Frank Arnesen strahlt, als er den Rasen der Imtech-Arena betritt. Der 54 Jahre alte Däne ruft ein "Moin" in die Runde. Der künftige Sportdirektor des HSV, bis zum 30. Juni noch in Diensten des FC Chelsea, erzählt, dass er bei seinem dreitägigen Kurzbesuch in Hamburg einen Satz gehört hat, den man auch oft in seiner Heimat sagt. "Wir schnacken – das heißt hier und in Dänemark: Wir reden später weiter." Im Gespräch mit Morgenpost Online redet Arnesen tatsächlich ausführlich über den HSV.
Morgenpost Online: Herr Arnesen, haben Sie eine Wohnung in Hamburg gefunden?
Frank Arnesen: Ja, meine Frau Kate und ich werden in Eppendorf wohnen. Ich finde es ganz wichtig, dass wir uns so schnell wie möglich als Hamburger fühlen. Wir kannten Hamburg nicht, aber jetzt war ich zwei Tage hier und muss sagen: Es ist eine sehr, sehr schöne Stadt.
Morgenpost Online: Wie verlief Ihr Gespräch mit Trainer Michael Oenning?
Arnesen: Es war ein sehr langes, sehr interessantes und sehr gutes Gespräch. Für mich ist es wichtig zu wissen, wie die Leute hier denken. Und es ist wichtig für alle, die jetzt Verantwortung tragen, meine Gedanken zu kennen. Auch im Vorstand arbeiten sehr kompetente Leute, Carl und Joachim (die neuen Vorstandsmitglieder Carl Jarchow und Joachim Hilke, d. Red.), von denen ich einen fantastischen Eindruck hatte. Ich kann ganz beruhigt nach London zurückfliegen.
Morgenpost Online: Hat Oenning eine Chance, Trainer zu bleiben?
Arnesen: Dazu möchte ich nichts sagen. Was wir besprochen haben, bleibt unter uns. Wir sollten allerdings innerhalb eines Monats Klarheit haben, wer nächste Saison HSV-Trainer sein wird.
Morgenpost Online: Haben Sie schon besprochen, welche Spieler behalten oder abgegeben werden sollen?
Arnesen: Es wäre nicht korrekt, darüber jetzt öffentlich zu reden. Wir müssen weiter darüber sprechen und dann entscheiden.
Morgenpost Online: Als Sie den Vertrag mit dem HSV geschlossen haben, war Bernd Hoffmann noch Vereinschef. Bedauern Sie, dass er nun nicht mehr da ist?
Arnesen: Ich hatte in den Gesprächen einen sehr guten Eindruck von Bernd. Aber vom ersten Gespräch an wurde mir gesagt, dass etwas passieren kann. Deswegen war es für mich kein Donnerschlag, als er ging.
Morgenpost Online: Gibt es noch eine Chance, dass Sie vor dem 1. Juli in Hamburg anfangen?
Arnesen: Ich habe Roman Abramowitsch (Besitzer des FC Chelsea, d. Red.) im vergangenen Oktober gesagt, dass ich meinen Vertrag nicht verlängern möchte. Er hat gesagt, dass er dies bedauert und dass ich bis Vertragsende weiter in London arbeiten soll. Im Februar habe ich ihm gesagt, dass ich zum HSV gehe. Er hat gesagt: "Ein fantastischer Verein!" Aber für Hamburg hat er mich nicht freigegeben. Mein Rat wird dort noch benötigt.
Morgenpost Online: Ist Ihnen nicht ein wenig mulmig vor dem Schritt vom großen FC Chelsea zum kriselnden HSV?
Arnesen: Der HSV ist ein großer Verein mit einer großen Geschichte. Das kannst du nicht wegnehmen. Hamburg ist die zweitgrößte Stadt in Deutschland und besitzt enormes Potenzial. Natürlich haben wir nicht dieselben Möglichkeiten wie Chelsea. Aber ich habe auch zehn Jahre beim PSV Eindhoven erfolgreich gearbeitet und musste ans Geld denken.
Morgenpost Online: Sie bringen den Chefscout des FC Chelsea, Lee Congerton, mit. Was sind seine Qualitäten?
Arnesen: Lee ist meine linke und meine rechte Hand. Er ist besser als ich! Wir kennen uns zu 100 Prozent, und ich vertraue ihm. Er wird wichtig werden, nicht nur für mich, sondern für den ganzen HSV.
Morgenpost Online: Vier weitere Leute kommen mit aus London.
Arnesen: Chelsea wollte alle, die ich mitnehme, behalten. Aber ich habe sie für den HSV gewonnen. Mein Sohn Sebastian, der in Eindhoven lebt, wird sich als Scout um die Niederlande und Belgien kümmern. Bjarne Hansen ist der Experte für Skandinavien, der Dritte ist Jan Ricka, der frühere Trainer und Sportchef bei Slavia Prag. Dazu kommt noch ein Analytiker.
Morgenpost Online: Der HSV hat schon rund 20 Scouts. Was geschieht mit ihnen?
Arnesen: Niemand muss Angst um seinen Job haben. Die guten Leute, die hier sind, will ich überzeugen zu bleiben. Außerdem wissen sie im Moment viel mehr über Deutschland und die Bundesliga als ich. Aber: Wir müssen noch besser werden.
Morgenpost Online: Planen Sie eine Kooperation zwischen dem HSV und dem FC Chelsea und wollen Sie Spieler mitbringen?
Arnesen: Es kann sein, dass wir eine Kooperation machen können. Ich habe da ein paar Ideen. Was Spieler angeht, will ich grundsätzlich erst mit dem Trainer sprechen. Ich habe noch nie einen Spieler verpflichtet, ohne vorher mit dem Trainer darüber zu reden.



