Über Uli Hoeneß ist dieser Tage noch viel mehr zu lesen als gewöhnlich, weil er am Freitag auf der Mitgliederversammlung des Präsidentenamt des FC Bayern von Franz Beckenbauer übernehmen und damit nach 30 Jahren als Manager abdanken wird.
Die Ära Hoeneß steht für Erfolg, Erfolg, Erfolg - sportlich wie wirtschaftlich. Aber man wird auch wieder an seinen - seiner Meinung nach - größten Fehler erinnert: die Entlassung von Trainer Jupp Heynckes im Oktober 1991.
Nach der 1:4-Heimpleite gegen die Stuttgarter Kickers sprach Hoeneß seinem Freund, zuvor mit den Bayern zweimal Meister und einmal Zweiter, die Kündigung aus - und beide weinten.
Jene Saison beendeten die Münchner mit Erich Ribbeck, der im März 1992 Sören Lerby ablöste, übrigens auf dem zehnten Platz.
Mittlerweile dürfte es Hoeneß auch sehr bedauern, dass er Heynckes vergangenen Spielzeit nur aushilfsweise aus dem Vorruhestand holte.
Als Nachfolger Jürgen Klinsmanns sammelte der mittlerweile 64-Jährige in den letzten fünf Spielen 13 Punkte und setzt die Erfolgsserie in dieser Spielzeit als Trainer Bayer Leverkusens fort: Durch das 1:1 (1:1) am Sonntagnachmittag beim FC Bayern bleibt die Werkself unbesiegter Spitzenreiter der Fußball-Bundesliga und hat weiter sechs Zähler Vorsprung auf den Rekordmeister, der unter seinem neuen Trainer Louis van Gaal nicht in die Gänge kommt.
Tabellenplatz sieben wird sich der Präsident und Aufsichtsratschef Hoeneß wahrscheinlich nicht lange bieten lassen.
Hoeneß hatte die Partie gegen Leverkusen, sein letztes Bundesligaspiel als Manager, ja zu den wichtigsten 90 Minuten vor Weihnachten erklärt, wohlwissend, dass den Bayer-Spielern in den vergangenen 20 Jahren zuverlässig die Nerven versagten, wenn sie in München ihre Spitzenklasse beweisen mussten.
Mit einem Sieg hätte der FC Bayern den Rückstand auf drei Punkte reduziert, doch es fehlte van Gaals Mannschaft nicht am Willen, sondern ganz offensichtlich am Können.
Selbst die frühe Führung aus der achten Minute, als Mario Gomez die erste Chance eiskalt zum 1:0 nutzte, gab den Gastgebern keine Selbstsicherheit. Die jungen Leverkusener spielten raffinierter, schneller, direkter. Schon in der 14. Minute gelang Deutschlands bestem Torjäger, Stefan Kießling, der Ausgleich.
Wenig später legte Toni Kroos, Leihgabe der Bayern, den Ball mit einem fantastischen Hackentrick in Kießlings Laufweg, der erneut sicher verwandelte. Der Höhepunkt der Leverkusener Spielkultur erhielt jedoch keinen Eintrag in der Spielberichtsbogen, weil der Schiedsrichter fälschlicherweise auf Abseitsstellung entschieden hatte.
Während also die Mittelfeldspieler der Gäste - außer Kroos noch Tranquillo Barnetta, Arturo Vidal und Stefan Reinartz - zumindest in den ersten 45 Minuten dynamische Akzente setzten und die Ausfälle von Kapitän Simon Rolfes und Renato Augusto kompensierten, agierten die Bayern so, wie vor zwei Wochen von Philipp Lahm in seiner vielbeachteten Generalkritik moniert: ohne Dominanz im Mittelfeld.
Mark van Bommel, Bastian Schweinsteiger, Thomas Müller und Anatoli Timoschtschuk waren gegen die defensiv hervorragend arbeitenden Leverkusener zu konstruktivem Spielaufbau nicht in der Lage.
Ohne die verletzten Franck Ribery und Arjen Robben versuchten die bemühten Bayern deshalb ihr Glück mit hohen und weiten Pässen, die aber meistens nicht beim Adressaten landeten, was das von Woche zu Woche ungeduldiger werdende Münchner Publikum mit empörten Pfiffen quittierte.
Zum Glück für die Bayern traute Tabellenführer Leverkusen seiner Überlegenheit aber nicht über den Weg. Statt weiter Druck auszuüben, etwa auf den völlig indisponierten Innenverteidiger Martin Demichelis, ließ Heynckes in der zweiten Hälfte nicht auf Sieg spielen, um nach dem Schlusspfiff den vergebenen Chancen der ersten 45 Minuten nachzutrauern.
Dabei wäre Heynckes genau der Richtige gewesen, um Bayers Bayern-Traum in München zu beenden. Als Leverkusen dort am 21. Oktober 1989 durch den 1:0-Siegtreffer Marek Lesniaks zum letzten Mal gewann, war der Trainer des FC Bayern: Jupp Heynckes.


























