Portugal verspricht ein Fußball-Fest, die Nordkoreaner zittern vor staatlicher Strafe, die „Elefanten“ hoffen auf ein Wunder: Sportlich scheint die WM-Gruppe G vor dem letzten Spieltag entschieden, doch in beiden Partien ist für mächtig Zündstoff gesorgt.
Beim Spitzenspiel zwischen dem bereits für das Achtelfinale qualifizierten Rekord-Weltmeister Brasilien und der einstigen Kolonialmacht Portugal fällt das direkte Duell der Weltstars Kaka und Cristiano Ronaldo zwar aus, Portugals Trainer Carlos Queiroz verspricht den Fans für Freitag in Durban (16.00 Uhr/ARD und Sky live) aber dennoch ein Erlebnis.
„Beide Mannschaften sind in der richtigen Form, um der Fußball-Welt ein Spektakel zu bieten. Wir wollen diesmal auf jeden Fall verhindern, dass Brasilien trifft. Das ist eine Frage der Ehre“, sagte Queiroz.
Auf Torjäger Didier Drogba und ein Schützenfest hofft dagegen die Elfenbeinküste, die zeitgleich in Nelspruit (Einsfestival und Sky live) drei Punkte und neun Tore auf die Portugiesen gutmachen muss. „Wenn wir weiterkämen, wäre das ein echtes Wunder. Und nur Gott weiß, ob es so kommen wird“, sagte der Stuttgarter Arthur Boka: „Aber wenn Portugal 7:0 gewinnen kann, warum sollten wir das nicht auch schaffen können?“
Für die Nordkoreaner könnte eine weitere sportliche Demütigung indes schlimme Folgen haben. „Wenn sie verlieren, müssen sie büßen und werden zum Arbeiten in Kohlebergwerke geschickt“, sagte der aus dem Land geflüchtete Trainer Moon Ki-nam. In Südkorea wurde spekuliert, dass sich Machthaber Kim Jong-il persönlich in Taktikfragen eingeschaltet haben könnte, denn der offensive Auftritt gegen Portugal war eher untypisch für Trainer Kim Jong-hun. Auch über mögliche Strafen für die Versager wurde spekuliert – der Gefahr einer Gegendarstellung aus dem Geheimniskrämerland unterläuft ja niemand. „Noch haben wir die Chance, unsere ersten drei Punkte zu holen, und genau das werden wir versuchen“, sagte Stürmer Jong Tae Se.
Rein sportlich ist dagegen die Brisanz im Duell um den Gruppensieg. „Ich gehe nicht so weit und sage, Portugal ist heute stärker als Brasilien. Aber bei dem Duell kann man nicht vorhersagen, wer gewinnt“, sagte Eusebio, der auch in Südafrika jedes Spiel der Seleccao von der Tribüne aus verfolgt und beim Tor-Festival gegen Nordkorea bestens unterhalten wurde.
Der frühere Weltstar hatte 1966 beim bisher einzigen WM-Duell zwischen Portugal und Brasilien auf dem Platz gestanden. Portugal gewann 3:1, Pele und Co. wurden nach zuvor zwei WM-Titeln in der Vorrunde gestoppt.
Diesmal würde den Brasilianer ein Unentschieden für den Gruppensieg reichen. „Aber ein Sieg ist gut für das Selbstvertrauen“, sagte Kaka. Der muss seinem königlichen Klubkollegen Cristiano Ronaldo zwangsläufig zuschauen, weil er gegen die Ivorer eine Gelb-Rote Karte gesehen hatte. Die beiden Stars von Real Madrid stehen auch während der WM in Kontakt. Kaka: „Er hat mich angerufen und gesagt, dass mein Platzverweis ungerechtfertigt war.“
Auf dem Platz steht dagegen Champions-League-Sieger Lucio, der sein 15. WM-Spiel machen wird und damit Pele und Zico (beide 14) in der Rekordliste hinter sich lässt. Der ehemalige Bayern-Profi betont, was gegen Portugal gefragt ist: „In der brasilianischen Nationalmannschaft haben wir die Pflicht, jedes Spiel zu gewinnen. Wir spielen für die Ehre des brasilianischen Trikots und der Öffentlichkeit.“
Misstöne gibt es derzeit nur zwischen Brasiliens Nationaltrainer Dunga und den Medien. Der ehemalige Stuttgarter Bundesliga-Profi hat die „heilige“ Mixed Zone, wo das Heer der 400 brasilianischen Reporter nach dem Training mit Spielern sprechen konnte, abgeschafft. Auch die Exklusiv-Interviews des zahlenden TV-Rechte-Halters strich Dunga. Auf der Pressekonferenz am vergangenen Sonntag legte sich Dunga mit einem Journalisten des Medienimperiums O Globo an.
Amüsiert verfolgte dies ein ehemaliger Wegbegleiter. „Dunga, alter Partner, verliere nicht den Blick fürs Wesentliche“, sagte Romario, der mit Dunga 1994 Weltmeister geworden war.
sid/fb





