"Auszeit"

Charlie Sheen hat den "Purple Heart"-Orden verdient

Schauspieler Sylvester Stallone wird in die Hall of Fame des Boxens aufgenommen. Jetzt muss US-Präsident Barack Obama handeln.

Die Inhaltsangabe eines Filmes hinterlässt in der Regel ja einen ähnlich bleibenden Eindruck wie die Gesichter der anderen U-Bahn-Fahrgäste morgens auf dem Weg zur Arbeit: keinen. In einem einzigen Fall macht mein Gedächtnis da eine Ausnahme. Vor einigen Jahren las ich in einem Videotext eine Zusammenfassung von, nun ja, besonderer Qualität.

Und die ging so: „Boxer Rocky (Sylvester Stallone) hat den Kampf des Jahrhunderts gegen Ivan Drago gewonnen, doch der Preis dafür ist hoch. Durch die Schläge des Gegners wurde sein Gehirn geschädigt. Sein Steuerberater kann ihn um sein ganzes Vermögen bringen. Rocky muss wieder ganz unten anfangen.“ Donnerlittchen, dachte ich damals, dumm gelaufen, Rocky.

Der grenzdebile Held Sylvester Stallone

Schlimm daran ist indes, dass der Film den gleichen Drang auslöste wie die Inhaltsangabe: fremdschämen. Dass Sylvester Stallone das Drehbuch zu „Rocky V“ selber geschrieben und in dieser peinlichen vierten Fortsetzung seiner mit einem famosen ersten Teil begonnenen Boxerfilmreihe erneut grenzdebil den Helden mimt, dafür sollten Drago und Konsorten ihn nachträglich versohlen.

Doch die Zeit ist gnädig, und in Erinnerung bleibt Stallone den meisten Menschen verständlicherweise lieber als juveniler Italienischer Hengst aus „Rocky I“. Wie sonst ist zu erklären, dass der Hollywoodstar 2011 neben u.a. Mike Tyson – weltbekannt in seiner Rolle als „Der Beißer“ – in die Boxing Hall of Fame aufgenommen wird?

Ungerecht ist das anderen Helden gegenüber schon – auch wenn einem das mit Stallones Gehirn und dem Geld natürlich leid tut. Ich fordere Barack Obama deshalb auf, Charlie Sheen 24 Jahre nach „Platoon“ schleunigst mit dem „Purple Heart“-Militärorden zu ehren! Schon allein deshalb, weil er keine Fortsetzung gedreht hat.