Der im Fußball-Wettskandal unter Manipulationsverdacht stehende frühere Profi des VfL Osnabrück, Marcel Schuon, hat nach Angaben seines Anwalts bei der Staatsanwaltschaft Bochum ausgesagt. „Er hat die Spielmanipulation mit einem Auftraggeber verabredet. Zur Manipulation ist es aber nicht gekommen“, sagte Anwalt Siegfried Kauder und bestätigte einen Bericht von „kicker Online“. Schuon habe während der Partie gegen den FC Augsburg (0:3) in der vergangenen Saison gemerkt, „dass er als Mittelfeldspieler alleine nichts ausrichten könne“. Da allerdings dennoch das gewünschte Ergebnis eingetreten sei, seien Schuon von seinem Auftraggeber die Wettschulden erlassen worden.

Damit habe sich Schuon der „Verbrechensabrede“ schuldig gemacht, sagte Kauder. Wegen seiner Aussage werde es allerdings nicht zu einer Hauptverhandlung kommen. Der Drittligist SV Sandhausen, sein derzeitiger Arbeitgeber, hat Schuon inzwischen entlassen. "Wir weisen diesen Skandal von uns", sagte Managaer Tobias Gebert.

Schuon habe bei der Staatsanwaltschaft seinen Auftraggeber angegeben, sagte Kauder. Von diesem habe Schuon vor dem Spiel gegen Augsburg ein subtiles Signal bekommen: „Das Spiel verliert ihr ja eh 3:0.“ Nach der Partie habe Schuon versucht, seinem Auftraggeber klarzumachen, dass er beim Manipulationsversuch gemerkt hätte, dass er das „nicht könne und nicht wolle“. Daraufhin habe dieser den Druck auf Schuon, so Kauder, mit den Worten „Glaub' bloß nicht, dass wir das Geld nicht kriegen“ erhöht.

Vor einem weiteren Spiel der Saison gegen den 1. FC Nürnberg (0:2) habe Schuons Auftraggeber das erneute Signal zur Manipulation gesandt, dabei sei allerdings das gewünschte Ergebnis nicht erreicht worden. Zu möglicherweise anderen in eine Manipulation involvierten Osnabrücker Spieler habe Schuon keine Angaben gemacht.

Während die europäische Fußball-Verband Uefa laut „Spiegel Online“ einen ukrainischen Schiedsrichter suspendiert hat, der persönlichen Kontakt zu einem Mitglied der Wettmafia gehabt haben soll, berichtet das ARD-Magazin „Fakt“, dass seit dem Hoyzer-Skandal 2005 von der Zweiten Liga abwärts mehr als 60 Fußballspiele manipuliert worden sein sollen.

„Das waren fünf Zweitligaspiele und dann ging es abwärts bis zur Oberliga. Zu circa 80 Prozent waren die Manipulationen erfolgreich, es ist so eingetroffen wie wir es auch haben wollten“, sagte ein Insider aus dem illegalen Wettgeschäft. Der Hamburger serbischer Herkunft war nach eigener Aussage jahrelang ein Gehilfe des vor einer Woche verhafteten Drahtziehers Ante S.. Auch er selbst habe Spieler zu Manipulationen überredet.

Besonders geschadet haben die Machenschaften der Wettmafia angeblich einem namentlich nicht genannten Absteiger aus der 2. Bundesliga im Jahre 2007. „Ein Verein ist dadurch abgestiegen, weil zwei Spiele hintereinander manipuliert worden sind, das sind minus sechs Punkte und das war kurz vor Schluss, also kurz vor Ende der Saison und dadurch ist der Verein abgestiegen“, sagte der Serbe gegenüber FAKT.

Unterdessen wollen die Spieler des vom Wettskandal direkt betroffenen Regionalligisten SSV Ulm wegen entgangener Prämien offenbar eine Zivilklage gegen die gekündigten Davor Kraljevic, Marijo Marinovic und Dinko Radojevic anstrengen. „Die sind kriminell. Wenn ich ihnen jetzt begegnen würde, wüsste ich nicht, was ich machen würde“, sagte Ulm-Keeper Holger Betz, der am Wochenende persönlich die Spinde der drei Ex-Mitspieler ausgeräumt und die Sachen an den Zeugwart übergeben hatte.

Die drei offenbar in den Wettskandal verwickelten Ex-Ulmer Kraljevic, Marinovic und Radojevic sollen einen direkten Draht zu dem inhaftierten Berliner Ante S., einem der Hauptdrahtzieher des Skandals, gehabt haben. Auf fünf bislang bekannten Konten von S. sollen Ermittler laut Informationen des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" 3,5 Millionen Euro gefunden haben.

„S. hat bei Live-Wetten auf Auswärtsspiele des SSV Ulm 1846 sehr hohe Summen gesetzt - und getroffen“, sagte Ulms Präsident Rene Mick der Südwest Presse. Betroffen sollen auch drei Spiele der aktuellen Saison sein. Demnach soll es beim 1:3 am 14. August beim SSV Reutlingen, beim 1:3 am 2. Oktober beim SV Darmstadt 98 und beim 1:3 am 18. Oktober beim SC Freiburg II zu wettbewerbswidrigem Verhalten gekommen sein.

Verdächtig sind zudem die letzten vier Spiele der vergangenen Saison, insbesondere das 0:3 vom 13. Mai bei Hessen Kassel. „Ich möchte nicht wissen, was sonst noch alles passiert ist und wann das Ganze angefangen hat. Es ist wie ein Stich ins Herz. Aber wir haben das Problem an der Wurzel gepackt und alles mögliche getan, um die Sache aufzuklären“, sagte Ulms Vorstand Mick.

Gravierende Konsequenzen müssen die Ulmer offenbar aber nicht befürchten. Eine Aberkennung von Punkten oder eine Versetzung in eine tiefere Spielklasse käme laut DFB-Statuten wohl nur infrage, wenn der Verein aktiv durch das Präsidium oder andere führende Vereinsmitglieder in die Manipulationen verstrickt wäre. Dies ist aber nicht der Fall, ermittelt wird nur gegen die gefeuerten Spieler. Sollten die Spieler der Manipulation überführt werden, drohen für aktive oder passive Bestechung Sperren von drei Monaten bis zu zwei Jahren.

dpa, sid/fb