Schalke nur Mittelmass

Pleite beim VfB – Magath geht auf den Schiri los

Der Einzug ins Pokalfinale hat die Lage bei Schalke nicht beruhigt: Gegen Trainer Felix Magath gab es während der Niederlage in Stuttgart wieder Fan-Proteste.

Foto: Bongarts/Getty Images / Bongarts/Getty Images/Getty

Um Felix Magath herum wird es langsam zappenduster. Das lag nicht nur an den dunklen Brillengläsern, die der Trainer von Vizemeister Schalke 04 wegen einer Augenentzündung trug, sondern vor allem am riesigen Fan-Plakat mit der Aufschrift „Magath raus“, das auch er nicht übersehen konnte. Der Coach selbst sah nach dem 0:1 (0:1) beim abstiegsgefährdeten VfB Stuttgart aber nicht schwarz, sondern rot - und ging auf Schiedsrichter Felix Brych los.

„Ich wundere mich schon, dass die Unparteiischen eine gewisse Verantwortungslosigkeit an den Tag legen können“, schimpfte Magath und machte den Referee aus München für die Niederlage verantwortlich: „Leider hat das Schiedsrichter-Gespann ein Foul an Benedikt Höwedes nicht gesehen. Dafür haben die Unparteiischen dann ein folgenschweres und tragisches Handspiel gesehen und Benedikt vom Platz gestellt. Diese Entscheidung hat die Partie wesentlich beeinflusst.“

Der Grund für die Aufregung Magaths war eine Szene in der 14. Minute. Brych verwies Innenverteidiger Höwedes wegen eines Handspiels kurz vor der Torlinie des Feldes. Nach Ansicht des Schiedsrichters verhinderte der Abwehrspieler, der zuvor vom Stuttgarter Stürmer Pawel Pogrebnjak umgerempelt worden war, beim Schuss des Stuttgarter Spielmachers Tamas Hajnal einen Treffer. Anschließend ließ sich der Serbe Zdravko Kuzmanovic die Chance zum entscheidenden Tor vor 39.000 Zuschauern vom Elfmeterpunkt nicht nehmen (15.).

„Das war eine klare Fehlentscheidung. Ich werde klar gefoult, dann liege ich verzweifelt am Boden und will aufstehen“, kommentierte der aufgebrachte Höwedes die Szene: „Da auf ein absichtliches Handspiel zu entscheiden, ist ein absoluter Witz. Das kann ich nicht nachvollziehen, da fehlt mir jegliches Verständnis.“

Auch die Aussage Magaths ließ keinen Platz für Interpretationen. „Benedikt wurde angeschossen und hat sich dann gewundert, dass er vom Platz gestellt wurde. Ich habe eine gute Leistung meiner Mannschaft gesehen, die mit zehn Mann gefightet hat“, sagte der frühere VfB-Coach nach seinem 444. Spiel als Bundesliga-Trainer: „Wenn wir dann vielleicht mal andere Unparteiische haben, reichen solche Leistungen auch, um Punkte zu holen.“

Wenn es nach Magath geht, werden die Zähler auch zukünftig unter seiner Regie eingefahren. „Wer Verantwortung hat, hat auch immer Befürworter und Leute, die das anders sehen. Ich kann damit leben. Ich mache mir keine Sorgen“, kommentierte der Coach die Fan-Proteste, die nur drei Tage nach dem Einzug ins Finale des DFB-Pokals belegten, dass die Schalker Welt nach wie vor nicht in Ordnung ist.

Da die Königsblauen, die in der laufenden Saison alle Partien im Anschluss an ein Pokalspiel verloren haben, in der Liga weiter nur Mittelmaß bleiben und sogar noch in den Abstiegskampf geraten können, kommt dem Achtelfinal-Rückspiel am Mittwoch in der Champions League gegen den FC Valencia umso größere Bedeutung zu. „Das ist ein K.o.-Spiel, in dem wir weiterkommen müssen. Wir haben eine gute Ausgangsposition, und ich denke, dass wir es schaffen können“, erklärte Kapitän Manuel Neuer, der sich mit seinen Teamkollegen im Hinspiel ein 1:1 erkämpft hatte.

Während Schalke auf die Königsklasse hofft, haben die Schwaben nach dem Aus in der Europa League den zweiten Sieg in Folge gefeiert. Erleichterung ist beim VfB, der nicht mehr auf einem direkten Abstiegsplatz liegt, aber nicht zu spüren. „Es wird bis zum Schluss gegen den Abstieg gehen“, sagte Trainer Bruno Labbadia. Auch Sportdirektor Fredi Bobic hält nichts von zu viel Euphorie: „Es wird auf jeden Fall noch einen heißen April geben.“