Trainerwechsel

Schalke bestätigt – Rangnick wird Magaths Nachfolger

Nun ist es offiziell: Ralf Rangnick kehrt nach gut fünf Jahren zum FC Schalke zurück und übernimmt das Amt von Felix Magath.

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Ralf Rangnick dreht auf Schalke eine Ehrenrunde. Einen Tag nach dem Rauswurf von Felix Magath präsentierten die Königsblauen am Donnerstagnachmittag den Rückkehrer Rangnick als neuen Trainer. Sportvorstand Horst Heldt, gerade erst zum neuen Manager befördert, machte sofort Nägel mit Köpfen und verpflichtete seinen Wunschkandidaten, der 2005 seine erste Amtszeit auf Schalke mit einer äußerst umstrittenen Ehrenrunde abgeschlossen hatte. Danach wurde er umgehend gefeuert und entschuldigte sich - sechs Jahre später erhält er eine neue Chance.

Rangnick war zuletzt am Neujahrstag bei 1899 Hoffenheim zurückgetreten und unterschrieb einen Vertrag bis 2014. Der 52-Jährige wird am Montag offiziell vorgestellt, bis dahin hat noch Magaths ehemaliger Co-Trainer Seppo Eichkorn das Kommando. Der Interimscoach sitzt aber lediglich beim Bundesliga-Spiel am Sonntag (15.30 Uhr/Sky und Liga total!) bei Bayer Leverkusen als Chef auf der Bank. In der Länderspielpause übernimmt Rangnick - am 1. April beim FC St. Pauli gibt er sein Comeback auf der Schalker Trainerbank.

Heldt, der nach Magaths Aus am Mittwoch dessen Manager-Aufgaben übernommen hatte, war vom Aufsichtsrat mit der Trainersuche beauftragt worden. Er entschied sich für eine große Lösung. „Mein Ziel war es, zeitnah einen Cheftrainer zu finden, der über die Saison hinaus für Schalke arbeitet“, sagte er: „Das hat den Vorteil, dass er in die Kaderplanung für die nächste Spielzeit eingebunden ist. Und er kann persönlich die aktuellen Spieler beurteilen. Eigentlich kann er nur gewinnen.“ Sogar seinen ersten Titel: Im DFB-Pokal-Finale gegen den Zweitligisten MSV Duisburg ist Schalke klarer Favorit, zudem stehen die Königsblauen im Champions-League-Viertelfinale - als letzter Bundesliga-Klub.“

Rangnick, der in Hoffenheim aus Frust über den Verkauf von Luiz Gustavo an Bayern München das Handtuch geworfen hatte, hatte nach seinem Rauswurf in Gelsenkirchen im Dezember 2005 stets betont: „Mein Herz hängt an Schalke.“ Er habe seine Aufgabe bei den Königsblauen nicht beenden können, sagte er mehrmals. Sein Abschied auf Schalke war kurios: Erst setzte er dem damaligen Manager Rudi Assauer wegen der offenen Vertragsverlängerung öffentlich ein Ultimatum, dann verzichtete er selbst, weil er die „Possenspiele“ leid war. Schließlich drehte er vor dem Spiel am 10. Dezember 2005 gegen den FSV Mainz 05 eine Ehrenrunde in der Schalker Arena - und wurde kurz darauf von Rudi Assauer entlassen.

Seine sportliche Bilanz konnte sich sehen lassen. Im Schnitt holte Rangnick 2,00 Punkte pro Spiel, führte Schalke mit „Spaßfußball“ zur Vizemeisterschaft 2005, ins Pokalfinale gegen Bayern München (1:2) und in die Champions League, in der die Gelsenkirchener knapp die K.o.-Runde verpassten. Nur mit Assauer, der ihn bei seiner Vorstellung „Rolf“ genannt hatte, kam Rangnick überhaupt nicht klar. Ein halbes Jahr später war auch die Zeit seines Widersachers auf Schalke abgelaufen.

„Ich wollte den besten Trainer bekommen, der sich mit dem Verein zu 100 Prozent identifiziert und die Werte des Vereins mitträgt“, sagte Heldt. Rangnick hatte schon bei seinem ersten Engagement auf Schalke immer wieder erklärt, er fühle sich als Arbeiterkind dem Traditionsklub aus dem Ruhrpott besonders verbunden.

Nach dem abrupten Ende der Ära Magath soll aber nicht nur der Trainer anders arbeiten. Auch Heldt hat andere Vorstellungen als sein Vorgänger. Vom Magathschen Ziel, in den nächsten zwei Jahren Meister zu werden, nimmt er Abstand: „Wir müssen uns davon verabschieden, permanent in irgendwelchen Zeitplänen zu denken mit dem Ziel, deutscher Meister zu werden“, sagte der 41-Jährige: „Für den Verein gibt es auch wichtige andere Ziele, zum Beispiel dass wir uns weiter wirtschaftllich konsolidieren.“ Natürlich müsse der „zweitgrößte Verein in Deutschland“ den Anspruch haben, „immer ein Wörtchen um die internationalen Plätze mitzureden“ oder „auch mal einen Titel zu gewinnen, aber mit der nötigen Balance.“

Heldt ließ offen, inwieweit der derzeitige Kader um Superstar Raul für die nächste Saison reduziert werden muss, um die hohen Personalkosten ohne erneute Champions-League-Teilnahme zu drücken. Wahrscheinlich müsse man die Mannschaft „um die eine oder andere Person“ reduzieren, sagte der ehemalige Bundesliga-Profi. Aufsichtsratschef Clemens Tönnies hatte am Mittwoch bei der Trennung von Magath angedeutet, dass die Kosten für die Profis nicht wie eigentlich geplant gesenkt worden seien.