Am 8. Februar 2011 läuft die Sperre der Berliner Eisschnellläuferin Claudia Pechstein aus. Zehn Tage später will sie wieder auf dem Eis stehen und um einen Weltcup-Sieg mitfahren – auch Seite an Seite mit der Frau, der sie in ihrer nun in Berlin vorgestellten Autobiografie mangelnden Respekt vorwirft.
Am Rande der Vorstellung ihres Buches „Von Gold und Blut – Mein Leben zwischen Olymp und Hölle“ am Montag in Berlin schloss Pechstein trotz ihrer Kritik an Stephanie Beckert einen gemeinsamen Start mit der Erfurterin nicht aus. „Ich hatte auch mit Anni Friesinger Probleme, und trotzdem sind wir gemeinsam im Team Olympiasieger geworden“, sagte Pechstein über die aktuelle Team-Olympiasiegerin und besten deutschen Langstrecklerin.
Die derzeit noch gesperrte Pechstein will sich nach ihrer Rückkehr aber vor allem auf die Einzelstrecken konzentrieren. Die 38-Jährige plant ihr Comeback für den Weltcup in Salt Lake City vom 18. bis 20. Februar 2011. Sie trainiere den Umständen entsprechend mit ihrem jahrelangen Trainer Joachim Franke, fügte die 38-Jährige hinzu, die sich aufgrund der psychischen Belastung nach eigenen Angaben in ärztlicher Behandlung befindet. „Ob die Leistungen noch einmal für Medaillen reichen, muss man sehen, ich weiß nicht, wo ich derzeit stehe“, sagte sie. Ihr größter Erfolg sei es, auf das Eisoval zurückzukehren.
Deutscher Olympischer Sportbund reagiert gelassen
Pechstein kritisiert in ihrer Biografie auch den Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Thomas Bach, harsch und wirft dem Vizepräsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) vor allem vor, sich nicht genügend für sie eingesetzt zu haben. Der Eislauf-Weltverband ISU hatte Pechstein nur anhand des indirekten Dopingnachweises wegen auffälliger Blutwerte für zwei Jahre gesperrt. „Obwohl ich unschuldig bin“, beteuerte Pechstein, die seitdem mit ihren Anwälten bei Sportgerichten um die Aufhebung dieser Entscheidung kämpft, am Montag. Als wohl letzten Schritt hat sich die Sportlerin jetzt an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gewandt. Sie hoffe, dass die dortigen Richter ihr Recht auf Unschuldsvermutung geltend machten und „ganz objektiv“ ihr Verfahren betrachteten, sagte Pechstein.
Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) reagierte am Montag gelassen auf die Veröffentlichung der Autobiografie und verteidigte die Handlungsweise im Dopingfall der fünfmaligen Eisschnelllauf-Olympiasiegerin. „Der DOSB hat mit Claudia Pechstein seit März 2009 verschiedene Gespräche geführt. Darin ist - wie auch in den öffentlichen Stellungnahmen - immer wieder deutlich gemacht worden, dass der DOSB eine Null-Toleranz-Politik gegen Doping verfolgt und an die Entscheidungen von CAS und Schweizer Bundesgericht gebunden ist“, sagte DOSB-Sprecher Christian Klaue.
Gleichzeitig habe man stets betont, dass es „das gute Recht von Frau Pechstein ist, alle Rechtsmittel auszuschöpfen“. Der DOSB wies darauf hin, dass Pechstein auf ihrem juristischen Weg „während der Olympischen Spiele in Vancouver auch erfolglos gegen den DOSB vorgegangen“ sei. „Trotzdem haben wir unsere Gesprächsangebote an sie aufrecht erhalten und bis in die jüngste Vergangenheit immer wieder mit ihr gesprochen. Bei allem Verständnis für die schwierige menschliche Situation, in der sich Claudia Pechstein befindet, ist der DOSB nie von seiner klaren Linie abgewichen“, sagte Klaue. Er hob hervor, dass nach Ablauf von Pechsteins Sperre für die Berlinerin „im Rahmen der allgemeinen Regeln von IOC und ISU die gleichen Rechte und Pflichten wie für andere Athleten auch“ gelten würden.
Pechstein berichtet in ihrem Buch detailliert von ihrer Karriere als Sportlerin und ihren Erfolgen über ihre Stimmungslage nach der Wettkampfsperre. „Ich wurde bejubelt, gefeiert, hofiert. Und öffentlich hingerichtet. Ich geriet in den Anti-Doping-Kampf. Ein Kampf, den ich selbst stets unterstützt hatte. Ein Kampf, der nur gegen die richtigen Gegner geführt wird. Gegen die Betrüger! So dachte ich jedenfalls. Bis zu dem Tag, an dem sich das Schwert gegen mich richtete. Mit aller Schärfe“, skizziert sie in dem Buch ihre Situation nach einer fast 20-jährigen Laufbahn.
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