Die Zeit der Skandale ist zu Ende. Hier und da wird das Böse noch zucken, doch ist mit der Wahl Jean Todts zum Präsidenten der Fia ein Stabilitätsprogramm für den Motorsport verabschiedet worden.

Seit vergangener Woche steht der französische Sohn polnischer Einwanderer an der Spitze des Automobil-Weltverbandes. Auch wenn sich Deutschlands ADAC gegen seine Wahl ausgesprochen hat und Todt ausgerechnet von den alten Machthabern Max Mosley und Bernie Ecclestone stark protegiert wurde – für die Formel 1 wird er sich als Segen herausstellen.

Ja, er kaut Fingernägel und hat sie deshalb – als er noch am Kommandostand das Zepter schwang – regelmäßig mit Pflaster umklebt. Ja, er hat sich damals, 2001 in Österreich, nicht besonders sportlich verhalten, als er Rubens Barrichello mit dem Satz „Let Michael pass for the championship“ einen verdienten Sieg zugunsten von Michael Schumacher entriss. Und ja, viele, die mit ihm in journalistischer Funktion zusammen arbeiten mussten, halten diesen Jean Todt für den Unangenehmsten, Arrogantesten und Besserwisserischsten, der ihnen in ihrer gesamten beruflichen Karriere je begegnet ist.

Aber hier geht es jetzt nicht mehr um Befindlichkeiten. Sondern um die Wahl des Besten für den Erhalt einer erfolgreichen Formel 1. Und der ist Todt. Sein Verhältnis zu den Teams, sagt er, werde von Harmonie geprägt sein. Die Brechstange ist nicht sein liebstes Werkzeug. Und das unterscheidet ihn elementar von seinem Vorgänger Mosley.

Es gibt wenige, die dem 63 Jahre alten Todt nicht zutrauen, den Riesendampfer Fia in ruhiges Fahrwasser zu führen. Zu erfolgreich war er. Im Rallyesport – zunächst als Copilot und später als Teamchef von Peugeot – hat er vier WM-Titel erfahren. Später war er 16 Jahre als Ferrari-Teamchef in der Formel 1 Architekt eines einzigartigen Erfolgsbauwerkes. Er lockte Ross Brawn und Michael Schumacher nach Maranello. Er verantwortete insgesamt 13 WM-Titel bei Konstrukteuren und Fahrern. Und seine Mannschaft stand immer bedingungslos hinter ihm.

Der Formel 1 konnte nichts Besseres passieren, als diese Wahl. Bonne chance, Monsieur Todt!

Peter Lauterbach (32) reist seit zehn Jahren mit der Formel 1 um die Welt und ist Reporter beim Pay-TV-Sender Sky. Er betrachtet jeden Montag die Formel 1 bei Morgenpost Online.