Sportdirektor Jörg Schmadtke kocht vor Wut, Klubchef Martin Kind erhöht den Druck und die Mannschaft wirkt verunsichert: Gut eine Woche vor dem Rückrundenstart am 16. Januar gegen Schlusslicht Hertha BSC zehrt der bevorstehende Abstiegskampf bei Hannover 96 bereits gehörig an den Nerven. Die 1:2-Testspielpleite am Dienstag beim Zweitligsiten Union Berlin hat Spuren hinterlassen. Das nächste und letzte Vorbereitungsspiel am Samstag bei Arminia Bielefeld (15.00 Uhr) wird schon zu mehr als einem simplen Formcheck.
„Dieser Test muss unbedingt gewonnen und das richtige Signal gesetzt werden“, meinte Kind und schließt angesichts von zuletzt sechs sieglosen Punktspielen und dem desaströsen Auftritt bei Union auch Wintertransfers nicht mehr aus. „Wenn es heute oder morgen einen Spieler gäbe, der in unser Anforderungsprofil passt, dann müsste man das machen. Wirtschaftlich sind wir im schlimmsten Jahr seit Langem. Es ist aber billiger, den Klassenerhalt zu sichern, als den Abstieg zu akzeptieren“, sagte der Klubboss der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung.
Das Vertrauen in das vorhandene Personal scheint erschüttert, die Geduld der Verantwortlichen erschöpft. „Das hat kein Niveau. Das ist Betriebssport. Das geht so nicht“, hatte Schmadtke nach der Schlappe in Berlin in der Kabine gesagt - derart laut, dass die dünnen Wände den Schall nicht dämpfen konnten und jedes Wort nach außen drang. „Der Mannschaft ist die Situation noch immer nicht ganz bewusst. Deshalb begrüße ich es, dass dann auch mal Hochdeutsch geredet wird“, meinte Kind.
Auch Trainer Andreas Bergmann, dem der Ruf des Kumpel-Coaches anhaftet, wird vom Klubchef in die Pflicht genommen. „Bergmann muss härter arbeiten und stärker handeln. Und er muss sich in die Linie von Schmadtke hineinentwickeln“, erklärte Kind. Eine Ablösung des Trainers, der erst im August die Nachfolge von Dieter Hecking angetreten hatte, steht vorerst jedoch nicht zur Disposition. Doch auch Bergmann wird an Ergebnissen gemessen.
Gerade in den Spielen gegen die Hertha, beim FSV Mainz 05 und den direkten Konkurrenten 1. FC Nürnberg zum Rückrundenauftakt müssen Punkte her - sonst wird es eng. Für Hannover und wohl auch für Bergmann. „Wir haben momentan drei, vier Punkte zu wenig“, sagte Schmadtke und will auch den Selbstmord von Torhüter Robert Enke nicht mehr als Entschuldigung für schwache Leistungen gelten lassen: „Wir haben bei den Spielern Rücksicht auf die Situation genommen und auf einige Dinge sensibler reagiert, als das sonst der Fall gewesen wäre. Jetzt ziehen wir die Zügel aber wieder an.“
Nur ein Punkt ist Hannover vom Relegationsrang entfernt. „Wir müssen mit den Spielern, die ihre Chance nicht nutzen, ernsthaft reden. Und wenn dann einer bei den Amateuren spielt, dann spielt er eben bei den Amateuren. Wenn man eine Entscheidung trifft, muss man sie auch knallhart durchziehen“, sagte Kind. Sollten die Profis die Botschaft verstanden haben, kann der Abstiegskampf kommen. Andernfalls könnte die Saison im sportlichen Fiasko enden.
sid/fb





