Hintergrund

Wie die Zocker-Mafia abkassiert

Das Wetten auf Sportereignisse ist weltweit längst zu einem Milliardengeschäft geworden. Schon 2005 wurden mehr als 175 Milliarden Euro durch Sportwetten umgesetzt. Inzwischen rechnen Experten mit einer Verdreifachung dieses Betrages. Fußballspiele haben dabei mittlerweile den klassischen Pferdewetten den Rang abgelaufen. Morgenpost Online beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema.

Foto: ddp / ddp/DDP

Wie ist der Wettmarkt in Deutschland organisiert?

Gezockt wird im Wettbüro oder – immer häufiger – im Internet. Um die immer größer werdende Anzahl der zumeist illegalen Wettanbieter im Internet einzudämmen, trat im Jahr 2008 der Glücksspielstaatsvertrag in Kraft. Dieser verbietet das Veranstalten und Vermitteln öffentlicher Glücksspiele im Internet auf deutschem Boden. Viele Wettanbieter im Netz haben ihren Firmensitz deshalb in so genannte Steueroasen wie Malta oder auch Gibraltar verlegt.

Einziger staatlich lizenzierter Wettanbieter ist Oddset. Aufträge können hier allerdings nur in den Lotto-Annahmestellen abgegeben werden. Weshalb es die immer größer werdende Gemeinde der Zocker ins Internet zieht. Kaum jemand schert sich darum, dass illegales Internet-Glücksspiel auch für das deutsche Publikum im Überfluss angeboten wird.

Wie und worauf kann im Internet gewettet werden?

Die Möglichkeiten für Fußballwetten sind riesig. Während sich der Zocker im Wettbüro im Vorfeld per Kreuzchen etwa auf den Sieger festlegt, hat er im Internet sogar die Möglichkeit auf laufende Spiele zu tippen. Dabei kann er nicht ?nur auf das nächste Tor, sondern zum Beispiel auch auf die nächste Rote Karte setzen oder die Anzahl der Einwürfe. Zudem können ?mehrere Spiele miteinander in den verschiedensten Möglichkeiten kombiniert werden.

Wie funktioniert die Manipulation bei Fußballwetten?

Durch die Flut von Einzelwettmöglichkeiten, die mit dem Endergebnis des Spiels nichts zu tun haben, sind der Manipulation Tür und Tor geöffnet. Um einen gewünschten Spielausgang zu erhalten, müssen jedoch Spieler in den kriminellen Plan eingeweiht, also bestochen werden. Dass vor allem Akteure aus den unteren Ligen, die nicht vom Millionenspiel Profifußball profitieren, empfänglich sind, liegt auf der Hand. Wer nur wenige Hundert Euro im Monat durch den Fußball verdient, kann sich seine Kasse durch Bestechungsgelder oder durch Beteiligung an den Wetten selbst aufbessern. Anders als in einer Einzelsportart wie zum Beispiel Tennis müssten neben dem Bestochenen allerdings weitere Mitspieler in den Betrug involviert sein. Die Gefahr, dass der bewusst verschuldete „Fehler“ von Teamkollegen wieder ausgebügelt wird, wäre sonst zu groß, ebenso die Gefahr, dass die Wetter dadurch ihren Einsatz verlieren.

Was wird gegen Manipulation im Fußball getan?

Seit dem Hoyzer-Skandal erhalten Spielerverträge in den Profiligen ein Wettverbot, zudem haben viele Wettanbieter ihre Maximaleinsätze und damit auch ihre Gewinnsummen reduziert. Des Weiteren achtet das Frühwarnsystem Sportradar auf ungewöhnliche Quotenänderungen. Wird kein erklärbarer Grund dafür gefunden, wird dies dem DFB oder der Uefa gemeldet. Ähnliches geschieht beim Frühwarnsystem EWS (Early Warning System) des Weltverbandes Fifa.

Das System lässt sich jedoch durch die Streuung der Wetteinsätze umgehen. Statt 150.000 Euro bei einem Anbieter werden einfach 300 Wetten à 500 Euro platziert. Dabei kommen Mittelsmänner zum Einsatz, derer sich natürlich auch Fußballprofis bedienen können, ohne selbst in Verdacht einer Wettaktivität zu geraten. Zum anderen werden die Partien in den unteren Spielklassen nicht durch Sportradar oder ein ähnliches System überwacht. fär