Schiedsrichter-Affäre

DFB-Anwalt Schertz spricht vom "System Amerell"

Christian Schertz vertritt den DFB in der Sexaffäre Manfred Amerell. Im Interview mit Morgenpost Online spricht der Anwalt über den Skandal, der am Montag vor dem Landgericht Augsburg seine Fortsetzung finden wird und sagt, dass Theo Zwanziger wohl nicht vor Gericht erscheinen wird.

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Heute findet in Frankfurt/Main der Bundestag des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zum Thema Schiedsrichterwesen statt. Dies soll nach der Sexaffäre um den ehemaligen Schiedsrichterbeobachter Manfred Amerell umstrukturiert werden. Amerell wird von Fifa-Schiedsrichter Michael Kempter und drei weiteren, der Öffentlichkeit nicht bekannten, Unparteiischen vorgeworfen, sie sexuell belästigt zu haben. Im Interview spricht Anwalt Christian Schertz, der den Verband vertritt, über den Skandal, der am Montag vor dem Landgericht Augsburg seine Fortsetzung finden wird. Zwanziger soll angeblich den Fall Amerell mit den Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche verglichen haben.

Morgenpost Online: Wie bewerten Sie diesen Fall, Herr Schertz?

Christian Schertz: Ich gehe davon aus, dass wir ihn gewinnen werden. Denn das Zitat, das Zwanziger vorgeworfen wird, hat er so nie gesagt. Die einstweilige Verfügung gründet also auf einem falschen Sachvortrag. Amerells Anwälte haben Zeitungsartikel vorgelegt, in denen er falsch wieder gegeben wurde, wie eine Abschrift der betreffenden Pressekonferenz belegt. Entscheidend ist, dass ein direkter Vergleich zwischen den Vorfällen beim DFB und der katholischen Kirche von Zwanziger nicht vorgenommen wurde. Er hat lediglich zeitliche Abläufe verglichen.

Morgenpost Online: Amerell wird Montag persönlich kommen, wird auch Zwanziger vor Gericht erscheinen?

Schertz: Nach meiner Sicht ist es gegenwärtig nicht nötig. Entschieden ist es aber noch nicht. Der Fall ist aus meiner Sicht geklärt, so dass seine Anwesenheit nicht vonnöten ist. Außerdem lag uns nie etwas daran, aus diesem ernsten Thema eine mediale Inszenierung zu machen. Wir mussten aber leider immer wieder Falschbehauptungen auch in den Medien entgegentreten. Dazu gehört übrigens auch, dass Amerell nie angehört worden sei. Das ist nachweislich falsch, wird aber immer wieder kolportiert.

Morgenpost Online: Sie haben in Ihrer Prozessaufzählung die von Amerell immer wieder angekündigten Schadensersatzklagen vergessen.

Schertz: Die vollmundigen Ankündigungen haben sich bislang als Tiger dargestellt, der als Bettvorleger endet. Das von ihm selbst immer wieder als „Tag der Wahrheit“ bezeichnete Verfahren gegen den DFB, in dem sich die Unbegründetheit der gegen ihn erhobenen Vorwürfe herausstellen sollte, hat er in München verloren, weil er seinen eigenen Antrag zurückgezogen hat. Gegen die Schiedsrichter hat er ja angeblich Strafanzeige gestellt. Davon habe ich bis heute keine Kenntnis. Auch über einen angeblichen Schadenersatzprozess weiß ich nur aus den Medien. Wir haben keine Klageschrift.

Morgenpost Online: Werden die drei bisher namentlich nicht bekannten Schiedsrichter gegen Amerell klagen?

Schertz: Es gibt gegenwärtig keine Zivilklagen, und sie sind auch nicht geplant. Ihre Privatsphäre ist gesichert, und genau darum geht es uns. Auch deshalb werde ich mich zu weiteren Details über diese drei Männer nicht äußern.

Morgenpost Online: Ihre Gegenseite bestreitet den Fall mit medialer Vehemenz. Sie halten sich bislang sehr zurück. Warum?

Schertz: Das Hauptziel des DFB war und ist es, die Dinge aufzuklären und dann abschließend zu bewerten. Wir sehen keine Notwendigkeit, jedes Detail sofort zu einer Schlagzeile zu machen. Leider haben wir es auf der Gegenseite mit einer Partei zu tun, die es in den vergangenen Wochen für sinnvoll hielt, sich ständig an die Öffentlichkeit zu begeben. Wir haben dem von Anfang an höchste Seriosität entgegen gesetzt. Wir haben uns nicht in Fernsehsendungen gesetzt, sondern unsere Arbeit gemacht.

Morgenpost Online: Wie bewerten Sie den Fakt, dass Amerell über Jahre SMS-Nachrichten und E-Mails aufhebt?

Schertz: Ich habe mich mehrfach mit allen betroffenen Schiedsrichtern getroffen. Das Ergebnis war eindeutig: Die Abläufe waren bei allen Opfern dieselben, deswegen spreche ich auch vom „System Amerell“. Unabhängig voneinander hat jeder Betroffene eine sehr ähnliche Geschichte erzählt. Und in dieses Schema passt auch die systematische Dokumentation privater Korrespondenz. Ich kenne niemanden, der jahrelang E-Mails und SMS-Nachrichten ausdruckt und katalogisiert. In der Tat ist diese Sammelleidenschaft höchst merkwürdig. Wir prüfen, ob diese vielen veröffentlichten Nachrichten alle authentisch sind. Die Prüfung ist insofern noch nicht abgeschlossen. Das ist schwierig, da ja doch sehr viel Schriftverkehr von Amerell in die Öffentlichkeit gespült wurde.

Morgenpost Online: In einer dieser Mails hat sich Kempter abfällig über den FC Bayern geäußert. Mittlerweile hat er sich bei den Verantwortlichen des Klubs entschuldigt. Haben Sie ihm dazu geraten?

Schertz: Das war überhaupt nicht nötig. Herr Kempter hat von sich aus den Wunsch verspürt, diese lancierte Mail in den richtigen Kontext zu stellen und persönlich mit dem FC Bayern München in Kontakt zu treten.