich schnell auf die Mannschaft übertragen. Gegen Herbstmeister Leverkusen machte sie in ein 0:2 wett, ebenso gegen den HSV, und auch beim FC Bayern verlor die Magath-Elf trotz Rückstand nicht. Das Derby in Dortmund gewann Schalke 1:0, seither ist der BVB mit sieben Siegen aus zehn Spielen ungeschlagen.

Dass Magath auch nach dem überzeugenden 2:0 in Bremen nicht von der Meisterschaft reden wollte, ist aber nicht nur seinem aus Wolfsburger Zeiten berüchtigten listigen Understatement geschuldet. Meisterlich herausgespielte Siege waren in der Hinrunde wirklich Mangelware.

Im Titelkampf kann Schalke höchstens als Außenseiter gelten. Diese Rolle allerdings spielt Magath am liebsten. Im saisonübergreifenden Bundesliga-Jahr 2009 haben seine Mannschaften übrigens 77 Punkte geholt.