Champions League

Barcelona auf dem europäischen Fußball-Thron

Der FC Barcelona hat das Traumfinale in der Champions League gegen Manchester United gewonnen. Die Spanier bestimmten über fast die gesamte Spielzeit das Geschehen und hatten mit Lionel Messi den überragenden Akteur auf dem Platz. Damit stoppten die Katalanen auch den Siegszug der "Red Devils" in der "Königsklasse".

Angeführt vom überragenden Superstar Lionel Messi haben die Ballkünstler des FC Barcelona Europas Fußball-Thron erklommen und den Siegeszug von Manchester United gestoppt. Barca gewann das Endspiel der in Rom nach Toren von Samuel Eto'o (10.) und Messi (70.) hochverdient mit 2:0 (1:0). Die Katalanen verhinderten damit die historische Titelverteidigung der Engländer, die gegen die phasenweise wie entfesselt spielenden Spanier auf verlorenem Posten standen.

„Wir hatten in den ersten zehn Minuten große Probleme, das frühe Tor hat uns sehr geholfen. Wir haben Messi etwas mehr in die Mitte gezogen und auf mehr Ballbesitz spekuliert. Das hat uns geholfen. Messi kann einfach alles, er ist einfach der Beste“, sagte Barca-Trainer Josep Guardiola. ManU-Teammanager Sir Alex Ferguson meinte: „Das erste Tor war ein Killer für uns, danach waren wir nervös. Das bessere Team hat gewonnen. Barca hat das 1:0 hervorragend verwaltet. Wir haben eine enttäuschende Leistung gezeigt. Barca war fantastisch, vor allem im Mittelfeld. Ein Lob auch an Lionel Messi. Ich kenne kaum eine Mannschaft, gegen die es schwieriger ist zu spielen.“

ManU, das zuvor 25 Champions-League-Spiele in Folge nicht verloren hatte, hätte als erstes Team in der 17-jährigen Geschichte der Königsklasse zwei Triumphe in Folge feiern können. Stattdessen krönte das Team des erst 38 Jahre alten Trainers Josep „Pep“ Guardiola eine perfekte Saison und holte als erste spanische Mannschaft das Triple aus Meisterschaft, Pokal und Champions League. Es war Barcas dritter Titel im wichtigsten europäischen Klub-Wettbewerb nach 1992 und 2006.

Nur in der Anfangsphase hatte ManU das Spiel vor 67.000 Zuschauern im ausverkauften Olympiastadion kontrolliert, danach drehte der Bayern-Bezwinger auf. Das Duell der Superstars entschied Messi gegen Cristiano Ronaldo für sich, auch wenn der Weltfußballer aus Portugal in einer schwachen Elf von Teammanager Alex Ferguson noch zu den Besten gehörte. Sir Alex verpasste seinen dritten Champions-League-Titel und konnte nicht mit dem alleinigen Rekordhalter Bob Paisley (FC Liverpool) gleichziehen.

„Barca war ganz einfach besser. Wenn man sie spielen lässt, hat man keine Chance, das haben die Bayern schon schmerzlich erfahren“, meinte „Kaiser“ Franz Beckenbauer am Premiere-Mikrofon: „Keine Frage: Barca ist ein würdiger Champions-League-Sieger.“

Überraschende Führung

Nach nur 90 Sekunden bereitete Ronaldo Barca-Torwart Victor Valdes mit einem Freistoß-Aufsetzer aus knapp 30 Metern große Probleme. Der Portugiese spielte zunächst wie aufgedreht und hatte in der 7. und 9. Minute zwei weitere Schuss-Chancen.

Die Führung für die Spanier fiel wie aus heiterem Himmel. Die Katalanen schlossen gleich ihren ersten Angriff erfolgreich ab, profitierten aber auch von Fehlern in der ManU-Abwehr. Eto'o lief aus halbrechter Angriffsseite in den Strafraum, umdribbelte den schlecht postierten Serben Nemanja Vidic und ließ auch Torwart Edwin van der Sar bei seinem Schuss in die kurze Ecke schlecht aussehen.

Danach waren die Red Devils sichtlich verunsichert, Barca kam immer besser ins Spiel. Nur eine Minute nach der Führung verstolperte Messi in aussichtsreicher Position den Ball, in der 19. Minute schoss er knapp übers Tor. Weitere acht Minuten später verfehlte Spielmacher Xavi bei einem Freistoß das Tor der Engländer nur knapp. ManU konnte die neu formierte Defensive der Spanier kaum noch unter Druck setzen, wirkte nervös und bei Temperaturen von knapp 25 Grad in vielen Situationen kraftlos.

Xavi trifft den Pfosten

Guardiola, der als Spieler mit den Katalanen 1992 den Landesmeister-Cup gewonnen hatte, musste wegen der Sperren von Daniel Alves und Eric Abidal sowie der Verletzungen von Rafa Marquez und Gabriel Milito in der Abwehr improvisieren. Kapitän Carles Puyol sprang auf der rechten Seite ein, Mittelfeld-Abräumer Yaya Toure rückte in die Innenverteidigung.

Bei ManU fehlte nur der gesperrte Darren Fletcher. Kapitän Ryan Giggs, zuletzt häufig nur Edeljoker, startete auf der linken Mittelfeldseite und kam zu seinem 805. Einsatz für die Red Devils. Der Waliser war bereits beim 2:1-Triumph im legendären Finale gegen Bayern München 1999 dabei gewesen.

Auch nach der Pause kontrollierte Barca das Spiel, obwohl Ferguson in Carlos Tevez einen weiteren Offensiv-Spieler brachte. In der 48. Minute hatte Thierry Henry das 2:0 auf dem Fuß, scheiterte aber an van der Sar. In der 50. Minute kam Messi, der immer mehr die Fäden in die Hand nahm, um Zentimeter zu spät. Weitere drei Minuten später traf Spielmacher Xavi mit einem Freistoß von der Strafraumgrenze nur den Pfosten.

Danach riss sich ManU etwas zusammen, erspielte sich aber nur wenige Torchancen. Ausgerechnet in einer kleinen Drangperiode der Engländer fiel das 2:0. Xavis Flanke drückte der nur 1,70 m große Messi per Kopf über die Linie. Für den Argentinier war es das neunte Tor im laufenden Wettbewerb. Damit sicherte er sich auch die Torjägerkrone.