Mindestens ein halbes Jahr lang wollte Dieter Hoeneß, der ehemalige Manager von Hertha BSC nichts mit Fußball zu tun haben. Golf spielen, Mountainbike fahren und vor allem Entspannen. Nun, nach sieben Monaten Auszeit seit seinem vorzeitigen Abschied von Berlins Bundesligist, drängt es den Mann mit der hohen Stirn zurück auf die große Bühne. Nach Hertha ist es jetzt der Deutsche Meister VfL Wolfsburg, dem Hoeneß auf die Sprünge helfen will. Der 56-Jährige wird in den kommenden Tagen vorgestellt und Mitte Januar seinen Dienst antreten. Er wird in der Hierarchie des Klubs über den Geschäftsführern Wolfgang Hotze und Armin Veh, der gleichzeitig Trainer ist, installiert als Vorsitzender der Geschäftsführung. Die gleiche Position hatte er auch in Berlin inne. Hoeneß ist damit nur dem Aufsichtsrat unterstellt.

Auf den ersten Blick scheint die neue Personalie eine entscheidende Schwächung Armin Vehs zu sein. Der arbeitete seit Sommer als Nachfolger des zum FC Schalke 04 gewechselten Meistertrainers Felix Magath in Doppelfunktion als Übungsleiter und Sportdirektor. Das soll auch so bleiben. Hoeneß spricht von „Verantwortung im sportlichen Bereich, allerdings klar abgegrenzt zu den Kompetenzen des Trainers“. Die Interpretation, wonach er als „Aufpasser für Veh“ geholt worden sei, „ist lächerlich und Kasperltheater“, sagte er Morgenpost Online: „Das ist der Versuch, Sieger und Verlierer in dieser Geschichte zu konstruieren. Eine Aufpasserrolle ist weder meine Aufgabe noch meine Denkweise.“

Veh hatte von sich aus schon im September um Verstärkung gebeten, um sich mehr auf die Arbeit mit der Mannschaft konzentrieren zu können, hätte sich für Hoeneß’ Inthronisierung aber einen günstigeren Zeitpunkt gewünscht. Der VfL verpasste das Achtelfinale der Champions League, ist im DFB-Pokal ausgeschieden und steht in der Liga auf Rang acht. Wohl deshalb sagte Veh noch in der Vorwoche: „Ein neuer Mann? Dann hätte ich ja total die Hose unten. Das geht doch nicht, das muss jedem klar sein.“ Dabei macht die Personalie für den VfL Sinn. Die Wolfsburger sind mit ihrer dünn besetzten Führungsspitze schon einmal auf die Nase gefallen. Als im Sommer Magath ging, hinterließ er ein Machtvakuum, das Veh nicht füllen konnte – weder im sportlichen Bereich noch in Sachen Ausstrahlung.

Darum wird mit Hoeneß eine weitere Führungsebene eingezogen. Aufsichtsratschef Francisco Javier Garcia Sanz erklärte ihn schon zum neuen Aushängeschild des Klubs: „Dieter Hoeneß soll als Vorsitzender der Geschäftsführung die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft des VfL Wolfsburg stellen und den Verein nach außen hin stärker repräsentieren. Von seiner Kompetenz und Erfahrung, die er in jahrelanger erfolgreicher Arbeit in der Bundesliga bewiesen hat, werden wir mit Sicherheit profitieren.“

Hoeneß ist nach seiner Auszeit voller Tatendrang. Ursprünglich hatte er erst im März eine neue Aufgabe annehmen wollen, doch erschien ihm die in Wolfsburg nun zu reizvoll, um den Zeitpunkt seines Wiedereinstiegs wie geplant aufrecht zu erhalten. Morgenpost Online sagte er: „Wolfsburg verfügt sowohl im Profi- als auch im Nachwuchsbereich bereits über gute Rahmenbedingungen. Und doch sind noch nicht alle Pfade ausgetreten, sondern gibt es dank eines starken Partners noch genügend Spielraum für Verbesserungen. Was Wolfsburg erreichen kann, hat man vergangene Saison gesehen. Ziel muss es sein, den VfL mittel- und langfristig fest in der Spitze der Bundesliga zu etablieren.“

Und obwohl es von seinem ehemaligen Lebensmittelpunkt Berlin aus mit dem ICE weniger als eine Stunde bis Wolfsburg wäre, wird der gerade erst weggezogene Hoeneß nicht etwa in die Hauptstadt zurückkehren. Er will sich „in Wolfsburg oder Umgebung“ ein hübsches Domizil suchen.