Bundestrainer Joachim Löw muss sich zwei Tage vor dem vorentscheidenden WM-Qualifikationsspiel am Samstag (17.00 Uhr MESZ/live im ZDF und bei Morgenpost Online) in Moskau gegen Russland auch mit einigen kritischen Tönen befassen. Ex-Nationalkeeper Jens Lehmann hat die Auswahlkriterien im Tor der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in Frage gestellt, Torjäger Stefan Kießling mangelnde Kommunikation beklagt.

Der erneut nicht nominierte Kießling monierte, dass er zu Löw zuletzt im Februar bei seinem letzten DFB-Auftritt Kontakt hatte. „In den letzten 8 Monaten hat Herr Löw nicht mit mir geredet. Natürlich wäre es schön, von ihm persönlich zu wissen, woran ich bin“, sagte der Bayer-Angreifer der "Bild-Zeitung" und fügte an: „Andererseits bringt es auch nicht viel, wenn wir zwar reden, ich aber trotzdem nicht nominiert werde.“

Dass er trotz seiner bisher starken Auftritte und sechs Treffern in der Liga nicht für das Russland-Spiel nominiert wurde, habe er „enttäuscht und verärgert“ zur Kenntnis genommen: „Manchmal frage ich mich: Was mache ich denn falsch? Aber ich kann eh nichts ändern. Ich muss mich nun weiter aufdrängen. Das geht nur mit Leistung und Toren.“

Er werde sich das Gruppen-“Endspiel“ am Samstag im Fernsehen anschauen, meinte Kießling weiter: „Klar, es ist doch meine Mannschaft, die dort hoffentlich gewinnt. Es ist die Mannschaft, mit der ich dann zur WM fahren will. Ich möchte hier auch keinen Stunk machen und gegen den Bundestrainer schießen. Ich will nur wieder spielen!“

Teammanager Oliver Bierhoff wollte am Donnerstag „vor so einem wichtigen Spiel“ wie gegen Russland die Kritik nicht weiter kommentieren.

Süffisant kommentierte der frühere Nationalkeeper Lehmann den Aufstieg von Leverkusens Rene Adler zur Nummer eins im deutschen Tor. „Es ist schon eine kuriose Entwicklung. Am Anfang der Saison wurde Rene Adler nicht eingeladen, weil er dem Trainer nicht gut genug erschien. Dann war er dabei, weil ein Länderspiel in Leverkusen stattfand. Und durch Robert Enkes Erkrankung ist er plötzlich die Nummer eins. Wenn das Freundschaftsspiel gegen Südafrika nicht in Leverkusen, sondern auf Schalke ausgetragen worden wäre, würde am Samstag vielleicht Manuel Neuer spielen“, sagte der 39-Jährige in einem "Bild"-Interview.

Auf die Frage, wie er Kahn als Experten im Fernsehen finden würde, sagte Lehmann, er sei manchmal "verblüfft" über einige Analysen zu Torwartfragen.

Ob es in Deutschland keine Weltklasse-Torhüter mehr geben würde wie früher Oliver Kahn oder eben Lehmann, antwortete der Stuttgarter: „Weiß nicht, ich habe mich nicht verschlechtert. Aber ich bin ja aus der Diskussion um die Nationalelf raus.“ Allerdings hätte der eine oder andere junge Torhüter in Deutschland schon „das Potential, mal richtig gut zu werden“, ergänzte Lehmann immerhin.

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sid