"Pulver im Kaffee"

Hoeneß lästert über Daums Comeback in Frankfurt

FC Bayerns Präsident wirft dem DFB Geldmacherei vor. Und Frankfurts Vorstandsboss Bruchhagen habe bei der Daum-Verpflichtung wohl "Pulver im Kaffee" gehabt.

Uli Hoeneß hatte sich fein gemacht. Entgegen seiner sonstigen Gewohnheiten trug der Präsident von Bayern München im Düsseldorfer Kulturforum zum Sakko sogar eine Krawatte. Doch auch im feinen Zwirn blieb Hoeneß herb: Im Laufe eines launigen Abends lief die berüchtigte „Abteilung Attacke“ des Fußball-Rekordmeisters zu Hochform auf. Ob Intimfeind Christoph Daum, der DFB oder Borussia Dortmund: Kaum ein Gegner kam ungeschoren davon.

Daums Comeback in der Bundesliga bei Eintracht Frankfurt führte Hoeneß in einem süffisanten Kommentar auf „Pulver im Kaffee“ des Eintracht-Bosses Heribert Bruchhagen zurück - angesichts von Daums Kokain-Vergangenheit eine sehr gewagte Aussage. Dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) warf Hoeneß wegen der Ansetzung von Länderspielen zu Testzwecken in der heißen Meisterschaftsphase Geldgier vor. Und Dortmund? Wird nicht Meister. Glaubt Hoeneß.

Kicks wie am Dienstagabend in Mönchengladbach gegen Australien könne sich der DFB schenken, sagte Hoeneß im Gespräch mit dem früheren Radioreporter Manni Breuckmann. „Das wird ja auch nicht gemacht, um zu testen. Sondern da gibt es fünf Millionen Euro für den DFB. Die bauen dann den siebten Silo (hier wohl: Geldspeicher, die Red.), laden uns aber nicht mal zur Grundsteinlegung ein.“ In der entscheidenden Phase der Saison müsse ein Testspiel nicht sein, schließlich gehe es in der Liga „um Meisterschaft und Existenzen“, sagte Hoeneß.

Außerdem bezweifelte er den Wert solcher Spiele generell. „Die Bundesliga ist auf dem Weg, die beste Liga der Welt zu werden. Die Spiele dort sind besser als jeder Test. Ein Trainingsspiel bei Bayern, Team A gegen Team B, ist besser bestückt als das Spiel gegen Australien“, sagte er.

Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff entgegnete am Dienstag, dass Testspiele „für die Entwicklung der Mannschaft und vor allem der jungen Spieler wichtig“ seien. Schärfer fiel die Reaktion von DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach aus: „Ich darf Hoeneß in aller Sachlichkeit daran erinnern, dass die Nationalmannschaft zweimal für den FC Bayern in München angetreten ist: einmal zur Eröffnung der Allianz-Arena und beim Abschiedsspiel für Oliver Kahn.“

Auch die jüngsten Trainerwechsel in der Liga passen Hoeneß nicht - obwohl die Bayern mit der Verpflichtung von Jupp Heynckes (Bayer Leverkusen) für die kommende Spielzeit selbst mitgemischt hatten. Speziell Daums Rückkehr missfällt ihm. „Ich habe mich schon gewundert, dass Heribert, den ich als sehr behutsamen und bedächtigen Mann konservativer Neigung und nachhaltigen Manager kennengelernt habe, so eine Aktion startet. Das hätte ich nicht für möglich gehalten. Da muss irgendwie ein Pulver im Kaffe der Bundesliga gewesen sein, allgemein. Und er hat vielleicht auch etwas da drin gehabt“, sagte er.

Bruchhagen reagierte mit Unverständnis auf die Attacke. „Der Uli sitzt in seinem wunderschönen Haus am Tegernsee und kennt die Nöten und Sorgen der Bundesliga nicht mehr“, sagte Bruchhagen. Die Freundschaft will er dem Bayern-Präsidenten trotz der Äußerungen nicht kündigen. Bruchhagen: „Quatsch. Wir hatten 15 Jahre ein schlechtes Verhältnis und seit fünf Jahren ein gutes. Und das wird auch so bleiben.“

Einmal in Fahrt, stichelte Hoeneß auch gegen Borussia Dortmund, das in der Liga „nur“ noch sieben Punkte vor Leverkusen liegt. „In der Winterpause war ich sicher, dass die Meisterschaft entschieden ist. Aber so wie es gerade läuft, habe ich gewisse Zweifel. Wenn ich in schwarz-gelben Unterhosen schliefe, würde ich langsam unruhig werden“, sagte er. Dennoch drücke er dem BVB am kommenden Samstag gegen Hannover 96 die Daumen. „Realistisch ist, dass wir Hannover überholen und noch Dritter werden. Samstag müssen sie in Dortmund spielen. Ich bin selten ein so großer BVB-Fan gewesen, wie ich es am Wochenende sein werde.“

Nach Rang zwei in dieser Saison soll es mit Heynckes in der kommenden bitte etwas mehr sein. „Jupp kommt jetzt zu Freunden. Wir alle werden ihm helfen, am Ende seiner tollen Laufbahn noch einen riesigen Erfolg draufzusetzen“, sagte er - und zielte dabei wohl auf das Champions-League-Finale 2012 in München ab. Der neue, alte Bayern-Trainer lasse sich nicht reinreden, sagte Hoeneß. So stur wie Louis van Gaal sei er aber nicht. „Wir haben gedacht, dass wir es mit unserer warmen Art schaffen würden, ihn auf unsere frendschaftliche Linie zu bringen“, sagte er über van Gaal: „Das hat nicht geklappt. Bis zum Schluss nicht.“