"Einig Vaterland"

Die Sehnsucht Günther Krauses nach der DDR-Hymne

Vor zwanzig Jahren signierte Günther Krause den deutschen Einigungsvertrag. Jetzt traf er mit seinem damaligen Partner Wolfgang Schäuble zusammen.

Der Chefunterhändler der frei gewählten DDR-Regierung, Günther Krause (CDU), spürt zwei Jahrzehnte nach der Vereinigung Deutschlands eine Sehnsucht nach der DDR-Nationalhymne.

Der Chefunterhändler der frei gewählten DDR-Regierung, Günther Krause (CDU), spürt zwei Jahrzehnte nach der Vereinigung Deutschlands eine Sehnsucht nach der DDR-Nationalhymne.

„,Auferstanden aus Ruinen’ wäre als zweite Strophe der gesamtdeutschen Hymne wichtig gewesen“, sagte Krause in einem Interview der „Morgenpost Online“. Zum einen komme der Begriff „Deutschland einig Vaterland“ in dieser Strophe vor, sagte der Staatssekretär unter DDR-Ministerpräsident Lothar de Maizière (CDU). Zum anderen habe Honecker „verboten, das Lied zu singen. Er wollte jeden Gedanken an eine Wiedervereinigung tilgen“. Krause sagte weiter: „Vielleicht kommt man eines Tages auf die Idee und integriert diesen Text in die Hymne.“

Der CDU-Politiker sagte: „Wir sollten jedenfalls wegkommen von dem Missverständnis, dass unsere Hymne ,Deutschlandlied‘ heißt. Mit einer zweiten Strophe ,Auferstanden aus Ruinen‘ würde das gelingen.“

Krause bedauerte, dass das 1990 vereinigte Land weiterhin Bundesrepublik Deutschland heiße und nicht Deutschland, wie Ost-Berlin damals vorgeschlagen hatte. „Wir wollten zeigen, dass es sich um einen Neuanfang handelt“, sagte Krause.

„Wir wollten auch den 3. Oktober 1990 als ersten Tag verstehen und sagen: Wir zählen neu. Im Westen war das nicht vermittelbar. Eigentlich wäre es richtig gewesen, weil die Bundesrepublik Deutschland seit dem 2. Oktober, über Nacht, ein anderer Staat war – souverän und mit allen Pflichten der Völkergemeinschaft. Genauso wie die DDR.“

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), der mit Krause den Einigungsvertrag ausgehandelt hatte, sähe in „Auferstanden aus Ruinen“ als Teil der Nationalhymne kein Problem. Er habe „ein Buch geschrieben mit dem Titel ,Und der Zukunft zugewandt‘. Jeder, der etwas versteht, hat die zweite Zeile der Becher-Hymne darin erkannt – und meine Absicht ebenso“, sagte Schäuble der „Morgenpost Online“.

Die Westdeutschen aber hätten sich 1990 darauf nicht eingelassen. „Die meisten Menschen im Westen kannten den Text der Becher-Hymne nicht, weil er nicht gesungen werde durfte. Für sie war es die Spalter-Hymne. Vor diesem Hintergrund hielt ich es für klüger, andere Widerstände im Westen zu überwinden als den Widerstand gegen dieses Lied“, sagte Schäuble. Krause und Schäuble hatten am 31. August 1990 den Einigungsvertrag unterzeichnet. Er bildete den Grundstein für die Vereinigung Deutschlands am 3. Oktober 1990.

Lesen Sie das ganze Interview mit Schäuble und Krause in der Morgenpost Online