Champions League

Das Duell mit Inter lässt Schalke von 1997 träumen

Das Viertelfinale gegen Inter Mailand weckt Erinnerungen an die größte Nacht der Vereinsgeschichte: Parallelen zur Triumphsaison 1997 befeuern den Optimismus.

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Am Ende heimsten die Sieger einen martialisch klingenden Spitznamen ein. Eurofighter wurden die Schalker Spieler nach dem sensationellen Triumph im Uefa-Pokal 1997 genannt, und bereits am Freitag überlegten etliche Fans in Gelsenkirchen wohl, wie sie ihre Helden künftig rufen dürfen, wenn in drei Wochen ein ähnlicher Coup gelingen sollte wie vor 14 Jahren. Im Champions-League-Viertelfinale trifft Schalke dann auf Inter Mailand, jenen Verein, den die Ruhrpotthelden nach zwei dramatischen Finalspielen inklusive Elfmeterschießen 1997 bezwungen hatten.

Manuel Neuer war zu jenem Zeitpunkt gerade einmal elf Jahre alt, aber die Erinnerung ist bei dem im Gelsenkirchener Stadtteil Buer geborenen Torhüter recht präsent gewesen nach der gestrigen Auslosung in Nyon. „Mit dem amtierenden Champions-League-Sieger haben wir ein Hammerlos erwischt. Aber vielleicht ist es ja ein gutes Omen, dass Schalke 1997 schon einmal im Mailänder San-Siro-Stadion erfolgreich war“, sagte Neuer. „Dass wir zunächst auswärts antreten, könnte ein Vorteil für uns sein.“

Und Mannschaftskollege Christoph Metzelder hatte wohl das Fanlied („Wir schlugen Roda, wir schlugen Trabzon, wir schlugen Brüüüüüügge sowieso, Valencia, Teneriffa, Inter Mailand, das war ’ne Show“) im Kopf, als ihm wegweisende Parallelen aus der Fußball-Historie einfielen: „Das Los ist eine sehr große Herausforderung, aber gleichzeitig auch ein sehr attraktiver Gegner. Was kurios und hoffentlich ein gutes Omen für uns ist: 1997, als Schalke den Uefa-Cup gewann, hießen die Gegner auf dem Weg zum Titel ebenfalls Valencia und Inter Mailand“, meinte der Innenverteidiger.



Unter der Rubrik „Kurioses“ dürfte gleichsam verbucht werden, dass Schalke in der Siegersaison 1996/97 mit ähnlichen Malaisen zu kämpfen hatte wie aktuell auch. Trainer Jörg Berger musste seinerzeit vorzeitig gehen, in der Bundesliga erreichte der Klub nur Rang zwölf, aber der neue, vermeintliche Konzeptcoach Huub Stevens („Die Null muss stehen“) führte den Jahrzehnte lang unter chronischer Titelarmut leidenden Verein auf Europas „kleinen“ Thron.

Dass jenes Unterfangen in der Königsklasse nun auch Ralf Rangnick gelingt, der Montag seinen Dienst als Nachfolger des geschassten Felix Magath in Gelsenkirchen antritt, ist angesichts der jüngsten Irrungen und Wirrungen allerdings mehr als fraglich.

Dankbar dürfte der unter der Woche zum Sportvorstand aufgestiegene Horst Heldt daher am Freitag vernommen haben, dass zumindest in finanzieller Hinsicht noch einmal eine große Einnahme ansteht, die angesichts der auf rund 70 Millionen Euro gestiegenen Personalkosten auch bitter benötigt wird bei den chronisch klammen Schalkern. „Wir müssen auch die Konsolidierung im Blick haben“, sagte Heldt und baute bei diesem Unterfangen auf den von ihm installierten Neuen. „Es ist ein Vorteil, dass wir jetzt schon einen Trainer haben, der über die Saison hinaus bleibt. Jetzt können wir schnell gemeinsam die Kaderplanung in Angriff nehmen.“ Zudem wolle er das zuletzt arg strapazierte Verhältnis zwischen Klubführung und Anhängerschaft verbessern. „Wir wollen wieder näher an die Fans heranrücken.“

Eine Neuauflage der erfolgreichen Eurofighter-Spiele wäre dabei sicher hilfreich, schließlich stand Schalke noch nie in einem Halbfinale der Champions League und könnte in den Duellen mit Inter erneut Geschichte schreiben. „Wir freuen uns auf diese große Herausforderung“, sagte Heldt. „Mit Wesley Sneijder und Samuel Eto’o hat Mailand zwei herausragende Spieler in der Offensive. Auf der anderen Seite ist das Team hinten aber auch verwundbar. Das müssen wir ausnutzen“, so Heldt vor den auf den 5. April (Hinspiel in Mailand) und 13. April terminierten Partien.

Das historisch fast überfrachtete Duell kaschiert allerdings nur unzureichend das schwache Abschneiden der Bundesliga-Klubs in diesem Jahr auf ihrer Mission durch Europa. Obwohl dank der Schwäche der italienischen Mannschaften in der Europa League der vierte Startplatz für die Champions League ab der übernächsten Saison zurückerobert wurde, liest sich die sportliche Bilanz bescheiden: Nach dem Ausscheiden von Bayer Leverkusen gegen Villarreal (1:2 nach dem 2:3 im Hinspiel) ist Schalke der einzige verbliebene deutsche Klub im internationalen Geschäft.

Ausgerechnet Schalke – schließlich stand der Klub zuletzt eher für die Emanzipation vom allmächtigen Trainer, kuriose Transfers und unseriöse Plaudereien aus dem sportlichen Führungszirkel. Dass all die Probleme nun durch den Abgang von Magath gelöst worden sind, bleibt anzuzweifeln. Co-Trainer Seppo Eichkorn, der das Team am Sonntag einmalig im Spiel bei Bayer Leverkusen betreuen wird, prangerte am Freitag auch eine falsche Kaderzusammenstellung an. „Die Mannschaft ist keine geschlossene Einheit. Es sind zu viele Spieler in der Mannschaft, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind“, sagte er. „Es ist nun Rangnicks Aufgabe, den Umbruch fortzuführen und sie zu stabilisieren.“