Noch immer wartet Frank Rost auf ein klares Signal. Obwohl die Saison in sieben Spieltagen endet, ist die Zukunft des 37-jährigen Torwarts, dessen Vertrag beim HSV ausläuft, weiter ungeklärt. Auch der neue Vorstand mit Carl-Edgar Jarchow und Joachim Hilke sowie dem designierten Sportchef Frank Arnesen hat sich noch nicht bei Rost gemeldet.

Die Führung wartet ab, zumal sich Rost mit seinem legendären Wutausbruch nach dem 0:6 in München in der HSV-Chefetage nicht eben beliebt gemacht hat. Rost hatte den Kurs des damaligen Vorsitzenden Bernd Hoffmann scharf kritisiert und hinzugefügt, dass ihm jetzt der Abschied drohen könnte: "Dann sollen sie mich eben abfackeln."

Inzwischen deutet fast alles darauf hin, dass es in der Tat zur Trennung kommen könnte. Rost gilt zwar als Liebling vieler Fans, ist aber im Verein auch sportlich nicht mehr unumstritten. Nach Informationen des "Hamburger Abendblatts" gibt es daher den konkreten Plan, einen neuen starken Keeper zu holen, der mit Jaroslav Drobny um die neue Nummer eins im HSV-Tor kämpft.

Als aussichtsreichster Kandidat gilt Thomas Kraft, 22, vom FC Bayern. Wie das Abendblatt aus dem Umfeld des Rekordmeisters erfuhr, gab es schon erste Gespräche mit dem Keeper. In der Tat würde der Münchner exakt in das Raster passen, da der HSV ohne ein großes Transferbudget planen will. Kraft ist jung, extrem ehrgeizig und hat sogar dem immensen Druck bei den Bayern standgehalten. Völlig überraschend hatte Trainer Louis van Gaal Kraft nach der Winterpause zum Nachfolger von Hans-Jörg Butt erklärt. Kraft zeigte auch international seine Klasse, muss aber dennoch damit rechnen, dass er seinen Stammplatz wieder verliert.

Denn die Bayern setzen auf Nationaltorwart Manuel Neuer. Verständlicherweise spielt Neuer das Thema noch herunter, da er auf der Zielgeraden der Saison mit Champions League und DFB-Pokal-Endspiel nicht sein gutes Verhältnis zu den Schalker Fans riskieren will. Dennoch rechnen die meisten Experten damit, dass Neuer dem Münchner Lockruf erliegen wird. Einen unterschriftsreifen Vertrag hat er bereits vorliegen. Die Bayern sind auch bereit, eine hohe Ablöse für Neuer (Vertrag bis 2012) an Schalke zu überweisen. Sogar Butt ("Ich kann ihn mir hier gut vorstellen") riet seinem Klub öffentlich, sich den Schalker zu angeln.

Bei einer Verpflichtung Neuers würden die Bayern Kraft wohl kaum einen Stein in den Weg legen. Als Nummer zwei wäre der ehemalige U-16-Nationaltorwart schließlich ein potenzieller Unruheherd. Viele Bayern-Fans hatten in der Vergangenheit energisch für den Lokalmatador Kraft und gegen Neuer protestiert. Und auch für Kraft würde ein Wechsel Sinn machen – für ein Bankdrücker-Dasein ist er schließlich entschieden zu jung.

Und Frank Rost? Auch er könnte noch vom Start des Torwart-Karussells profitieren. Zwar schließt er trotz entsprechender Spekulationen einen Wechsel zum designierten Aufsteiger nach Berlin aus: "Ich werde definitiv nicht in der Bundesliga wechseln." Als einzige Ausnahme von dieser Regelung gilt aber Rosts ehemaliger Arbeitgeber Schalke. Und dort könnte ja bald wieder ein Platz im Tor frei werden.