Champions-League-Sieger

FC Barcelona – Eine Mannschaft zum Verlieben

Messi, Iniesta, Xavi: Der FC Barcelona zählt zu den wundervollsten Teams, die jemals den Landesmeisterpokal in die Höhe stemmten. Das Spiel der Katalanen ist berauschend schön, taktisch vollendet und technisch nahezu perfekt. Doch das Finale in Rom entschied Barcelonas Trainer mit einem genialen Schachzug.

Den wichtigsten Fang machte Victor Valdes nach dem Schlusspfiff. Trainer Josep Guardiola warf ihm den silbernen Henkelpokal über eine Distanz von fünf Metern in hohem Bogen zu und lächelte, als wollte er sagen: „Hier, damit du auch mal was zu halten hast!“

Viel war es tatsächlich nicht, was der Torwart des FC Barcelona im Finale der Champions League gegen Manchester United abwehren musste. Und deshalb stieg an diesem Abend nicht das erhoffte größte Spiel der vergangen Jahre. Vielmehr geschah in Rom Alltägliches: Eine starke Mannschaft dominierte eine schwache Mannschaft und besiegte diese recht unkompliziert 2:0 (1:0). Dennoch war der Abend voll von Magie.

Dieser FC Barcelona zählt zu den wundervollsten Teams, die jemals den Landesmeisterpokal in die Höhe stemmten. Das Spiel der Katalanen ist berauschend schön, taktisch vollendet und technisch nahe der Perfektion. Niemand hat den Titel mehr verdient als die Mannschaft von Guardiola, der im ersten Jahr als Trainer der Profis mehr erreicht hat als die meisten Kollegen in einer ganzen Laufbahn.

Mit nur 38 Jahren ist er nicht nur der jüngste Trainer, der jemals die Champions League gewann. Guardiola ist auch der erste Trainer, der mit Barcelona das Tripel holen konnte – also neben dem Triumph von Rom noch die Landesmeisterschaft und den nationalen Pokal. „Ich hätte nicht geglaubt, dass ich als Trainer so rasch diesen Erfolg feiern würde“, sagte er: „Wir haben das perfekte Match gehabt und einer fantastischen Mannschaft unser Spiel aufgezwungen. Barcelona war stark und schön, genau wie ich es wollte.“

Dies war weder Zufall noch das Glück eines Anfängers. Im Gegenteil: Nicht nur die Spieler von Barcelona waren besser als die von Manchester, auch der Trainer war seinem Kontrahenten überlegen. Nach dem 1:0 durch Samuel Eto’o (10.) entschied Guardiola das Spiel, indem er Lionel Messi aus dem Angriff ins Mittelfeld beorderte und den großen Alex Ferguson so überforderte. „Davon wurden wir überrascht“, gab Manchesters Trainer zu und bemängelte, dass der Spielaufbau fortan an der Übermacht des gegnerischen Mittelfelds gescheitert war.

Immerhin dem besten des Planeten. Die Fußballwelt wird beherrscht von Xavi Hernandez und Andres Iniesta – zwei schmächtigen Kerlchen, die so bubihaft wirken, dass man ihnen am liebsten einen Lolli in die Hand drücken möchte. Sie leben auf dem Feld nicht von Ausstrahlung, nicht von Selbstinszenierung, sondern von purem Können.

Sieben Spieler aus der Jugend

Xavi und Iniesta hatten mit ihrem Kurzpassspiel bereits die Europameisterschaft im Sommer beherrscht und Spanien zum Titel geführt. In der Champions League litten unter anderem Lyon (2:5) und der FC Bayern (0:4) unter ihren Künsten, die sie nach den von Guardiola forcierten Abgängen Ronaldinhos und Decos nun auch bei Barcelona stetig zeigen können. Ihr Spiel ist der Schlüssel zur raschen Renaissance des Klubs, der zuletzt zwei schwache Jahre durchlerlebte.

Es ist bemerkenswert, dass Mittwoch sieben Spieler der Startelf und selbst der Trainer aus der eigenen Jugend stammten. Xavi und Iniesta gehören dazu. Sie beherrschen die Philosophie ihres Klubs so sicher wie den Zahlenraum von eins bis zehn. In der Art einer Nähmaschine ziehen sie das Angriffspiel mit schnellen Offensivpässen auf. Ein Stich folgt dem nächsten, bis das Loch in der Abwehr gefunden ist. Defensiv stellen sie die Räume geschickt zu und attackieren die Ball führenden Gegner so ausgiebig, dass diese bald die Nerven verlieren. In Rom bereitete jeder der beiden einen Treffer vor, sie führten die Statistiken „Ballkontakte“ und „Laufstrecke“ an. „Iniesta und Xavi waren fantastisch“, lobte Guardiola.

Dies gilt auch für den Mann, auf dem im Vorfeld der meiste Druck lastete. Wer von der Einzigartigkeit Barcelonas berichtet, kommt an Lionel Messi natürlich nicht vorbei. Das Finale war im Vorfeld zum Duell zwischen dem Argentinier und Manchesters Cristiano Ronaldo hochstilisiert worden. Messi gewann es eindrucksvoll und krönte seine Leistung mit dem 2:0, das er per Kopf erzielte (70.). Mit neun Treffern ist er nicht nur Torschützenkönig der Champions League, er dürfte den Portugiesen Ronaldo in diesem Jahr auch als Weltfußballer ablösen. „Dieser Sieg ist der wichtigste in meinem Leben“, jubelte Messi nach der Siegerehrung, „ich bin der glücklichste Mensch auf der Erde. Ich freue mich für mich, für meine Familie und mein Land.“

Messi liebt Fußball

Es waren Bilder aus der 28. Minute, die so schön beschreiben, warum Messi ein so wunderbarer Spieler ist. Mit seinen blauen Schuhen ging er in ein Dribbling und war schnell von sechs grauen Schuhen umringt, die alle nach dem Ball traten, aber nur seine Beine trafen. Messi fiel, die Gegner auch, doch Messi befreite sich aus dem Knäuel und wollte weiter aufs Tor zurennen; andere hätten sich achtmal um die eigene Achse gedreht und geschrien.

Messi spielt lieber Fußball. Barcelona spielt lieber Fußball. Und deshalb kann es keinen besseren Champions-League-Sieger geben.