Sieg in Mailand

So wehrt Bayerns Kraft sogar Manuel Neuer ab

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Anja Schramm

Der junge Thomas Kraft der Münchner war ein Garant des Sieges in Mailand. Daher dürfte die Diskussion, ob die Bayern Manuel Neuer verpflichten sollen, neu entfacht werden.

Das Lob kam von höchster Stelle, vom Kaiser persönlich: Samuel Eto’o habe seine Weltklasse gezeigt, sagte Franz Beckenbauer. Doch der Kameruner war trotz der wohlwollenden Worte nicht derjenige, der Beckenbauer beim 1:0 des FC Bayern bei Inter Mailand so sehr beeindruckt hatte. Die kaiserlichen Ausführungen gingen nämlich noch weiter: „Aber Eto’o hat seinen Meister gefunden“, sagte Beckenbauer noch. „Und der heißt Thomas Kraft."

Kraft (22) hielt, was auf sein Tor kam, egal ob es Eto’o, Wesley Sneijder oder Esteban Cambiasso versuchten. Es waren einige Chancen darunter, die gemeinhin als Hundertprozentige firmieren. Doch Kraft machte sie zunichte, auch weil er über äußerst beeindruckende Reflexe verfügt. Es war aber nicht nur jenes Attribut, das bemerkenswert war, sondern vor allem sein abgeklärter Auftritt.

Seit Januar erst ist er Bayerns Nummer eins. Seine Inthronisierung war ein Experiment mit offenem Ausgang, weil zwar kaum einer am sportlichen Talent zweifelte, aber selbst die Verantwortlichen nicht wissen konnten, ob Kraft jener Situation gewachsen ist. Die letzten Zweifler jedenfalls dürfte er am Mittwoch mundtot gemacht haben.

Und so wird sie wieder aufbranden, die Debatte um den möglichen Erwerb eines neuen Schlussmannes beim FC Bayern. Reicht Krafts Leistungsvermögen oder brauchen die Münchner Deutschlands Nummer eins, Schalkes Manuel Neuer, der sich schon länger bewährt hat? Sollte Neuer kommen, wird Kraft gehen, das hat er bereits angekündigt. Sein Vertrag in München läuft im Sommer aus. Gespräche über neue Kontrakte haben die Oberen auf das Frühjahr vertagt.

Und Kraft? Vor dem Abflug aus München wurde er nach seinen Befindlichkeiten gefragt. „Aufregung? Das kenn ich nicht“, hat er gesagt. Es mag nicht sehr demütig anmuten, aber es entspricht seinem Naturell. „Spiel ist Spiel“, ist sein Motto, egal ob Dritte Liga oder Champions League. Italiens Medien jedenfalls analysierten am Mittwoch nach dem Schlusspfiff: Auf der Torwart-Position hatten die Münchner einen klaren Vorteil. Krafts Leistung sei spielentscheidend gewesen.

Kraft selbst gab lieber den Geerdeten. „Ja, ich habe gut gehalten“, sagte er etwa. Aber seine ab Sommer vakante Vertragssituation interessiere ihn momentan wirklich nicht, er konzentriere sich nur auf die kommenden Spiele. Das mag ein wenig zu abgeklärt klingen, die gesündeste Einstellung aber ist es allemal. Denn eines ist klar, bestätigt Kraft die Leistung von Mailand auch in den kommenden Monaten, dann werden die Münchner ihr Konto wegen einer Personalie im Tor wohl nicht belasten.