Mit einem Sieg wollten sie vorlegen und ihren Rivalen Bayer Leverkusen im Fernduell unter Druck setzen. Es ist dem FC Bayern aber nicht gelungen. Die Münchner, die 13 Pflichtspiele in Folge gewonnen hatten, ließen ausgerechnet beim abstiegsbedrohten 1. FC Nürnberg Punkte liegen. 1:1 (1:0) spielten die Bayern bei den Franken. Das reicht zwar vorerst zur Tabellenführung. Doch die kann schon am Sonntag wieder futsch sein, wenn Leverkusen in Bremen punktet.
Kurios, Louis van Gaal störte das 1:1 überhaupt nicht. Der Trainer des FC Bayern war sogar „sehr zufrieden“ mit seiner Mannschaft und beschwerte sich viel mehr bei einem TV-Reporter, der von einem schwachen Spiel der Bayern gesprochen hatte. „Das ist unglaublich, dass Sie das sagen. Sie können nicht sagen, dass wir schlecht gespielt haben“, polterte van Gaal und referierte über ein gutes Spiel der Bayern. Van Gaal sprach gar von einem der besseren in diesem Jahr. „Der Gegner hatte eine Strategie, die es manchmal etwas schwierig macht“, sagte van Gaal und attestierte Nürnberg eine gute, aggressive Spielweise.
Den überraschenden Dämpfer im Kampf um den Titel wollte van Gaal nicht überbewerten. „Das ist nicht entscheidend. Am Ende ist es wichtig und nicht an diesem Wochenende“, sagte der Bayern-Trainer, dessen Mannschaft am 30. Spieltag zum direkten Duell mit Bayer nach Leverkusen muss.
Van Gaal war gestern sichtlich bemüht, den zwar überlegen geführten, insgesamt aber glanzlosen Auftritt seines Starensembles vor 48?548 Zuschauern in der ausverkauften Nürnberger Arena ins rechte Licht zu rücken: „Nürnberg hatte nur eine Chance. Die standen mit elf Spielern in der eigenen Hälfte. Wir waren sehr dominant und haben 90 Minuten minus fünf Sekunden alles gemacht.“ Mit fünf Sekunden meinte er den Ausgleich durch Ilkay Gündogan in der 54. Minute, der mit seinem ersten Bundesligatreffer das 1:0 von Thomas Müller (38.) egalisierte und dem Club einen wichtigen und überraschenden Zähler im Abstiegskampf bescherte. Das Gegentor sei „ein Schlag ins Gesicht“ gewesen, sagte Nationalstürmer Mario Gomez, „da kam bei uns ein Fehler zum anderen“.
Das Unentschieden sei „ärgerlich. Wir hätten sicherlich einen Riesenschritt machen können“, analysierte Torwart Jörg Butt, dessen Vertrag dieser Tage bis 2011 verlängert wurde. Kapitän Mark van Bommel war ebenfalls „verärgert“. Aber auch er verteidigte das Spiel der Bayern: „Es ist eben schwierig gegen Mannschaften, die nur verteidigen. Wir können uns fast keinen Vorwurf machen.“ Im Fernduell mit Leverkusen sieht van Bommel sein Team nach dem 1:1 nach wie vor in einer guten Position. „Leverkusen weiß doch, dass Bayern am Ende fast immer Meister wird“, sagte van Bommel – scheinbar völlig unbeeindruckt von der Werkself.
Im 180. bayrischen Derby verzeichneten die Bayern zwar 67 Prozent Ballbesitz, ihr Spiel war aber zu oft in die Breite angelegt. Ohne den verletzten Franck Ribery und nach der Pause ohne den leicht angeschlagenen Arjen Robben fehlten dem Rekordmeister in vielen Situationen die Überraschungsmomente. Viele Pässe in die Spitze fanden keine Abnehmer.
Bereits am Mittwoch im Champions-League-Spiel gegen den AC Florenz war zu sehen, dass die Bayern Probleme bekommen, wenn sich der Gegner defensiv gut auf sie eingestellt. So locker und leicht, wie das in den vergangenen Wochen oft ausgesehen hatte, geht es dann nicht mehr. Gegen die Italiener hatte es am Ende sogar nur dank eines nicht aberkannten Abseitstreffers von Miroslav Klose zum 2:1-Sieg gereicht. Wenn aber bei den Münchnern mal jemand eine Idee hatte, kamen sie ins Rollen. So wie das gestern in Nürnberg beim Tor von Müller der Fall war.
Da dachte sich der Mittelfeldspieler offenbar: Probieren wir es doch mal über links, wenn über rechts nichts funktioniert. Und siehe da, der erste Versuch über die bis dahin völlig verwaiste Seite führte gleich zur Führung. Müllers Pass auf Olic gab der weiter zu Gomez. Der Ball kam zurück zu Müller, der aus 15 Metern schließlich den Führungstreffer erzielte.
"Wir haben in der ersten Halbzeit defensiv viel richtig gemacht – bis auf einen Fehler, durch den Bayern absolut verdient in Führung gegangen ist“, ärgerte sich Nürnbergs Trainer Hecking über seine in der ersten Halbzeit so harmlose Mannschaft. Die hatte sich nur auf das Verteidigen konzentriert und nach vorn einfach nichts getan.
Nach dem Wechsel spielten die Nürnberger dann aber „mutig und mit Leidenschaft“, wie Hecking befand. Was unter anderem daran lag, dass der Trainer mit Eric Maxim Choupo-Moting für Angelos Charisteas den richtigen Mann eingewechselt hatte. „Der Punkt ist gut für die Moral und das Selbstvertrauen“, sagte Hecking, dessen Team am Samstag zum VfL Bochum muss.
Dort wollen die Franken im Abstiegskampf weiter punkten. Die Bayern erwarten am Sonntag den Hamburger SV zum Spitzenspiel – mit einem klaren Ziel, wie Ivica Olic verdeutlichte: „Wir müssen wieder eine Serie starten.“





