Selbst die ehemaligen Kollegen zollten Sidney Sam Anerkennung. Nach der 1:3 (1:1)-Niederlage des 1. FC Kaiserslautern bei Bayer Leverkusen konnte sich der ehemalige Lauterer Sam vor Glückwünschen kaum retten, auch seine früheren Mitspieler gratulierten dem 22-Jährigen zu einer ganz starken Leistung. Vor allem nach seinem Traumtor zum 3:1 in der 84. Minute erhoben sich die Leverkusener Zuschauer von den Plätzen, nachdem Sam in der 38. Minute bereits den Ausgleich für die Gastgeber erzielt hatte.

„Das erste Tor muss ich machen, das zweite war ein Traumtor. So ein Tor schießt man nicht jede Woche, da hat alles gepasst. Es tut mir aber Leid für Tobi Sippel“, sagte der Doppeltorschütze nach seinen Saisontreffern drei und vier, nachdem er bereits eine Woche zuvor beim 1:0 auf Schalke zum Matchwinner avanciert war. Im FCK-Trikot lief er nach dem Abpfiff zu seinem früheren Mitspielern, wollte sich offenbar für seine Treffer gegen den Aufsteiger entschuldigen. Den Gang in die Lauterer Kurve ersparte er sich aber, nachdem die FCK-Anhänger zu einem Pfeifkonzert angesetzt hatten.

„Das war eine kompakte Mannschaftsleistung mit einem herausragenden Sidney Sam. Der Junge ist aus der zweiten Liga gekommen und hat sich tadellos integriert. Er hätte heute auch aus der Kabine getroffen“, sagte Leverkusens Nationaltorwart Rene Adler.

Sam war maßgeblich daran beteiligt, dass Bayer seinen Bundesliga-Heimkomplex ablegen konnte und nach einer perfekten Woche den Sprung auf einen Champions-League-Platz schaffte. Die Elf von Trainer Jupp Heynckes rückte nach dem dritten Pflichtspiel-Erfolg in neun Tagen auf den dritten Tabellenplatz vor. Der FCK befindet sich dagegen nach der fünften Auswärts-Niederlage in Folge weiter im Tabellenkeller.

Vor 29.794 Zuschauern hatte Florian Dick die Pfälzer mit einem fulminanten 25-m-Schuss (15.) in Führung gebracht, doch ausgerechnet Sam schaffte noch vor der Pause den Ausgleich. Im zweiten Durchgang brachte der eingewechselte Patrick Helmes (68.) Bayer auf die Siegerstraße, ehe erneut Sam mit seinem Sonntagsschuss den Erfolg perfekt machte.

Drei Tage nach dem mühevollen 1:0 gegen Aris Saloniki präsentierten sich die Leverkusener wie ausgewechselt. Agressiv in den Zweikämpfen und mit viel Laufbereitschaft setzte die Werkself den FCK von Beginn an unter Druck. Bereits nach zwei Minuten hatte Stefan Reinartz nach Zuspiel von Tranquillo Barnetta die Chance zur Führung, doch Tobias Sippel war zur Stelle. Sechs Minuten später war es Eren Derdiyok, der nach Flanke von Renato Augusto den Ball nur um Zentimeter neben den Pfosten setzte.

Renato Augusto war bei Leverkusen nach fast zwei monatiger Verletzungspause (Bänderdehnung im Knie) ins Team zurückgekehrt. Der Spielmacher, der zuvor letztmals am 25. September beim 4:1 in Stuttgart gespielt hatte, war einer von fünf neuen Spielern in der Bayer-Startelf im Vergleich zum Saloniki-Spiel. Dafür saß unter anderem der zuletzt schwache Helmes auf der Bank. Nach einer frühen Verletzung von Derdiyok kam der Torjäger dann aber doch zum Zug (29.).

Nach der Leverkusener Drangphase kam der FCK nach einer Viertelstunde erstmals vor das Bayer-Tor, und daraus resultierte auch der glückliche Führungstreffer. Nach einem abgeblockten Freistoß von Alexander Bugera traf Dick aus gut 25 Metern. Die Leverkusener zeigten sich vom Rückstand aber nur wenig geschockt und erspielten sich eine Reihe von guten Möglichkeiten. Auch in der zweiten Halbzeit war Bayer die tonangebende Mannschaft und kam zu weiteren Torchancen. Helmes und Sam machten dann für das Werksteam alles klar.

sid/jr