Am Tag danach war wieder alles friedlich. Werder Bremens Spieler hielten in einem Lokal ihre Weihnachtsfeier ab, und für eine besondere Atmosphäre sorgten die Kinder der Profis, die Gedichte vortrugen und musizierten. Ein Weihnachtsmann, der Geschenke verteilte, war natürlich auch da.

24 Stunden zuvor war es nicht so besinnlich zugegangen. Nach dem 0:2 (0:0) gegen Schalke 04 war das Team frustriert vom Platz geschlichen – es war die erste Niederlage des Pokalsiegers nach vier Monaten, 23 Partien hatte die Serie gehalten. Entsprechend frostig war die Stimmung: „Mir war klar, dass wir nicht unendlich unbesiegbar sind, aber ich hatte gehofft, dass wir durch diese Serie mehr Selbstbewusstsein haben“, resümierte Trainer Thomas Schaaf. Seine Mannschaft hatte sich fast willenlos ergeben. „Das hat mich enttäuscht“, pflichtete auch Manager Klaus Allofs bei.

Der Misserfolg deutete sich indes schon seit Wochen an, mehrmals schrammte Werder nur knapp an Pleiten vorbei. Bei den Unentschieden in Nürnberg Ende Oktober sowie gegen Wolfsburg vor zwei Wochen erzwangen die Hanseaten jeweils in der Nachspielzeit den 2:2-Ausgleich. Und bei den Punkteteilungen gegen Borussia Dortmund (1:1) Anfang November sowie in Köln (0:0) vor einer Woche bewahrten Werder-Torhüter Tim Wiese und sein Ersatzmann Sebastian Mielitz die Norddeutschen vor Niederlagen. „Es war nach diesen Spielen klar, dass wir bald fällig sind“, sagte Wiese, „wir waren in den vergangenen Wochen zu locker und müssen uns jetzt hinterfragen.“

Eine gewisse Sorglosigkeit stellte auch Sportdirektor Allofs fest. „Zu viel Lob bedeutet oft Gefahr“, sagte er nach dem 0:2, „jetzt wissen wir, dass wir noch viel lernen müssen, weil wir noch keine fertige Mannschaft haben.“ Besonders erregte ihn der Trikottausch in der Halbzeitpause zwischen Bremens Spielgestalter Mesut Özil und Schalke-Stürmer Jefferson Farfan: „Das ist albern und unprofessionell. Die Spieler müssen sich auf ihre Aufgaben konzentrieren und nicht darauf, mit wem sie ihr Hemd tauschen. Heutzutage ist es aber wohl so, dass Spieler deshalb 500 Trikots im Schrank haben.“

Der Misserfolg soll nun seine heilende Wirkung entfachen, damit Werder nicht den Anschluss an die Tabellenspitze verliert. Am kommenden Sonntag geht es gegen den punktgleichen Hamburger SV. „Da müssen wir uns aufrappeln und zeigen, dass wir wirklich da oben hingehören“, fordert Nationalspieler Per Mertesacker Wiedergutmachung.