Er sei nicht Gott, hatte Louis van Gaal vor dem Spiel gegen Eintracht Frankfurt verlauten lassen. Am Samstag nach Schlusspfiff wurde er dann gleichwohl als solcher gefeiert. Eine taktische Maßnahme aus der Rumpelkammer des Fußballs verhalf den Bayern zu einem 2:1-Sieg – der vom Trainer gegen Spielende zum Stürmer umfunktionierte Daniel van Buyten erzielte zwei Minuten vor Schluss das Siegtor.

„Ich war mit meinen Wechseln sehr glücklich“, erklärte van Gaal, der den ersten Bayern-Torschützen Arjen Robben nach einer Stunde gebracht hatte. Der Niederländer egalisierte in der 70. Minute die Eintracht-Führung von Alex Meier (60.), aber danach sah es eigentlich nicht mehr nach einem weiteren Treffer für die lange dominanten Bayern aus. „Vielleicht haben wir so etwas mal gebraucht“, sagte Philipp Lahm über das späte Glück.

Auch wenn die Spieler danach erleichtert übereinander herfielen: Ihre spielerische Krise dauert an. Weil sie trotz einer erschreckend unpräzise spielenden Frankfurter Mannschaft nicht zur Führung kamen, mussten sie sich zur Halbzeit ein gellendes Pfeifkonzert gefallen lassen. Ohnehin scheint die Zeit der verbalen Zurückhaltung seit dem 1:2 bei Girondins Bordeaux in der Champions League vorbei. Dort hatte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge die „dringende“ Empfehlung an die Spieler ausgegeben, „eine andere Gangart einzulegen“.

Der Italiener Luca Toni war vor zwei Jahren unter Trainer Ottmar Hitzfeld verpflichtet worden. Seit jenem Sommer hat kein Zugang mehr wirklich eingeschlagen, jedenfalls nicht auf Anhieb. Am Samstag versuchten sich anfangs Anatoli Timoschtschuk und Danijel Pranjic, beide agierten farblos bis unglücklich – verunsichert, wie viele andere auch. Bei den Stürmern Toni und Klose äußerte sich dies in vergebenen Torchancen – so köpfte der Italiener unbedrängt am Tor vorbei (20.), vergab eine Eins-zu-eins-Situation gegen Oka Nikolov (23.) und traf nur den Pfosten (43.).


Mit der ersten Eintracht-Chance gerieten die Bayern dann sogar in Rückstand. Patrick Ochs passte durch die Abwehr hindurch in den Strafraum, Alex Meier stieß in die Lücke und vollstreckte zum 0:1. Danach hatten die Bayern doppelt Glück. Erst wurde Meier allein vor dem Tor von Schiedsrichter Drees auf Grundlage einer falschen Abseitsentscheidung zurückgepfiffen, dann half Nikolov nach: Eine Flanke ließ er fallen – Robben schob ein. In der 86. Minute ging dann Toni, Verteidiger van Buyten rückte in die Sturmspitze. „Der Trainer hat mir zugerufen, dass wir diesen Wechsel machen, und dann bin ich einfach nach vorn“, erzählte der Belgier. Zwei Minuten nach dieser Verschiebung köpfte er den Sieg.


Van Gaal hatte also endlich einmal Fortune bewiesen. Um der Kritik an ihm zu begegnen, hatte er sich bereits am Tag vor dem Spiel ungewöhnlich konziliant gegeben – und dabei auch jenen Selbstvergleich mit dem Allmächtigen zurück gewiesen, den er einer Sportzeitschrift zufolge den Spielern gegenüber vorgenommen hatte. „Ich bin kein Gott, ich bin nur ein Trainer, der hart arbeitet und sich viel um die Spieler kümmert“, sagte er.

Eine „kluge Erklärung“ sei das gewesen, befand Uli Hoeneß, „nach den Missverständnissen der letzten Woche“. Der Manager empfahl seinen Führungskollegen eine „Strategie der ruhigen Hand – die beste Unterstützung für einen Trainer ist, wenn wir nichts sagen“.

ws