Fußball-Skandal

Berliner Wettpate steht wieder unter Verdacht

Der Berliner Ante S. war einer der Drahtzieher im Fußball-Wettskandal 2005. Nun sitzt er wieder in Haft. Denn Ante S. soll auch am aktuellen Wettskandal im europäischen Fußball beteiligt gewesen sein. Der scheint weit größeren Ausmaßes zu sein als der damalige Skandal um Schiedsrichter Robert Hoyzer. Unter anderem stehen drei Spieler des VfL Osnabrück unter Manipulationsverdacht.

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Der Wettskandal im Fußball zieht weitere Kreise: Inzwischen wurde ein Fußballer festgenommen - für die Ermittler kein Unbekannter. Eine Spur führt auch nach Berlin: Das Café King war bereits in der Hoyzer-Affäre Zentrum der Betrügereien.

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Neben Schiedsrichter Robert Hoyzer gerieten im deutschen Fußball-Wettskandal 2005 drei Brüder aus Berlin und das Kurfürstendamm nahe Café King in Charlottenburg ins Visier von Ermittlern und Medien. Ante S. und seine beiden Brüder wurden vor vier Jahren ebenso wie der Berliner Schiedsrichter vom Landgericht Berlin verurteilt. Der als mutmaßlicher Drahtzieher geltende Ante S. erhielt mit zwei Jahren und elf Monaten die höchste Haftstrafe und damit noch ein halbes Jahr mehr als Hoyzer.

Im Zusammenhang mit den Ermittlungen im neuen Betrugsskandal wurde Ante S. am Donnerstag in seiner Berliner Wohnung verhaftet. Noch am selben Tag wurde er nach Bochum zur Vernehmung gebracht und sitzt dort in Untersuchungshaft ein. Das bestätigte am Freitag der Anwalt von S., Stefan Conen. Der gebürtige Kroate S. steht im Verdacht, einer der Drahtzieher der jüngsten Manipulationen zu sein. Antes Bruder Milan S. wurde ebenfalls am Donnerstag in Berlin verhaftet und dort in Untersuchungshaft genommen.

Stefan Conen hatte Ante der S. schon 2005 im Prozess vor dem Landgericht Berlin vertreten. Der Anwalt wirft der ermittelnden Staatsanwaltschaft Bochum vor, den Zugang seines Mandanten zu einem Rechtsanwalt bei der Haftbefehlsverkündung hintertrieben zu haben. Sobald er Akteneinsicht erhalte, wolle er selbst nach Bochum reisen, kündigte Conen an.

Kampf gegen die Spielsucht angekündigt

Der mittlerweile 33-jährige Ante S. - mit dem Spitznamen „Navigator“ - hatte vor der Urteilsverkündung 2005 gelobt, seine Spielsucht zu bekämpfen. „Niemand kann sich vorstellen, was meine Mutter und ich in den letzten zehn Monaten durchgemacht haben. Diese zehn Monate sind der Grund, dass ich versuchen werde, nie wieder in eine solche Situation zu kommen“, sagte Ante S. vor vier Jahren.

Er entschuldigte sich auch bei seinen Brüdern, die ebenfalls verurteilt wurden, aber mit Bewährungsstrafen davonkamen. Die beiden Brüder erhielten Bewährungsstrafen von zwölf und 16 Monaten, die Bewährungsfrist betrug drei Jahre.

Auch an den gesamten deutschen Fußball hatte Ante S. eine Entschuldigung gerichtet. Er habe nicht die Dimension erkannt, die er ins Rollen gebracht habe. Der in Duisburg geborene S. kannte sich nicht nur gut in Europas Fußball-Ligen aus, sondern auch in anderen Sportarten. „Ich war einfach besser als die Buchmacher“, sagte er in Berlin.

Die erschlichenen Gewinne in Höhe von 1,8 Millionen Euro musste er nach einem Zivilprozess vor dem Landgericht bis zum 30. April 2008 an die Klassenlotterie Berlin zurückzahlen. Allein das von Hoyzer gepfiffene DFB-Pokalspiel zwischen dem SC Paderborn und dem Hamburger SV (4:2) brachte durch Kombinationswetten beim staatlichen Anbieter Oddset mehr als 700.000 Euro Gewinn ein. Hoyzer hatte erklärt, 67.000 Euro und einen Plasmafernseher für die Manipulationen erhalten zu haben.

Beobachter der Verfahren hegten damals Zweifel, ob das gesamte Ausmaß der Betrügereien an das Licht gekommen war und nicht auch andere Länder betroffen waren. Ante S. hatte erklärt, einen seiner Brüder mit einem Auftrag in die Türkei geschickt zu haben. Er sollte das Spiel der Süper Lig zwischen Ankaragücü und Galatasaray Istanbul beobachten, zuvor war ein Spieler von Ankara bestochen worden. Der Manipulationsversuch scheiterte aber, der erhoffte Wettgewinn von gut 636.000 Euro blieb aus.

Diesmal steht die Türkei im Zentrum der Manipulationsvorwürfe. Ganze 29 Spiele der ersten Liga sollen dort manipuliert worden sein. Und im Freundschaftsspiel zwischen dem Regionalliga-Club SSV Ulm 1846 und Fenerbahce Istanbul am 14. Juli 2009 soll es zu beeinflussungen gekommen sein.

Hoyzer sagte damals aus, im Auto der Brüder eine Liste der Europäischen Fußball-Union Uefa mit Namen von Schiedsrichtern schon vor der offiziellen Bekanntgabe ihrer Ansetzungen durch die Uefa gesehen zu haben. Ob Einfluss auf Europapokalspiele genommen worden sei, konnte Hoyzer damals nicht sagen. Er vermutete aber, Ante S. habe einen Kontaktmann in Griechenland gehabt.

Die Manipulationen in Deutschland waren durch Geständnisse unter anderem von Hoyzer und des ebenfalls verurteilten Schiedsrichters Dominik Marks bekannt geworden.