"Lage der Liga"

Auch auf Schalke war früher nicht alles besser

Mit den Fans der Königsblauen scheint momentan die Sehnsucht nach der guten, alten Zeit durchzugehen: Vergangenheitsverklärung inklusive.

Sein Torwart bekam einen Klapps von ihm, das ist nach einem Spiel schon fast das höchste Lob, was Felix Magath zu vergeben hat. Er wusste, dass er Manuel Neuer einiges zu verdanken hat. Der Nationalkeeper rettete Schalke 04 mit Glanzparaden das 0:0 im Derby gegen Borussia Dortmund. Für Felix Magath bedeutet das eine Woche ruhigeres Arbeiten.

Unter der Woche waren die Anhänger auf die Barrikaden gegangen, der „Supporters Club“ forderte den Aufsichtsrat gar auf: „Stoppt diesen Irrsinn, der in den letzten Tagen auf Schalke eskaliert ist!“ Gemeint waren Magaths zahlreiche Transfers.

Die Sehnsucht nach der guten, alten Zeit scheint mit den Königsblauen derzeit durchzugehen. Natürlich kann man Magaths rasenden Ritt auf dem Transferkarussell kritisieren. Aber der Vorwurf, Schalke würde so seine Identität verlieren, ist so vage wie abstrus. Denn von welcher Identität reden wir hier? Plötzlich werden Spieler wie Kevin Kuranyi zu Identifikationsfiguren stilisiert, die noch vor Kurzem von den eigenen Fans ausgepfiffen wurden. Dass Schalke derzeit in der Liga meilenweit an den eigenen Ansprüchen vorbeirennt, ist offensichtlich und zu kritisieren. Aber bitte nicht mit Vergangenheitsverklärung.

Nicht nur auf Schalke ist die Gegenwart derzeit trist. Dass Dortmund mit dem 0:0 am Freitag seine Differenz auf die Konkurrenten noch ausbauen konnte, ist beschämend für Teams wie Bayern München (2:3 gegen Köln) und Bayer Leverkusen (0:1 in Nürnberg). Beide verloren gegen vermeintliche Abstiegskandidaten und können nicht mal einen Hauch von Spannung im Meisterrennen aufrecht erhalten.

Insbesondere bei den Münchnern wird in den kommenden Monaten intensiv darüber nachzudenken sein, wie dem Klassenprimus die Saison so derart entgleiten konnte. Trainer Louis van Gaal wird in dieser Analyse ein eigenes Kapitel gewidmet werden.