Magath-Nachfolger

Rangnick scheiterte schon mal am Schalker Chaos

Schalkes Ex-Coach soll den gefeuerten Felix Magath ersetzen. Im Dezember 2005 flüchtete er nach 16 Monaten: "Ich hatte von Anfang an keine Chance."

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Als Aufsichtsratschef Clemens Tönnies Mittwochvormittag eine Pressekonferenz abhielt und offiziell die Entlassung von Trainer und Manager Felix Magath verkündete, saß der Geschasste in München und wusste von nichts. Erst am Abend reagierte Magath und kündigte seinerseits seinen Anstellungsvertrag mit sofortiger Wirkung. Sein Medienanwalt Ralf Höcker sagte: „Herr Magath hat die unberechtigte und unwirksame Abberufung als Vorstand zum Anlass genommen, seinen Anstellungsvertrag mit sofortiger Wirkung zu kündigen. Herr Magath hat dem Verein die Kündigung bereits schriftlich erklärt.“

Fakt ist: Magath ist nicht mehr Trainer und Manager des FC Schalke 04. Der wohl absurdeste Rauswurf des an absurden Rauswürfen nicht eben armen Klubs ist vollzogen, das Erreichen des DFB-Pokalendspiels und des Viertelfinales der Champions League war ohne Bedeutung.

Am frühen Vormittag hatte der Aufsichtsrat des Vereines getagt. Magath war einbestellt worden, blieb der Sitzung aber demonstrativ fern. Tags zuvor war ihm eine Einladung zugestellt worden, die auf einen eindeutigen Verlauf der Veranstaltung hatte schließen lassen. Zwar werden die stichwortartig aufgelisteten Gesprächspunkte in Magaths Lager als wenig aufschlussreich und zum Teil sogar unverständlich beschrieben, doch an der Intention der Absender bestand kein Zweifel. An eine sachliche Anhörung war nicht zu denken, es wird intern sogar von einem Schauprozess gesprochen.

„Wir kennen die genauen Gründe der Kündigung nicht, sind aber sehr gespannt darauf“, sagte Medienanwalt Höcker. Auch Magath war ratlos: „Ich habe versucht zu erfahren, was mir konkret vorgeworfen wird. Bislang ist mir das nicht gelungen“, sagte er „Morgenpost Online“. Und der Mann, der Licht in das Dunkel bringen könnte, erging sich nur in vagen Andeutungen.

„Aus Sicht des FC Schalke 04 gibt es sehr gute Gründe für diese Trennung. Wir werden diese in der Öffentlichkeit nicht kommunizieren, weil nun ein juristisches Verfahren bevorsteht. Wir sehen diesem Verfahren sehr gelassen entgegen“, behauptete Tönnies und sprach von „einem Schlüsselerlebnis“, das seine Meinung zu Magath grundlegend verändert habe.

Auch dieses Erlebnis konkretisierte Tönnies nicht, er ließ aber durchblicken, dass Magaths Wirken auf Schalke keinesfalls zur Verbesserung der finanziellen Situation geführt habe, wie dieser immer betont hatte: „Wir haben Revision gemacht und festgestellt, dass die Dinge nicht so waren, wie man sie vorfinden müsste.“ Auf Nachfrage wurde er deutlicher: „Natürlich haben wir die Kosten zwischenzeitlich den sportlichen Rahmenbedingen angepasst. Aber dass die Kosten nachhaltig gesenkt worden seien, halte ich für die Aussage von jemandem, der vielleicht nicht ganz so genau hingesehen hat.“

Magath hatte in dieser Saison ein Transferminus von rund 18 Millionen Euro gemacht und diese mit den Zusatzeinnahmen aus der Champions League gerechtfertigt. Außerdem soll der Spieleretat in Magaths Amtszeit von 55 auf 70 Millionen Euro angewachsen sein.

Dass diese Zahlen den Aufsichtsrat überraschen, lässt diverse Schlüsse zu: Entweder hat Magath bewusst an dem Gremium vorbeigewirtschaftet – in diesem Fall stellt sich die Zusatzfrage, ob Sportdirektor Horst Heldt und Finanzvorstand Peter Peters ebenfalls nichts davon gewusst haben. Oder die Kontrolleure sind ihrer Funktion nur lax nachgekommen und wurden von den erhöhten Aufwendungen überrascht. Bei Ausgaben von über 300.000 Euro schreibt die Satzung vor, dass die Genehmigung des Aufsichtsrats eingeholt werden muss. Offenbar hat der Klub in dieser Klausel einen Ansatz gefunden, um Magath keine Abfindung zahlen zu müssen: Es handelt sich um rund zwölf Millionen Euro.

Zudem berichtete Tönnies, dass sich der Mannschaftsrat mehrmals über den Trainer und seine harte Gangart beklagt habe. Magath sei allerdings selbst nach einen Gespräch unter vier Augen nicht bereit gewesen, seine Methoden zu ändern. Daraufhin sei es zu einer „ziemlichen Auseinandersetzung zwischen uns“ gekommen, sagte Tönnies: „Ich habe ihm gesagt: ‚So funktioniert Schalke nicht. Man muss die Menschen mitnehmen.’“

Nun scheint alles auf ein gerichtliches Nachspiel hinauszulaufen – und auf eine Rückkehr zu alten Mustern. „Das ‚Modell Magath’ ist für uns nicht aufgegangen“, sagte Tönnies, „das künftige Modell wird wieder das herkömmliche sein.“

Ein Nachfolger scheint bereits gefunden. In Ralf Rangnick (52) kehrt aller Voraussicht nach ein alter Bekannter nach Schalke zurück. Das Management des ehemaligen Hoffenheimer Trainers bestätigte „Morgenpost Online“ bereits „weit fortgeschrittene Gespräche“. Auch Rangnick sagte: „Es gab Gespräche.“ Auf die Frage, wann eine Entscheidung über ein mögliches Engagement beim Bundesligisten fallen werde, meinte der 52-Jährige: „Das weiß ich nicht.“ Am Mittwoch leitete Magaths Co-Trainer Seppo Eichkorn das Training, er sitzt auch am Sonntag beim Spiel in Leverkusen auf der Bank.

Von September 2004 bis Dezember 2005 leitete Rangnick schon einmal die Geschicke des Klubs und wurde entlassen, nachdem er nach Dauerquerelen mit Manager Rudi Assauer seinen Abgang im Sommer bekannt gegeben hatte. Rangnick hatte sich damals beschwert, dass wiederholt Interna an die Medien gelangt waren. „Ich hatte von Anfang an auf Schalke keine Chance, Kontinuität und Ruhe in meine Arbeit reinzukriegen“, sagte er damals. Auf ein Neues!