Morgenpost Online: Räikkönen Erster, Badoer Letzter. Die Baustellen bleiben trotz des ersten Saisonsiegs. Wo liegt das Problem?
Stefano Domenicali: Wir haben zuvor keine guten Startpositionen erreicht. Dann nützt es nichts, wenn man mit der Rennabstimmung gute Zeiten fährt. Wenn Räikkönen gleich nach dem Start nach vorn fährt, sieht man, was möglich ist.
Morgenpost Online: Ihr Chef, Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo, hat als Saisonziel den WM-Titel gefordert. Was ist schief gelaufen?
Domenicali: Wir haben das Ziel klar verfehlt, denn ich gehe davon aus, dass Jenson Button Weltmeister wird. Wir haben einiges gelernt.
Morgenpost Online: Was denn zum Beispiel?
Domenicali: Dass die Qualität des Autos alles ausmacht und wir, was Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit angeht, nicht gut genug waren. Der Einschnitt durch das neue Reglement war für uns schwieriger als für die Gegner. Darauf haben wir reagiert. Wir sollten für die nächste Saison besser aufgestellt sein. Und wir haben gelernt, dass sich die technische Entwicklung auf der Strecke abspielt und durch keinen Simulator ersetzt werden kann. Ferrari will das gemeinsam mit den anderen Teams so schnell wie möglich ändern. Schließlich hat Ferrari in den letzten Jahren versäumt, ein vernünftiges Nachwuchsprogramm für junge Fahrer zu installieren. Auch daran arbeiten wir.
Morgenpost Online: Weil Sie durch den Unfall von Felipe Massa mit Ihren Ersatzfahrern Luca Badoer und Michael Schumacher in Bedrängnis geraten sind?
Domenicali: Ja, wir haben da eine Schwachstelle.
Morgenpost Online: Wird Luca Badoer den verletzten Felipe Massa bis zum Ende der Saison ersetzen oder gibt es schon beim nächsten Rennen in Monza in Giancarlo Fisichella von Force India eine Alternative, wie in italienischen Medien spekuliert wird?
Domenicali: Wir werden erst in den nächsten Wochen wissen, wann Felipe wieder einsatzbereit ist, davon hängt alles andere ab.
Morgenpost Online: Wann erwarten Sie Felipe Massa zurück im Cockpit?
Domenicali: Das ist unklar. Wir müssen abwarten, wie schnell und gut er sich erholt. Im Moment unterstützen wir deshalb Luca mit allen Kräften.
Morgenpost Online: Reicht das aus?
Domenicali: Richtig ist, dass wir aktuell mit seinen Leistungen nicht hundertprozentig zufrieden sind, aber man muss seine Leistungen über einen längeren Zeitraum beurteilen. Ferrari kämpft in diesem Jahr um den dritten Platz in der Konstrukteurs-WM. Und das ist bei unserem jetzigen Leistungsstand eine schwierige Aufgabe.
Morgenpost Online: Warum?
Domenicali: Weil wir im Prinzip nur mit einem Auto fahren.
Morgenpost Online: Mit Kimi Räikkönen.
Domenicali: Richtig. Und wir haben dafür Gegner, die fast regelmäßig in die Punkte fahren: zwei Brawns, zwei Red Bull, zwei McLaren, dazu ein Renault und ein Williams. Sie können von keinem Fahrer erwarten, dass er in dieser Situation einen erfahrenen Weltklassepiloten wie Massa ersetzt.
Morgenpost Online: Trifft das auch auf Michael Schumacher zu?
Domenicali: Selbst für einen Fahrer wie Michael wäre es auf einem so schwierigen Kurs wie Valencia nicht einfach gewesen, bei seinem ersten Einsatz nach drei Jahren in die Punkte zu fahren. Aber Michael ist eben Michael. Ich vermute deshalb, er hätte sich mit seiner Erfahrung nach dem ersten Rennen gesteigert.
Morgenpost Online: Ist Schumachers Formel-1 Karriere definitiv beendet?
Domenicali: Vorausgesetzt, seine Verletzung heilt aus, wären wir froh, wenn er wieder für uns fahren würde. Man soll niemals nie sagen. Ich glaube, dass wir mit einem dritten Werksauto und mit einem Fahrer, der einen großen Namen hat, die Erwartungen des Publikums erfüllen können. Das wäre das, was die Formel 1 nach den vielen negativen Schlagzeilen braucht.
Morgenpost Online: McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh hat bereits verkündet, dass Alonso 2010 für Ferrari fährt.
Domenicali: Martin hat sich dafür entschuldigt. Wenn es von unserer Seite eine klare Position gäbe, würden wir das bekannt geben.
Morgenpost Online: So wie es aussieht, benötigt Ferrari im nächsten Jahr vier Autos: für Kimi Räikkönen, Felipe Massa – beide haben Verträge bis Ende 2011 – für Zugang Fernando Alonso und Michael Schumacher.
Domenicali: Keine Angst. Sie werden bald von uns hören, vor allem in Bezug auf das dritte Auto. Renault und McLaren unterstützen das Projekt ebenso wie wir.





