Der Weltmeister könnte glücklicher sein. Vorigen Sonntag vollendete Jenson Button, 29, das Kunststück, als abgeschriebener Formel-1-Pilot alle zu überraschen, als er in Sao Paulo den Titel gewann. In neun Jahren zuvor hatte es nur zu einem Grand-Prix-Sieg gereicht.

Trotzdem muss er gerade um einen neuen Vertrag pokern: Button hätte von seinem Team Brawn GP gern eine Gage im zweistelligen Millionen-Bereich jährlich, nachdem er zu Saisonbeginn etwa auf fünf Millionen verzichtet hatte, um seinen Arbeitsplatz nach dem Absprung des Honda-Konzerns zu retten. Doch man lässt ihn schmoren. „Brawn hätte sich vor Wochen mit Jenson einigen können“, klagt Buttons Manager Richard Goddard.

Seit Freitag träumt Großbritannien von einer Kooperation seiner Vollgashelden in der kommenden Saison: Button gilt als Anwärter für das freie Cockpit bei McLaren neben Vorjahres-Weltmeister Lewis Hamilton. Die Konzentration der Kräfte käme nicht ungelegen in der von der Finanzkrise mitgenommenen Hochburg des Motorsports: Während der Rennkurs in Donington gerade hochverschuldet die Segel streichen muss, müht sich auch Silverstone verzweifelt aber vergeblich, bessere Deals mit dem Formel-1-Boss Bernie Ecclestone nachzuverhandeln. Also steht im Rennkalender für 2010 noch ein Stern für die ungewisse Zukunft des Inselrennens. „Wir sind nicht bereit, Rabatte zu gewähren“, sagt Ecclestone, „brauchen wir einen britischen Grand Prix? Nein.“

So droht den Sonnyboy Button gerade sein Schicksal einzuholen. Dass der mit 20 Jahren als jüngster britischer Formel-1-Einsteiger gehypte Button nicht viel früher großes Talent mit großem Triumph in Einklang bringen konnte, lag vor allem an seinem Händchen für die falschen Entscheidungen: Nach dem guten Debüt bei BMW-Williams wechselte Button mal zu Benetton, mal zu Renault, zur Not kaufte er sich in seiner Verzweifelung aus einem Vertrag heraus, wenn sein Team ein absolut sieguntüchtiges Auto baute. Bei McLaren nun bestünde die Gefahr, hinter Liebling Hamilton als zweiter Mann behandelt zu werden.

Noch im Vorjahr hatte Button die Saison als 18. beendet. Als Hamilton in Interlagos triumphierend aus dem Auto kletterte, musste Button sein Cockpit in höchster Eile verlassen: Der Bolide brannte. „Das waren harte Jahre“, sagt er, „ich konnte keine Zukunft erkennen.“

Dann kam Ross Brawn, Buttons Erlösung. An der Seite Brawns reifte der Pilot mit dem Ruf eines Playboys, dessen Image mehr der Hang zu Partys prägte als sein hartes körperliches Training mit dem Faible für Triathlon. Zwar ist Button noch immer für die Kunststückchen eines großen Jungen gut, wenn er sich Gäste in seinen weißen BMW M5 lädt und dann in Monte Carlo an einer Tunnelstelle, die nicht von der Kameraüberwachung abgedeckt ist, Gas und Bremse gleichzeitig so kraftvoll drückt, dass der Geruch verbrannten Gummis ein triumphierendes Grinsen in sein Gesicht jagt, während dicke Rauchschwaden nach hinten abziehen. Doch seine Entschlossenheit bekommt an der Rennstrecke sogar der Manager Goddard zu spüren und abseits zur Not auch Teamsponsor Richard Branson: Als der Virgin-Chef allzu unverhohlen seine Chancen bei Buttons italienisch-japanischer Freundin Jessica Michibata auslotete, trichterte der Fahrer ihm unzweideutig die Erfolgsaussichten der Paarungsoffensive ein. Der höfliche Button weiß, was er will: „Wenn es geht, möchte ich mindestens bis zu meinem vierzigsten Lebensjahr Formel-1-Rennen fahren und noch viele Titel gewinnen.“

Barrichello machte am Schluss den besseren Eindruck

Obwohl Button seinen Titel zuvorderst in der ersten Saisonhälfte sicherstellte und anschließend mit seiner Erfahrung so sehr auf Verteidigung fuhr, dass Brawns zweiter Mann Rubens Barrichello zum Schluss den besseren Eindruck machte, herrscht auf der Insel kein Zweifel an der Weltmeister-Würdigkeit Buttons. Im Parlament jubelte gar der Abgeordnete Richard Burden aus Birmingham, Northfield: „ Button und das ganze Brawn-Team haben auf fabelhafte Art und Weise der ganzen Welt die exzellente Arbeit und das Können der Rennsportindustrie des Vereinigten Königsreich demonstriert.“

Womöglich fügen sich die Dinge dieses Mal sogar von alleine gut: Mercedes soll in Kürze als Mehrheitseigner bei Brawn einsteigen. Eilig dementierten die Schwaben schon Gerüchte über Buttons Wechsel zu McLaren. „Es gibt keine Verhandlungen, obwohl ich höre, dass die Leute in England von einem englischen Team mit zwei Weltmeistern träumen“, sagte Mercedes Motorsportchef Norbert Haug, „doch Träume werden nicht immer wahr.“