Felix Magath, der Trainer und Manager des FC Schalke 04, wird insgeheim geflucht haben, als die Halbfinals des DFB-Pokals ausgelost wurden. Zwei Zweitligateams waren unter den letzten vier Mannschaften – und Schalke bekam ein Auswärtsspiel beim Rekordpokalsieger Bayern München. Das Spiel heute Abend (20.30 Uhr, ZDF und Sky) ist für die Gelsenkirchener wohl die letzte Chance, auch in der nächsten Saison international vertreten zu sein.
Morgenpost Online: Herr Magath, ist die Münchner 1:3-Niederlage gegen Borussia Dortmund vom vergangenen Samstag Fluch oder Segen für Sie?
Felix Magath: Es ist leider nicht zu kalkulieren, wie die Bayern diese Niederlage verarbeiten. Ich glaube nicht, dass es einen großen Unterschied macht, ob sie vorab gewonnen oder verloren haben. Die Chance, ein DFB-Pokalfinale zu erreichen, ist eines der größten Ziele im Fußball. Wir werden uns also auf einen starken Gegner einstellen.
Morgenpost Online: Haben Sie genau hingeschaut, wie der BVB die Bayern auseinander genommen hat?
Magath: Ja, es war beeindruckend, wie die Dortmunder das Spiel dominiert haben. Das ist für uns natürlich ein Fingerzeig, wie gegen die Bayern gespielt werden muss.
Morgenpost Online: Ist der DFB-Pokal für Schalke die letzte Chance auf einen Europapokalplatz in dieser Saison?
Magath: Wir sind neben Bayern München die einzige Mannschaft, die noch in drei Wettbewerben vertreten ist. Natürlich ist es nicht einzuplanen, sich über den Gewinn der Champions League für Europa zu qualifizieren, und in der Liga wird es auch schwer. Darum ist es schon ärgerlich, dass uns das Los im Halbfinale die Münchner zugeteilt hat. Aber wir nehmen die Herausforderung gern an und glauben an unsere Chance. Auch wenn ich zugebe, dass ich lieber erst im Finale gegen den FC Bayern gespielt hätte. Denn wer von uns ins Endspiel einzieht, hat sicher berechtigte Hoffnung, in den Europacup einzuziehen.
Morgenpost Online: Am kommenden Mittwoch steht zudem das Rückspiel im Champions-League-Achtelfinale gegen den FC Valencia an. Die wichtigste Woche der Saison?
Magath: So etwas wird vor wichtigen Spielen ja oft gesagt. Natürlich ist es eine große Chance für uns. Aber es werden sicher noch einige wichtige Spiele kommen in dieser Saison.
Morgenpost Online: Werden Sie über die Saison hinaus auf Schalke arbeiten, sollten Sie in den beiden Pokalwettbewerben ausscheiden?
Magath: Solche Gedanken sind mir fremd und wären in dieser wichtigen Woche auch fehl am Platz. Jeder, der an Schalke 04 hängt, ist gut beraten, positiv zu denken und optimistisch in die kommenden Spiele zu gehen. Denn noch einmal: Zusammen mit den Bayern die Letzten zu sein, die noch in drei Wettbewerben sind, ist schon eine tolle Leistung, die wir uns nicht schlechtreden lassen dürfen.
Morgenpost Online: Beim vergangenen Spiel, dem 1:1 gegen Nürnberg, gab es allerdings mehrere Anti-Magath-Plakate in der Fankurve. Eine Minderheit?
Magath: Was ich wahrnehme, ist weiter ein großer Zuspruch von Seiten der Fans, zum Beispiel auf meiner Facebook-Seite, wo sich mittlerweile über 144.000 Leute angemeldet haben und rege diskutieren, aber auch von Fans am Trainingsplatz. Dass Anhänger ihren Unmut kundtun nach schlechten Spielen und wegen des Abschneidens in der Meisterschaft, dafür habe ich Verständnis. Das geht mir ja auch nicht anders.
Morgenpost Online: Ein Vorwurf an Sie lautete, Schalke würde die Bundesliga zugunsten der Pokalwettbewerbe schleifen lassen.
Magath: Das ist dummes Zeug. Ich gebe doch nichts von vornherein auf. Nach dem Nürnberg-Spiel habe ich nur versucht zu erklären, dass die Mannschaft ihren Job gut gemacht hat. Natürlich ist sie nicht von Beginn an losgestürmt. Aber sie hat kontrolliert ihre Chancen gesucht, darum war ich mit dem Spiel zufrieden.
Morgenpost Online: Wie nicht anders zu erwarten war, wird vor dem Halbfinale gegen die Bayern viel über Ihren Torwart Manuel Neuer diskutiert. Hand aufs Herz: Wechselt er nach München?
Magath: Ich kann mir vorstellen, dass die Münchner Interesse haben – und nicht nur die. Aber wir haben die angenehme Situation, dass Neuer bei uns einen Vertrag bis 2012 hat, darum stört mich das nicht. Es bleibt dabei, dass wir nicht bereit sind, Manuel Neuer vorzeitig gehen zu lassen. An mich ist auch niemand offiziell herangetreten, und den Statuten nach darf kein Spieler, der unter Vertrag steht, zu diesem Zeitpunkt angesprochen werden.
Morgenpost Online: Wenn Sie nicht in den Europacup einziehen, können Sie dann das Projekt „Meister bis 2014“ fortführen?
Magath: Selbstverständlich. Auch in diesem Fall kann alles normal weitergehen. Natürlich hätten wir mit dem Erreichen des Europapokals mehr finanziellen Spielraum, aber auch der wäre nicht so üppig wie zum Beispiel beim FC Bayern oder dem VfL Wolfsburg. Wir haben vor und während dieser Saison viel investiert, darum sind im Sommer keine weiteren großen Investitionen geplant.
Morgenpost Online: Heißt das, der Umbruch bei Schalke ist abgeschlossen?
Magath: Nein, ein Umbruch beinhaltet mehr als den Austausch von Spielern. Die Mannschaft hat jetzt eine Grundstruktur. Wir haben Spieler, die das Team führen können. Darum brauchen wir keine neuen Stars mehr. Jetzt müssen wir uns gezielt auf einzelnen Positionen verbessern.
Morgenpost Online: Werden Sie dafür die dafür nötige Zeit bekommen?
Magath: Ich habe immer deutlich gemacht, dass so ein Vorhaben Zeit braucht, sonst hätte ich ja keinen Vierjahresvertrag unterschrieben. Da alles vorab mit dem Aufsichtsrat besprochen wurde, gehe ich davon aus, die nötige Zeit zu bekommen.



