Morgenpost Online: Können Sie sich noch an die Debatte im Spätsommer erinnern? Damals ging es um das Kapitänsamt in der deutschen Nationalmannschaft, um Michael Ballack und Philipp Lahm. Sie müssen doch darüber geschmunzelt haben.
Srdjan Lakic: Ich habe gleich gesagt, sie sollen es so machen wie bei uns.
Morgenpost Online: Zwei Kapitäne und dann gibt es keinen Streit?
Lakic: Ja, warum denn nicht?
Morgenpost Online: Weil es ein Novum ist.
Martin Amedick: Schon, aber überall gibt es auch einen zweiten Kapitän. Bei uns sind es eben zwei gleichberechtigte.
Morgenpost Online: Die Spielführerbinde trägt ausschließlich Martin Amedick. Hätten Sie die nicht auch gerne?
Lakic: Nein, es ist gut so wie es ist. Ich habe damit überhaupt kein Problem.
Morgenpost Online: Wird dem Amt zu viel Bedeutung beigemessen?
Amedick: Definitiv. Ich verstehe diese ganzen Diskussionen nicht. In einer Mannschaft gibt es immer eine Hierarchie und Führungsspieler. Und das sind nicht nur jene, die Kapitän und zweiter Kapitän sind. Das müssen mehr sein, sonst funktioniert die Mannschaft nicht.
Morgenpost Online: Wie sieht eigentlich Ihre Aufgabenverteilung aus?
Lakic: Wir haben keine Aufgabenverteilung. Wir versuchen so zu sein, wie wir sind. Wir sagen unsere Meinung. Wir sind nicht durch Zufall Kapitäne geworden.
Morgenpost Online: Ihre erste heikle Phase in dieser Saison haben Sie hinter sich. Bevor Sie gegen Mönchengladbach gewannen, waren Sie sieben Spiele ohne Sieg. Was macht man dann als Kapitän?
Amedick: Wir haben keine großen Reden gehalten. Das Wichtigste war immer, dass alle, auch das Umfeld, Ruhe bewahrt haben.
Lakic: Und wir wussten immer, dass wir die spielerische Qualität haben. Es waren nur Kleinigkeiten, die fehlten. Nehmen wir das Spiel gegen Mainz. Das war eine Partie auf Augenhöhe. Wir haben damals geführt und trotzdem 1:2 verloren. Aber es waren nur Kleinigkeiten. Wir wissen, wo Mainz jetzt steht und wo wir jetzt stehen. Das ist das beste Beispiel, was im Fußball möglich ist, wenn man die Kleinigkeiten für sich entscheidet.
Morgenpost Online: Sie könnten jetzt also auch im oberen Tabellendrittel stehen?
Lakic: Ja, das denke ich.
Morgenpost Online: Sie haben in Kaiserslautern das Jahr der Tradition ausgerufen, der Verein feiert 110-jähriges Bestehen. Auf der anderen Seite hatten Sie im Sommer mehr als zehn Abgänge und ebenso viele Zugänge. Vom Abstiegskader 2006 ist beispielsweise keiner mehr da. Wie glaubwürdig ist das?
Lakic: Diese Fluktuation war notwendig, weil der Verein in einer großen Krise war. Die hat er überstanden. Da ist es normal, dass man mit einem neuen Kader anfängt. Aber ich finde, es wird sichtbar, dass hier etwas entsteht.
Morgenpost Online: Wissen denn alle Profis bei Ihnen, wie viele Titel Kaiserslautern gewonnen hat oder was Fritz-Walter-Wetter ist?
Lakic: Ja, die meisten schon.
Amedick: Das denke ich auch. Natürlich ist ein Wechsel für Spieler aus anderen Ländern anfangs immer schwierig. Denen muss man bei der Integration helfen. Aber nehmen wir Leon Jessen (der Däne kam im Sommer nach Kaiserslautern, Anm. d. Red.): das Erste, was er im Interview sagen konnte, war Westkurve. Und dass die ihm sehr gefällt. Wichtig ist doch, dass den Jungs bewusst ist, was den Leuten in der Stadt und der Region der FCK bedeutet. Darauf kommt es an. Wir sind Teil eines Traditionsvereins.
Morgenpost Online: Anfang Oktober haben Sie in einer Buchhandlung versucht, in Pfälzer Dialekt aus dem Buch „Die Betzenbergstory“ vorzulesen. Sie kommen aus Paderborn. Ganz ehrlich, das geht doch gar nicht.
Amedick: Mein Pfälzisch ist noch extrem ausbaufähig, das stimmt. Aber es hat Spaß gemacht. Die Aktion war für ein soziales Projekt, für das „Laki“ und ich Paten sind.
Morgenpost Online: Sie sprechen vom Projekt „Mama/Papa hat Krebs“, bei dem Sie sich um Kinder krebskranker Eltern kümmern. Viele Prominente belassen es dabei, ihren Namen für soziale Dinge herzugeben.
Amedick: Das wäre nichts für mich. Wir engagieren uns richtig. Im Schnitt ist das ein Termin pro Woche. Das Projekt hat einen erlebnispädagogischen Ansatz. Wir versuchen, den Kindern besondere Nachmittage zu bereiten, damit sie aus dem schwierigen Alltag rauskommen. Wir unternehmen viel mit ihnen, wir zeigen ihnen das Stadion, besuchen Eishockey- oder Basketballspiele. Im Projekt gibt es Gruppen für die Kinder, eine Fußballgruppe, eine Klettergruppe, eine Reitgruppe. So sehen sie, dass sie nicht alleine sind. Auch für die Eltern bieten sich Foren. Und das Schöne ist, man sieht, dass es funktioniert.
Morgenpost Online: Anfangs war das Projekt Ihr alleiniges Ding. Mittlerweile haben Sie auch einige aus der Mannschaft dafür akquiriert.
Amedick: Ja, aber es gibt unterschiedliche Typen, manchen liegt das nicht. Das ist dann auch nichts Negatives. Es ist ein schwieriges Thema, das sind schwere Schicksale, die dahinter stehen. Damit muss man umgehen können. „Laki“ kann das. Deswegen ist er dabei.
Morgenpost Online: Als Sie nach Kaiserslautern kamen, sagten Sie: Manchmal muss man einen Schritt zurückgehen, um wieder zwei nach vorne gehen zu können. Was muss passieren, damit der FCK nicht mehr der Schritt zurück ist?
Amedick: Wichtig ist, dass wir in der Bundesliga bleiben. Wenn wir es in dieser Saison schaffen, den Klassenerhalt zu sichern, dann würde es für viele reizvoll sein, nach Kaiserslautern zu gehen.
Morgenpost Online: Das heißt, im nächsten Sommer kommen neue Stars?
Amedick: Ich glaube, das wird hier immer eine spezielle Atmosphäre bleiben. Stefan Kuntz wird darauf achten, dass jeder, der kommt, zu Kaiserslautern passt.
Morgenpost Online: Nicht jeder Star würde passen?
Lakic: Genau, nicht jeder passt. Das Gesamtpaket muss stimmen.
Morgenpost Online: Herr Lakic, Ihr Vertrag läuft im Sommer aus. Bleiben Sie?
Lakic: Ich kann nur sagen, dass ich mich hier sehr wohl fühle, dass ich einiges geschafft habe und noch viel vorhabe. Ich bin mit Stefan Kuntz in Gesprächen. Der Verein hat alle Vorteile. Und eines ist auch klar, ich werde nicht über Nacht woanders hingehen.
Morgenpost Online: Was wäre bei einem Abstieg?
Lakic: Wir steigen nicht ab.
Morgenpost Online: Langfristig wollen Sie beide international spielen. Kann man das mit Kaiserslautern?
Amedick: Natürlich kann man mit Kaiserslautern international spielen, aber sicher nicht in der Kürze. Das erste Ziel ist der Klassenerhalt. Und das wird wohl auch in den kommenden ein, zwei Jahren noch der Fall sein, bis wir so aufgestellt sind, dass wir ein neues großes Projekt in Angriff nehmen können.




