Nach dem Champions-League-Sieg des FC Bayern in Cluj kam es vor laufender Kamera zu einem bemerkenswerten Dialog zwischen Louis van Gaal und Sat.1-Reporter Jörg Dahlmann. Morgenpost Online dokumentiert ihn.

Jörg Dahlmann: Zunächst einmal Glückwunsch an Louis van Gaal und die Mannschaft, dass Sie so souverän und toll gespielt haben. War es Ihnen klar, dass es trotz der Verletztenmisere, die Sie haben, so locker von der Hand gehen würde?

Louis van Gaal: Wir haben in den vergangenen Spielen gesehen, dass wir besser werden. Ich glaube, dass war heute ein tolles Spiel. Wir hatten ein sehr gutes Positionsspiel. Und Mario Gomez macht drei Tore. Das ist sehr gut.

Dahlmann: Was ist mit dem Gomez? Haben wir ihn alle, Sie inklusive, falsch eingeschätzt?

Van Gaal: Nein, ich nicht. Ich habe die Spielweise für ihn besser gemacht. Er hatte eine schlechtere Periode, und dann muss ein Trainer vergleichen und eine Abwägung machen. Wenn Sie das nicht verstehen, ist das Ihr Problem. Nicht meins.

Dahlmann: Nun mal nicht so aggressiv. Ich habe doch nichts Böses gefragt…

Van Gaal: Es ist immer dasselbe.

Dahlmann: Aber schauen Sie, ich bin…

Louis van Gaal murmelt etwas von „negativer Frage“

Dahlmann: Nein, nicht negativ.

Van Gaal (spöttisch) : Das war nicht negativ? Da habe ich Sie falsch eingeschätzt.

Dahlmann: Das hat jetzt was mit beratungsresistent zu tun. Weil Sie nicht akzeptieren, dass ich Journalist bin. Ich habe doch sogar gelobt.

Van Gaal: Sie haben eine negative Frage gestellt.

Dahlmann: Gut, dann stelle ich noch eine, aus Ihrer Sicht möglicherweise ebenfalls negative Frage hinterher: Wie wollen Sie das mit Hoeneß aus der Welt kriegen?

Van Gaal: Warum muss ich das aus der Welt kriegen? Das ist passiert.

Dahlmann: Aber das ist doch ein Problem. Alle Leute reden drüber.

Van Gaal: Das sagen Sie.

Dahlmann: Ja, klar.

Van Gaal: Warum klar? Sind Sie dabei gewesen?

Dahlmann: Also haben Sie keine Probleme mit Uli Hoeneß?

Van Gaal: Ich habe ein Problem gehabt – gehabt, das ist schon Vergangenheit – mit seiner Aussage. Das habe ich auch erklärt. Und Sie fragen wieder danach. Sie haben doch auch unsere Presseerklärung lesen können...

Dahlmann: ...aber ich lass mich doch nicht von einer Presseerklärung irritieren. Ich weiß doch, dass zwischen Ihnen immer noch Spannungen vorherrschen.

Van Gaal: Nein. Wenn ich Uli Hoeneß die Hand gebe, bedeutet das, dass wir weitergehen miteinander. Meine Funktion ist Trainer, nicht Präsident. Das ist eine andere Funktion. Ich muss mit meinen Spielern, meinem medizinischen und technischen Stab arbeiten. Und mit meinem Vorstand. Vielleicht kommen jetzt auch öfter Gespräche mit Vorstand und Präsident – prima. Dann ist die Kommunikation auch wieder besser. Also: Was ist das Problem?

Dahlmann: Okay, dann entlasse ich Sie. Herzlichen Dank!

Van Gaal (schaut Dahlmann tief in die Augen) : Okay. Danke, danke.

WON