Rallye

Erster Dakar-Triumph für Berliner Timo Gottschalk

Nach dem zweiten Platz im Vorjahr machten Nasser Al-Attiyah aus Katar und sein Beifahrer Timo Gottschalk aus Berlin den Sieg 2011 perfekt.

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Als der große Traum vom ersten Dakar-Sieg für Timo Gottschalk und Nasser Al-Attiyah Wirklichkeit geworden war, kletterten sie auf das Dach ihres Touareg und ließen sich mit VW-Motorsportdirektor Kris Nissen feiern. Der Co-Pilot aus Berlin und sein schneller Chauffeur aus Katar bescherten den Wolfsburgern beim Rallye-Klassiker in Argentinien und Chile den dritten Gesamtsieg in Serie. Auf der letzten Etappe mit 181 Wertungskilometern von Cordoba nach Buenos Aires ließen sie sich gestern ihren Vorsprung nicht mehr nehmen und schafften nach Platz zwei im Vorjahr diesmal den Sprung ganz nach vorn. Gottschalk ist damit nach Andy Schulz (zuletzt 2003) und VW-Kollege Dirk von Zitzewitz (2009) der dritte deutsche Beifahrer innerhalb von neun Jahren, der den Rallye-Klassiker gewinnt.

„Für mich ist der Dakar-Sieg ein Traum“, sagte der 36 Jahre alte Gottschalk. Al-Attiyah hatte schon als 15-Jähriger seinem Vater versprochen, einmal die Dakar zu gewinnen und für den Pokal einen von zwei Plätzen in seinem Trophäenschrank freigehalten. Der zweite ist reserviert für eine olympische Goldmedaille, die der Weltklasse-Tontaubenschütze jetzt gerne 2012 in London bei seiner insgesamt fünften Teilnahme gewinnen würde. 2004 in Athen hatte er immerhin schon Platz vier belegt. VW bleibt seit dem Wechsel der Rallye von Afrika nach Südamerika vor zwei Jahren ungeschlagen und feierte wie im Vorjahr einen Dreifachsieg. Die beiden Siegerteams der Jahre 2009 und 2010, der Südafrikaner Giniel de Villiers und von Zitzewitz (Karlshof) sowie Carlos Sainz/Lucas Cruz (Spanien) machten auf den Plätzen zwei und drei das reine VW-Podium bei der Siegerzeremonie am Sonntag perfekt.

Fast 50 Minuten Vorsprung

De Villiers/von Zitzewitz hatten nach mehr als 9618 Kilometern und rund 5000 Wertungskilometern einen Rückstand von 49:41 Minuten. Vorjahressieger Sainz, der am Donnerstag durch einen Aufhängungsbruch mehr als eine Stunde und damit alle Siegchancen eingebüßt hatte, lag am Ende 1:20:38 Stunden zurück.

„Das war die härteste Dakar, an der wie je teilgenommen haben, für die Fahrer, Beifahrer und die Fahrzeuge. Es war die bestorganisierte Dakar, bei der wir je waren. Von außen betrachtet könnte man sagen, hier fahren nur VW-Autos und ein BMW. Das ist aber nicht der Fall. Am Start waren sieben BMW, ein Mini, zwei Hummer, mehrere Mitsubishi und Toyota sowie vier VW“, sagte Nissen nach einer fast perfekten Vorstellung seiner Mannschaft. Insgesamt 12 der 13 Tagessiege gingen an die Wolfsburger, nur einmal lag Dakar-Rekordgewinner Stephane Peterhansel (Frankreich) im BMW X3 des X-raid-Teams aus dem hessischen Trebur vorne.

„Dass wir dieses Rennen dominiert haben, liegt daran, dass wir das beste Team der Welt in diesem Sport haben, der Race Touareg 3 ein gutes Stück besser ist als der Race Touareg 2 und dass alle Fahrer und Beifahrer das ganze Jahr konsequent genutzt haben, sich körperlich und geistig auf dieses Rennen vorzubereiten“, sagte Nissen: „Wir haben mit dem ganzen Paket einen guten Schritt nach vorne gemacht, Stephane Peterhansel mit dem BMW hat sich nicht so viel verbessert. Deswegen waren wir dominanter als 2010.“

Al-Attiyah/Gottschalk sind jetzt die dritte Dakar-Siegerpaarung von VW, weil sie über die knapp zwei Wochen sehr konstant auf höchstem Niveau gefahren sind. „Von all unseren Fahrern haben Nasser und Timo die wenigsten Fehler gemacht. Das ist der Grund dafür, dass sie vorne waren“, sagte Nissen. „Ich kann es noch kaum glauben. Schon in den letzten Tagen hatten wir uns einen komfortablen Vorsprung erarbeitet und es sah in den vergangenen Etappen richtig gut für uns aus. Und doch hat sich jeder Gedanke an den Sieg verboten, denn bis zum Schluss kann bei dieser Rallye stets alles passieren“, sagte Gottschalk. „Ich bin stolz und glücklich über den Sieg. Es war die bislang härteste Dakar, die ich absolviert habe. Wir sind jetzt zwei Wochen an unsere körperlichen Grenzen gegangen. Der Veranstalter hat seine Versprechungen, die härteste Rallye Dakar aller Zeiten austragen zu wollen, wahr gemacht. Genau diese gewonnen zu haben, ist ein unglaublich schönes Gefühl.“