Christina Stürmer

"Hauptsache, wir schlagen Deutschland"

In ihrem EM-Song "Fieber" singt die Österreicherin Christina Stürmer von "Jubel in den Gassen" und "sie hüpfen, springen, tanzen". Damit bei ihren Landsleuten solch ein Euphorie-Schub einsetzt, muss etwas ganz Besonderes passieren, wie die Sängerin Morgenpost Online verrät.

Foto: Isabel Schiffler / picture alliance

Morgenpost Online: Mit Ihrem Namen mussten Sie ja den EM-Song singen, Frau Stürmer.

Christina Stürmer: Wenn man so heißt, klar. Ich bin ja schon in der Schule damit aufgezogen worden. Natürlich, Stürmer, Fußball. Da wurden sehr viele Witze gemacht.
Morgenpost Online: Haben Sie denn jemals ein Tor geschossen?
Stürmer: Nein. Mein Papa hat früher kaum Fußball geschaut. Im Fernsehen lief nur, was alles auf den Bergen passiert ist: Slalom, Abfahrt, Super-G. Ich war so um die elf, zwölf, da haben ich und meine Freundinnen und Freunden bei unserem Ortsplatz unsere eigenen Tore aufgebaut, und da haben wir dann Fußball gespielt. Aber das war eher zum Spaß. Was Regeln angeht, bin ich absolut ein Laie.

Morgenpost Online: Sie sagen, Fußball ist nicht gerade Ihre Welt, aber Sie finden es extrem cool, dass so viele Nationen ins kleine Österreich kommen.

Stürmer: Das stimmt. Ich bin kein großer Fußballfan, aber wenn eine WM oder EM ist, also irgendwelche größeren Spektakel, wo mehrere Leute auch mitfiebern, dann werde auch ich mitgerissen. Ich bin bei Konzerten mit 14 Burschen unterwegs, und da wird man einfach infiziert. Da bleibt einem als einziges Mädchen in dieser Riesengruppe gar nichts anderes übrig.

Morgenpost Online: Sie haben vor kurzem gesagt, Sie hoffen, dass eine ähnliche Energie freigesetzt wird wie 2006 in Deutschland.

Stürmer: Na ja, dieses Sommermärchen, von dem alle sprechen. 2006 war ja in Deutschland eine Wahnsinnsstimmung. Diese ganze Euphorie. Dass es bei uns nicht genauso ist, ist auch klar, das kann man nicht wiederholen. Aber ich hoffe, dass es so ähnlich wird.

Morgenpost Online: Also ist das, was Sie im „Fieber“ singen, vom „Jubel in den Gassen“, „sie hüpfen, springen, tanzen“, Ihr Wunsch für die EM?

Stürmer: Das ist mein Wunsch, ja. Ich sehe Fußball sehr positiv.

Morgenpost Online: Auf der anderen Seite bekommen wir hier in Deutschland mit, dass die Österreicher unheimlich hart mit ihrer Mannschaft ins Gericht gehen. Da war ja sogar schon die Rede vom freiwilligen Verzicht auf die Europameisterschaft. Wäre es denn wirklich so schlimm, wenn die Mannschaft alle Spiele verlieren würde?

Stürmer: Also ich finde es nicht schlimm. Ich finde es auch ganz grausam, wenn das eigene Land nicht mehr hinter der eigenen Mannschaft steht. Ich finde, Österreich hat keine schlechten Spieler. Und es war in Deutschland bei der WM doch auch so, dass durch diese ganze Euphorie und durch diesen Kraftschub von einer ganzen Nation die eigene Mannschaft gleich besser spielt. Wie die Nation, so die Mannschaft. Ich glaube schon, dass unsere ein bisschen weiter kommen kann, wenn beide Seiten sich zusammen reißen.

Morgenpost Online: Nur bitte nicht im Spiel gegen uns Deutsche.

Stürmer: Dabei ist es doch für uns so etwas Besonderes. Bei uns gilt: Hauptsache, wir schlagen den großen Bruder Deutschland. Alles andere ist egal. Und kaum bin ich in Deutschland heißt es: „Ist ja ganz klar, dass du nicht fußballinteressiert bist bei so einer Nationalmannschaft.“ Aus meiner Sicht geht es da gar nicht um Fußball direkt, sondern um den ewigen Kampf Klein gegen Groß.

Morgenpost Online: Sie haben ja die Spieler bei der Vorstellung kennen gelernt. Haben Sie da Hoffnung gespürt?

Stürmer: Was heißt Hoffnung? Ich glaube, die finden sich selber nicht so schlecht. Was ich auch sehr, sehr gut finde, wenn schon die Hälfte des Landes nicht an sie glaubt.